| Reiseroute | |
| 08.01.2006 | Windhoek - Kalahari - Mariental |
| 09. - 10.01.2006 | Keetmanshoop - Naute Dam - Fish River Canyon |
| 11. - 12.01.2006 | |
| 13.01.2006 | Tsaris-Pass - Namib Rand |
| 14.01.2006 | Sesriem - Sossusvlei - Sesriem Canyon |
| 15.01.2006 | Petrified Dunes - Solitaire - Spreetshoogte Pass - Kuiseb Pass |
| 16.01.2006 | Namib Naukluft Park - Swakopmund |
| 17.01.2006 | Swakopmund - Walvis Bay |
| 18.01.2006 | Cape Cross - Brandberg - Damaraland - Khorixas |
| 19.01.2006 | Twyfelfontein - Organ Pipes - Verbrannter Berg - Petrified Forest |
| 20.01.2006 | Palmwag - Aub Canyon |
| 21.01.2006 | Kaokoveld / Himba-Dorf - Seisfontein - Ongongo Wasserfall |
| 22. - 24.01.2006 | Etosha National Park |
| 25. - 26.01.2006 | Otjiwarongo - Waterberg Plateau |
| 27.01.2006 | Windhoek |
Inspiriert zu unserer Namibia-Reise wurden wir durch einen von TUI
veranstalteten Diavortrag, den wir im Jahr 2004 in Berlin besuchten.
Insbesondere die hohen Sanddünen des Soussusvlei haben es uns dabei angetan.
Auch die Berichte von Freunden und Bekannten über das Land waren meist sehr
positiv. Mitte 2005 haben wir uns dann entschieden, selbst nach Namibia zu
reisen. Dabei haben wir erst einmal überlegt, in welcher Form wir überhaupt
reisen wollen. Wie immer in unbekannten Gefilden breitet sich etwas Unsicherheit
aus, ob denn die Infrastruktur gut sei und ob die Sicherheitslage individuelles
Reisen erlauben würde. Unser Reiseführer war bei den Vorbereitungen einserseits
eine große Hilfe, andererseits aber schürte er auch etwas die Verunsicherung mit
negativen Berichten über lokale Autovermieter, Verkehrsunfälle oder Übergriffe
auf Touristen. Letztlich entschieden wir uns für einen Kompromiss. Individuell
reisen vor Ort ja, aber die Quartiere wollten wir vorbuchen, damit wir abends
auch erwartet werden und immer jemand weiss, wo in etwa wir gerade sein sollten.
Internet Recherche hat uns dann zum Namibia Spezialisten Transgeo (www.transgeo.de) geführt, der
uns ein gutes und speziell auf unsere Vorstellungen abgestimmtes Angebot gemacht
hat. Nach der Lektüre zahlreicher Reiseberichte stellten wir dann erst einmal so
richtig fest, dass im Januar in Namibia zwar Sommer ist, dies aber auch
gleichzeitig die Regenzeit ist, was insbesondere die Straßenverhältnisse negativ
betreffen kann. Daher entschlossen wir uns dann doch, auf jeden Fall ein
Allradfahrzeug zu mieten, auch wenn die Preise hierfür sehr hoch sind. Das
günstigste eingeholte Angebot war vom lokalen Verleiher African Tracks(www.africantracks.com). Da diese Firma immerhin einem
Verband angehört und wir über Transgeo erfuhren, dass sie zumindest in der
Branche bekannt ist, entschieden wir uns auch, dieses Angebot anzunehmen. Das
letztlich Teure am Mietwagen sind die Extras, insbesondere die Versicherungen, um im
Schadensfall einigermassen glimpflich davonzukommen. Da auch die Quartiere in
Namibia vergleichsweise teuer sind, ist eine solche Reise -wenn man nicht campen
möchte- ein ziemlicher Luxus. In der Nachbetrachtung hat es sich aber
gelohnt!
Die Vielfältigkeit der Landschaften, die sprichwörtliche Weite Afrikas und
auch die Menschen haben uns begeistert. Natürlich sollte man schon
Wüstenliebhaber sein und es mögen, ziemlich einsam unterwegs zu sein. Wer
Halligalli, Strand und Meer sucht, der ist in Namibia falsch aufgehoben. Wer
ausschliesslich Tiere beobachten will, der sollte gegen Ende der Trockenzeit
(September/Oktober) reisen, wenn die Tiere an die spärlichen Wasserlöcher
kommen. Wer aber insbesondere die Einsamkeit sucht, Hitze nicht scheut und ein
afrikanisches Land auch einmal erleben möchte, wenn es wenigstens teilweise grün
wird, der kommt auch in der Regenzeit auf seine Kosten. Wir hatten
großes Glück und waren meistens vor oder nach dem großen Regen unterwegs.
Dadurch konnten wir den tollen Fish River Canyon bei stahlblauem Himmel erkunden
und es war Wasser im Fluss, wir waren an und auf den Sanddünen, bevor der Regen
das Gebiet zeitweise unzugänglich gemacht hat und trotz des vielen Wassers im
Etosha Nationalpark haben wir zahlreiche Tiere gesehen, auch wenn sicherlich die
Safaris etwas anstrengender waren. Unser Besuch bei den Himbas, einem der
letzten Naturvölker der Erde, hat zwiespältige Gefühle hinterlassen und wenn man
vor Ort erlebt, wie schlimm die Aidsseuche Afrika heimsucht, dann ist man
erschüttert. Auch die Folgen der kolonialen Ausbeutung kann man noch überall
spüren. Unser Fazit jedenfall ist, dass wir vom Afrikavirus (aber bitte nicht
wörtlich!) erfasst wurden und hoffentlich in Zukunft die Gelegenheit haben
werden, noch andere Länder zu bereisen. Drei Wochen, die wir Namibia
verbrachten, sind eine gute Zeit, um viel vom Land zu sehen. Alles zu sehen, das
schafft man in der Zeit nicht. Wenn es das Budget zulässt und man gerne
intensiv reist, d.h. lange Tage ohne viele Ruhepausen nicht scheut, dann würden
wir die Rundreise auf zweieinhalb Wochen verkürzen und die 3 gesparten Tage
nutzen, um eine Flugzeugsafari zu den Victoria-Fällen ins Dreiländereck
Namibia/Botswans/Zimbabwe zu machen. Wir haben uns durchweg sehr sicher gefühlt
und die Infrastruktur für Touristen ist gut, vorausgesetzt man scheut das Fahren
von endlosen Schotterstrassen nicht. Und nun viel Spass beim Lesen unseres
detaillierten Reiseberichtes.
Sonntag,
08.01.2006 Windhoek - Kalahari - Mariental
Windhoek, 10:00 Uhr. Der zehnstündige Nachtflug mit Air
Namibia liegt hinter uns - wir betreten namibischen Boden. Windhoeks Flughafen
ist so klein, dass wir zu Fuß zum Flughafengebäude gehen. Die Mietwagenbuchung
über den lokalen Anbieter African Tracks (www.africantracks.com/) scheint funktioniert zu haben,
am Flughafen werden wir erwartet. Nachdem wir Geld gewechselt haben, werden wir
nach Windhoek zum Mietwagenoffice gebracht. Da die Gegend um Windhoek sehr
gebirgig ist, musste der Internationale Flughafen 40 km östlich der Stadt auf
einer Hochebene angelegt werden.
Die Mietwagenübernahme erfolgt problemlos. Nach einem Crash-Kurs fühlen wir uns imstande, im Notfall den Wagenheber bzw. High Lift Jack anzusetzen. Allradantrieb, ein zweiter Ersatzreifen, zwei Reservekanister, eine Kompressour-Luftpumpe sowie ein Kühlschrank waren für uns ein Muss. Erstes Ziel ist die nächste Tankstelle, da der Mietwagen mit fast leerem Tank übergeben wurde. Anschließend decken wir uns im Supermarkt mit dem nötigen Reiseproviant ein. An den Linksverkehr müssen wir uns erst wieder gewöhnen, aber das wird schon. Nun kann es losgehen!
Ein erstes Urlaubsgefühl stellt sich ein, als wir Windhoek in Richtung Süden verlassen haben und auf die Auasberge schauen, zu denen auch der mit 2.483m zweithöchste Berg Namibias, der Moltkeblick, gehört. Der Regenzeit entsprechend ist der Himmel ziemlich wolkenverhangen, nur ab und zu blinzelt ein kleines Fleckchen Blau hindurch. Doch viel Regen scheint es noch nicht gegeben zu haben, selten sieht man etwas Grünes. Rechts und links wird die Straße von der afrikanischen Steppe flankiert. Endlose Zäune lassen das augenscheinliche Niemandsland als Farmland erkennen.
Unsere heutige Tagesetappe beträgt etwa 270 km. Die ersten 190 km auf der geteerten B1 sind problemlos zu fahren. Einen kleinen Fotostopp legen wir einige Kilometer hinter Rehoboth am Schild "Tropic of Capricorn", das die Überquerung des Wendekreises des Steinbocks ankündigt. Von der dicken Wolkendecke sind hier im Süden nur ein paar weiße Schäfchenwolken, die wunderbar mit dem blauen Himmel kontrastieren, übrig geblieben.
Bei Kalkrand verlassen wir nun erstmalig die geteerte
Straße. So haben wir uns die namibischen Straßen vorstellt, denn von dem gut
42.000 km langem Straßennetz sind nur rund 5.500 km geteert. Nach wenigen
Kilometern ragt vor uns leuchtend eine erste rote Sanddüne aus der endlos weiten
Steppenlandschaft hervor - mit diesem phantastischen Anblick begrüßt uns die Kalahari-Wüste. Auch die erste Oryx-Antilope (wie wir mittels
unseres Reiseführers herausfinden), blickt uns kurz darauf von einer weiteren
roten Düne an. Jetzt fühlen wir, dass wir in Namibia angekommen sind! Die
Kalahari, die als Halbwüste gilt, ist mit 1.630.000 Quadratkilometern als größte
zusammenhängende Sandfläche bekannt und erstreckt sich über mehrere Länder. Der
größte Teil gehört zu Botswana, der Süden zur Republik Südafrika, der Westen zu
Namibia.
An die problemlos mit Zweiradantrieb befahrbare Schotterstraße
haben wir uns schnell gewöhnt. Nach 80 km erreichen wir unser Tagesziel. Auf der
Bagatelle Kalahari Game Ranch werden wir sogleich freundlich mit einem
Begrüßungstrunk in Empfang genommen und von einem jungen, zahmen
Springbock beschnuppert.
Die Anlage ist sehr
gepflegt und verströmt Wohlfühlatmosphäre. Die Lodge, die wir beziehen, liegt am
Fuße einer roten Sanddüne. Beim Ausladen des Gepäcks werden wir von Jacky, einer
ausgewachsenen Oryx-Antilope, beobachtet. Eine weitere Überraschung erleben wir,
als wir auf der Veranda ein erstes kühles Bier genießen und auf der Düne in nur
100 m Entfernung eine Giraffe beim Fressen beobachten können. Natürlich
schnappen wir uns die Kamera und wagen uns näher heran. Dies lässt sie sich
zunächst gefallen, zieht dann aber langsam weiter. Von der Düne aus können wir
noch eine zweite Giraffe entdecken. Beide nähern sich nun einem kleinen
Wasserloch. Es sieht ziemlich komisch aus, wie die Giraffen zum Trinken die
längeren Vorderläufe spreizen und dann den langen Hals nach unten beugen.
Die angebotene Sundowner-Tour mit Geparden-Fütterung lassen wir
uns nicht entgehen und klettern auf den alten Jeep - vom Guide liebevoll als
"grandmother" bezeichnet.
Vier Geparden erwarten
uns bereits fauchend am Tor. Ein mulmiges Gefühl steigt auf, als wir erfahren,
dass die Tiere gestern einen Fastentag hatten und heute entsprechend hungrig
sind. Auf dem offenen Jeep fühlen wir uns nicht wirklich sicher, auch wenn uns
der Guide versichert, das Geparden zwar schnell laufen (120 km/h) können, aber
nicht springen. Die Fütterung der halbwilden Tiere (sollen wieder ausgesetzt
werden) ist spektakulär. Fauchend stürzen sich die Geparden auf die vom Guide
gereichten Fleischbrocken und ziehen sich, sobald sie ein Stück ergattert haben,
blitzschnell zur Verspeisung der "Beute" zurück. Wir erfahren noch eine
Menge über Geparden.
Den Sonnenuntergang erleben wir gegen 20:00 Uhr von einer auf der Düne angelegten Aussichtsplattform. Wir werden mit kühlen Getränken versorgt und erfahren Interessantes über die Natur. Anfang des vorrigen Jahrhunderts war es noch wesentlich feuchter in dieser Region, so dass hier ebenfalls Nashörner, Löwen und Elefanten lebten. Heute sind die Flussläufe ausgetrocknet und viele Tiere haben die Region verlassen. Uns fällt auf, dass die Sonne sehr schnell untergeht. Auch hierfür gibt es eine Erklärung: In Äquatornähe ist der Abstand zur Sonne größer und die Drehbewegung der Erde etwas kürzer.
Zu Fuß gehen wir zurück. Die beiden Giraffen und der Oryx tummeln
sich direkt vor unserer Lodge und suchen erst das Weite, als wir bis auf 10
Meter herangekommen sind. Beim anschließenden Abendessen unterm Sternenhimmel
lassen wir es uns gut gehen. Erstmalig essen wir Antilope, ein etwas zähes,
trockenes und an Rind erinnerndes Fleisch, das allerdings kaum Fett hat. Wieder
einmal werden wir von der Leuchtkraft der Sterne überwältigt, die hier nicht von
anderen Lichtquellen getrübt wird. ![]()
Montag, 09.01.2006 Keetmanshoop - Naute Dam - Fish River
Canyon
Eine angenehme Nacht ließ uns das Schlafdefizit der Flugnacht wieder aufholen. Nach dem Frühstück brechen wir heute auf zum Fish River Canyon. Die Fahrt führt durch die Gras- und Buschlandschaft der Kalahari.
Einige Kilometer vor Keetmanshoop folgen wir dem Schild zum Garas Quivertree Park Campsite (ca. 22 km nördlich von
Keetmanshoop an der B1), wo es einen Köcherbaumwald zu
besichtigen gibt. Köcherbäume, die hier auf felsigem Untergrund wachsen, gehören
eigentlich zu den Aloe-Gewächsen (Sukkulenten). Das Besondere sind die
gegabelten Äste - zur Bildung einer Gabelung braucht es 30 Jahre. Die Bäume
passen sich an die extremen Umweltbedingungen an, indem sie in ihrem Stamm
Wasser speichern. Das Holz ist sehr leicht und innen schwammig. Von den
Buschmännern (Ureinwohner Namibias) wurden die Äste einst ausgehöhlt und
namensgebend als Köcher für Pfeile benutzt. Köcherbäume, die bis zu neun m hoch
werden können, blühen erstmals nach 20 bis 30 Jahren und können bis zu 300 Jahre
alt werden. Üblicherweise sieht man die Bäume nur vereinzelt stehen.
Keetmanshoop (20.000 Ew.) ist nicht mehr als ein günstiger Verkehrsknotenpunkt sowie das
Versorgungszentrum für den Süden Namibias. Wir legen einen kurzen Halt an der
kaiserlichen Post (heute Touristen-Info) ein, ein Steingebäude von 1910 das seit
1987 unter Denkmalschutz steht. Ferner sehen wir uns von Außen die ehemalige
Missionskirche an, in der sich heute das Museum der Stadt befindet.
Begeistert von dem
ersten Köcherbaumwald machen wir einen weiteren Abstecher zum Quivertree
Forest. Dieser an der C17 gelegenen Köcherbaumwald wurde zum National
Monument erklärt. Hier gibt es noch größere, bis zu 300 Jahre alte Bäume zu
bewundern.
Ebenfalls begeistert uns der Giants Playground. Eine riesige Ansammlung an Granitfelsen, die durch Erosion die urigsten Formen gebildet haben. Ein halbstündiger Rundweg führt durch die beeindruckende Felslandschaft, in der sich ein paar Ziegen tummeln.
Bei Seeheim verlassen wir die geteerte B4. Die Landschaft hat sich wieder gewandelt. Es ist hügelig und die Felsformationen der Karasberge ragen heraus. Später ändert sich auch die Farbe des Sandes und erinnert an eine schwarze Vulkanlandschaft.
Einen weiteren Stopp legen wir am Naute Dam ein, dem drittgrößten Staudamm Namibias, der 1972 eingeweiht wurde. Die Staumauer, die den Löwenfluss staut, ist immerhin 470 m lang und 37 m hoch. Das Wasser des Stausees leuchtet wunderbar blau vor der Felsenlandschaft. Von der herrlichen Vogelwelt, die sich hier angesiedelt haben soll, sehen wir leider nicht viel. Unterhalb der Staumauer leuchtet ein frisches Grün. Bewässert durch den Stausee können hier Datteln, Mais, Getreide und Tafeltrauben angebaut werden.
Später kommen wir an der ehemaligen Eisenbahnstation Holoog vorbei, zu erkennen an den Resten eines Kalkofens.
Einige Meter weiter führt eine Eisenbahnbrücke über den derzeit ausgetrockneten
Fluss Gaap.
Langsam nähern wir uns dem Fish River Canyon,
wobei die Straße in einem stetigen Auf und Ab die hügelige Landschaft
nachzeichnet. Die von der Sonne hell angestrahlte Steppe kontrastiert mit dem
schwarzen Sand. Im Hintergrund runden die Karasberge das Bild ab. Ein altes
Autowrack kündigt das Canyon Roadhouse an. Von den über 400 km Fahrstrecke sind
wir etwas geschafft. Wir werden bereits erwartet, als wir gegen 19:00 Uhr
eintreffen. Der Rundgang über die Anlage ist schnell vollbracht. Abgesehen von
einem Pool gibt es hier nicht viel. Uns stört das jedoch wenig, denn wir gehen
zeitig zu Bett. ![]()
Dienstag, 10.01.2006 Fish
River Canyon
Heute ist frühes Aufstehen angesagt. Im Fish River Canyon (seit 1968 Park) hat man etwa zwei bis drei Stunden nach Sonnenaufgang die besten Lichtverhältnisse zum Fotografieren. Zum Park-Eingang in Hobas müssen wir etwa 20 km fahren. Der Eintritt für zwei Personen und das Auto beträgt 170 N$, was wir verhältnismäßig teuer finden (unser im September 2004 erschienene Reiseführer gibt den Eintritt noch mit 60 N$ an). Im Park ist die Pad, wie die Schotterstraße genannt wird, schlechter als bislang. Bis zu den 10 km entfernten Hauptaussichtspunkten ist die Straße jedoch problemlos mit normalen Pkw (2 x 4) zu befahren. Nach wenigen Kilometern sehen wir Springböcke, die jedoch schnell das Weite suchen. Kurz darauf entdecken wir eine Straußenherde. Gemächlich ziehen sie an uns vorbei und bieten ein dankbares Fotomotiv. Die sanfte, hügelige Landschaft des Hochplateaus lässt kaum erahnen, dass sich hier der zweitgrößte Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon/USA) verbirgt.
Am "Main Viewpoint"
angekommen öffnet sich - beinahe überraschend - der Canyon vor uns. Auf dem
Boden des Canyons windet sich eindrucksvoll die Höllenkurve (Hell's Bend), die
seitlich von stufenförmigen Hängen flankiert wird. Farblich hebt sich das
lehmige Wasser (immerhin gibt es hier Wasser!!!) des Fish Rivers kaum vom
Gestein ab. Entlang des Rim (Felsabbruchkante) laufen wir zum 2,5 km entfernt
liegenden Hiker's Viewpoint und genießen einen beeindruckenden Ausblick.
Hier beginnt ein 85 km langer Wandertrail in den Canyon - die
mehrtägige Wanderung ist allerdings aufgrund der hohen Temperaturen in dieser
Jahreszeit genauso untersagt wie der einfache Abstieg in den Canyon.
Wir steuern die weiteren Aussichtspunkte Rockies Point, The Edge, Sulphur Spring und Desert Rim an. Langsam erschließt sich uns die wahre Größe des bis zu 27 km breiten und knapp 550 m tiefen Canyons, der sich über eine Strecke von über 160 km Länge durch die Landschaft schlängelt. Am beeindruckendsten ist der Ausblick vom Eagles Rock. Dieser ist allerdings nur mit 4x4 über die Cul-dev-sac zu erreichen. Die 12 km lange Strecke hat durchaus Unwegsamkeiten, für die ein Vierradantrieb erforderlich ist. Man hat den Eindruck über eine riesige Bauschutthalde zu fahren. Die Geröllwüste ist überzogen von dornigem Gestrüpp. Zwischendurch ragt ein grüner Strauch heraus und vereinzelt stehen Köcherbäume. Den kurvenreiche Streckenverlauf können wir nicht ganz nachvollziehen, dennoch erreichen wir bald das Ende der Straße. Hier müssen wir leider feststellen, das der Eindruck nicht so spektakulär ist, wie wir es erhofft hatten. Hundert Meter zurück wird eine Stelle durch einige Steinhaufen markiert. Vom Rim, der etwas abschüssig weiter unten liegt, erspähen wir zwei fast perfekte Flussschleifen, die die tiefe Schlucht durchfließen. Das leichte Rauschen des Fish Rivers ist zu vernehmen. Wir schließen daraus, dass dies der eigentliche Eagles Rock Viewpoint ist - der Ausblick ist atemberaubend.
Ein kleines Abschiedspicknick legen wir am Sunset Point ein und
genießen den Blick in die Canyonlandschaft. Auf dem Rückweg werden wir von einem
Holländer abgefangen, der leider einen Unfall hatte. Sein VW Sharan hat einen
Achsenbruch erlitten - den linken Vorderreifen hat es komplett zerfetzt. Die
Achse war u.E. schon vorher angeknackst, denn die Straße ist, trotz Schotter, in
einem ordentlichen Zustand und eigentlich kein Problem für normale Pkws.
Gemeinsam fahren wir zurück zum Canyon Roadhouse. Ursprünglich hatten wir
geplant, auch noch die Thermalquellen in Ai-Ais zu besichtigen. Inzwischen
ziehen wir es jedoch vor, zu relaxen, anstatt weitere 160 km (hin und zurück)
Schotterpiste zu fahren. So verbringen wir den Nachmittag am Pool und lassen uns
abends im Restaurant des Roadhouse verwöhnen.![]()
Mittwoch, 11.01.2006 Kolmanskop - Lüderitz - Aus
Um 7:00 Uhr sind wir auch heute wieder die ersten Frühstücksgäste. Vorher bewundern wir noch den defekten Sharan, der inzwischen hierher geschleppt wurde. Das Ersatzfahrzeug wird von Avis im Laufe des Vormittags geliefert - kein schlechter Service!
Gut gestärkt brechen wir um halb acht auf. Die ersten 80 km auf der Pad sind uns von der Hinfahrt noch bekannt. Bei Seeheim erreichen wir wieder die B4 und damit wieder Teer unter den Reifen. Aus - unser Tagesziel - liegt 180 km entfernt und ist bei den Straßenverhältnissen problemlos in eineinhalb Stunden zu erreichen. Wir überqueren den Fish River, der im Gegensatz zu den meisten anderen Flüssen zumindest ein wenig Wasser führt. Die Steppenlandschaft mit den herausragenden Felsen ist uns schon vertraut. Gemächlich steigt die Straße an, bis wir uns auf dem Huib-Hochplateau befinden. Eine weite, ebene Landschaft - der Blick endet im Nichts, kein Fels bietet Einhalt. Später wird es wieder hügeliger. Die schnurgerade Straße wird durch das stetige sanfte Auf und Ab optisch durchbrochen. Endlos verlaufende Strommasten flankieren den Straßenverlauf.
Rote Sandflächen kündigen 40 km vor Aus die Namib an und kontrastieren leuchtend mit den braunen Tirasbergen, die rechter Hand zu sehen sind. Wir befinden uns inzwischen auf 1.500 m über NN in einer traumhaft schönen Landschaft, die zum Verweilen einlädt, was wir auch tun, denn wir haben die Klein Aus Vista Lodge erreicht. Wir beziehen ein Natursteinhaus mit dem vielversprechenden Namen "Desert Vista", das sieben km vom Haupthaus entfernt im sogenannten Eagles Nest, direkt am Fels gebaut, liegt. Der Name macht der Lodge alle Ehre, denn wir haben von der Veranda einen genialen Blick in die unendliche Wüstenlandschaft. Hier lässt es sich problemlos zwei Tage aushalten.
Da der Tag noch jung ist, bleibt uns noch Zeit für eine Fahrt nach Lüderitz
(110 km entfernt an der Atlantikküste). Aus der endlosen hell leuchtenden
Steppenlandschaft ragen nur sehr vereinzelt Bäume und einige spitze Felskuppen
heraus, teilweise sind sie von hellem Sand bedeckt. Wenige Kilometer weiter ist
von der Steppe nichts mehr zu sehen.
Feinster, heller Sand,
zum Teil zu hohen Dünen aufgetürmt, lässt kaum Vegetation zu. Vor dieser
atemberaubenden Kulisse grasen direkt neben der Straße einige Wildpferde. Die
Herkunft der sogenannten "Wüstenpferde" ist nicht eindeutig belegt. Im südlichen
Afrika hat es ursprünglich keine Pferde gegeben. Sie wurden von Europäern
importiert. Möglicherweise stammen sie aus der Zucht des Baron von Wolf in
Duwisib oder es sind entlaufene Militärpferde. Seit über 80 Jahren leben sie in
der Nähe von Garub, wo sie ausreichend Wasser haben.
In Garub sind die Reste einer verlassenen Bahnstation zu sehen. Ein Steinhaus und eine Verladestelle zeugen davon, dass es hier einst Bahnbetrieb gab. Die Eisenbahnlinie wurde 1905 gebaut, um die Schutztruppen im Süden des Landes während des Herero- und Nama-Aufstandes mit Waffen und Vorräten zu versorgen. In Garub wurde ein Bohrloch angelegt, um Lüderitz mit Wasser zu versorgen. Das Wasser wurde in Fässern per Draisine vom Bohrloch zum Bahnhof transportiert und von dort mit der Eisenbahn nach Lüderitz gebracht. Vor der ehemaligen deutschen Militärstation ist nichts mehr zu erkennen. Der Bahnhof wurde 1990 aufgegeben. Allerdings soll die Bahnstrecke wieder belebt werden, erste Bauaktivitäten kann man bereits erkennen.
Die weitere Strecke nach Lüderitz geht stetig bergab - 1.500 Höhenmeter sind
zu überwinden. Streckenweise verläuft die Straße kilometerlang absolut gerade.
Nur das Flimmern des Asphalts verhindert, dass das Auge den Straßenverlauf bis
in die Unendlichkeit verfolgen kann. Die Wüstenlandschaft begleitet uns. Kurz
vor Lüderitz fahren wir durch einen breiten Dünengürtel und erreichen
Kolmanskop (Kolmannskuppe). Die heutige
Geisterstadt entstand 1908, nachdem beim Eisenbahnlinienbau ein Diamant gefunden
wurde. Da Kolmanskop im Diamanten-Sperrgebiet liegt, sind die Öffnungszeiten
beschränkt. Laut Reiseführer ist Kolmanskop nur um 9:30 h und 11:00 h mit einer
geführten oder über eine in Lüderitz gebuchte Tour zu besichtigen. Doch wir
haben Glück und werden um 12:15 h (ohne Führung) eingelassen.
Von 1908 - 1910 wurde, nachdem das Gebiet zum Diamanten-Sperrgebiet erklärt wurde, die Stadt mit der allerneuesten Technologie gegründet. Es mussten besondere Anreize geschaffen werden, um hochgebildete Leute aus Deutschland in die Wüste zu locken. So gab es Elektrizität, Wasser kam per Schiff aus Kapstadt und es gab eine Eisanlage um Stangeneis zu produzieren. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden 5 Mio. Karat (1 Tonne) Diamanten gefördert. Als Folge der anschließenden deutschen Währungskrise und des Wirtschaftszusammenbruchs in der Nachkriegszeit ließen sich Diamanten kaum verkaufen. Auch die Tatsache, dass im Jahr 1928 Diamantenfelder am Oranje entdeckt wurden und die Steine hier größer waren, wirkten sich negativ auf Kolmanskop aus. 1938 wurde die Stadt aufgegeben. Der Leerstand wurde von den Lüderitzern ausgenutzt. Brauchbares Baumaterial wie Fenster, Türen, Fußboden oder Dächer wurden kurzerhand demontiert und in Lüderitz verbaut. Die Eisenteile wurden in den 60er Jahren abmontiert und verschrottet. So entstand die heutige Geisterstadt. Erst 1980 erkannte man den touristischen Wert und bot Führungen an.
Das ehemalige Casino, in dem heute das Restaurant "Ghost Town Taverne" untergebracht ist, ist noch gut erhalten. Das Gebäude wurde 1928 in Deutschland gefertigt und hier errichtet. Es beherbergt u.a. eine alte Kegelbahn, einen Ballsaal - der auch als Kino und Theater fungierte - sowie eine Turnhalle. In der Küche steht noch ein riesiger Herd. In den späten 20er Jahren lebten 300 erwachsene Europäer und 800 Ovambo-Eingeborene hier. Für die bis zu 44 Kinder gab es eine Schule. Die Beamten lebten in vornehmen Häusern, eines davon wurde von Außen wieder restauriert. Das Arbeitervolk lebte in einfacheren Unterkünften. Es gab eine eigene Schlachterei von der noch die Kühlräume und das Wurstbecken zu sehen ist und auch von der Eisanlage sind noch Teile vorhanden. Aufgrund der rauen, stürmischen Bedingungen verfallen die Häuser langsam. Durch die scheibenlosen Fenster wurde teilweise meterhoch Sand hineingeweht. Einige Häuser wurden bereits halb von einer Düne "verschlungen". Der Spaziergang durch die Geisterstadt ist ein äußerst skurriles Erlebnis, vor allem da wir alleine unterwegs sind.
Wir erfahren, dass auch heute noch 90 Prozent der Schmuckdiamanten der Welt aus Namibia kommen.
Nun geht es weiter nach Lüderitz. Hinter den ersten Häusern, die wir erblicken, sticht blau leuchtend der Atlantik hervor. Bartholomäus Dias erreichte als erster Europäer das damalige Angra Pequena. Hieran erinnert der Diaz-Point-Leuchtturm und ein Padrao (Kreuz) einige Kilometer außerhalb der Stadt.
Die deutsche Epoche begann 1883 mit dem Bremer Kaufmann Lüderitz. Als dieser 1886 von einer Expedition nicht zurückkehrte wurde die Bucht in Lüderitzbucht umbenannt. Die Wasserversorgung war für Lüderitz schon immer ein Problem. Seit 1968 wird die Stadt mit 7.000 Jahre altem Grundwasser versorgt, dass von der Kochab Ebene (bei Aus) hierher gepumpt wird.
Es gibt einige schöne Jugendstilhäuser zu sehen, die
zwischen 1904 und 1914 erbaut wurden. Sehr schön ist beispielsweise das
Goerke-Haus auf dem Diamantenberg. Ganz in der Nähe thront die Felsenkirche im
neugotischen Stil. Lohnenswert ist ein kleiner Abstecher zum Alten Leuchtturm.
Von hier blickt man auf den Roberthafen, auf der anderen Seite liegt der durch
die Lüderitzbucht geschützte Atlantik. Auf dem nahe gelegenen Gelände des
Campingplatzes ist das Lüderitz-Denkmal zu sehen.
Wir nutzen die Gelegenheit, noch etwas Geld umzutauschen, Frühstückseinkäufe zu erledigen und nachzutanken. Allerdings ist erst der zweite Tankanlauf erfolgreich. Die erste Tankstelle hat kein 95-Oktan-Benzin mehr. Auch an der zweiten ist es auf 30 Liter limitiert. In der Hoffnung auf etwas Trinkgeld wird für uns jedoch eine Ausnahme gemacht. Natürlich nutzen wir auch den Handyempfang aus und senden via SMS ein Lebenszeichen nach Deutschland.
Durch die Wüste geht es wieder zurück nach Aus. Auch auf der
Rückfahrt können wir uns an der traumhaften Landschaft nicht satt sehen. Die
Sanddünen sind jetzt nur noch silhouettenhaft zu erkennen. Inzwischen ist ein
starker Wind aufgezogen, der immer wieder zu Sandverwehungen auf der Fahrbahn
führt und die Luft diesig erscheinen lässt. Die Warnschilder "WIND" und "SAND"
wurden nicht ohne Bedeutung aufgestellt. Als wir am Wüstenkraftwerk einen
Fotostopp einlegen, weht uns eine volle Ladung Sand ins Auto. Von einem
richtigen Sandsturm bleiben wir glücklicherweise verschont. Es soll schon
vorgekommen sein, dass Fahrzeuge gänzlich ohne Lack aus einem Sandsturm
kamen.
Schnurgerade durchteilt die Fahrbahn die Wüstenlandschaft und lässt kilometerweit im Voraus den Verlauf der leicht ansteigenden Straße erkennen. Für uns eine der schönsten Fahrstrecken, die wir bisher fahren durften.
Zurück in Klein Aus Vista nehmen wir unser vorbereitetes Barbecue-Paket in Empfang und fahren zur Desert Vista-Lodge. Zum Barbecue gibt es das bestellte T-Bone-Steak, Lamb Chops sowie Salat, Kartoffeln Brot und auch das Blue-Cheese-Dressing wurde nicht vergessen. Allerdings vermissen wir als Grill-Laien die Holzkohle und insbesondere die Grillanzünder. Immerhin finden wir einen Beutel mit Kaminholz neben der Grillstelle. Der Versuch, die Flamme mangels Zeitungspapier mit Toilettenpapier anzuzünden, scheitert kläglich. Wir besinnen uns darauf, dass wir in der "Wildnis" sind und sammeln herumliegendes Reisig auf. Mit viel Qualm und der Zuhilfenahme eines Teelichts gelingt es uns schließlich, ein Feuer zu entfachen, dass das Holz zum Glühen bringt. Stolz genießen wir später unser Barbecue - das Fleisch hätte nicht besser sein können.
Ein paar Wildpferden haben sich inzwischen auf der Steppe
vor unserer Lodge eingefunden und grasen. Ein Jungtier nähert sich zaghaft und
beobachtet uns eine ganze Weile aus wenigen Metern Entfernung. Vorsichtig nähert
sich Anke mit einer Möhre, die das Tier zögerlich entgegen nimmt, wobei die
Mohrrübe herabfällt und das Pferd verschreckt Abstand nimmt. Die zerkleinerte
Möhre platzieren wir nun zur Selbstbedienung auf den Wegbegrenzungssteinen und
ziehen uns auf die Veranda zurück. Langsam nähert sich das Tier erneut und
findet den ersten Leckerbissen. Nun werden die Steine nach weiteren Stücken
abgesucht. Ein zweites Pferd kommt hinzu und wird ebenfalls fündig. Es scheint
den Tieren gut zu schmecken, denn sie suchen sorgsam die Steine ab und bewegen
sie sogar mit den Hufen, um nachzusehen, ob sich darunter noch Nachschub
befindet. Als all dies vergeblich ist, nähern sie sich langsam unserer Veranda
bis unterhalb der Treppe. Doch auch der treue Blick lässt uns nicht noch einmal
erweichen, schließlich sind es Wildpferde, die wir nicht zähmen wollen.
Die Sonne verschwindet hinter den Aus-Bergen und hinterlässt ein rotes Licht.
Schon bald zieht der Mond auf. Obwohl kein Vollmond ist, scheint er so hell,
dass nur wenige Sterne am Himmel zu erkennen sind. Von Mücken und anderem
Ungeziefer verschont, genießen wir die nächtliche Stimmung. Abgesehen von
seltenem Pferdewiehern ist es unfassbar still. Grandios!!! ![]()
Heute versorgen wir uns selber mit einem einfachen Frühstück. Um 7:30 Uhr machen wir uns auf zu einer zwölf Kilometer langen Wanderung, die vom Eagles Nest startet. Zunächst führt der Weg am Fuße eines Berges entlang. An dieser Stelle scheinen uns die angegebenen fünf Stunden für die Wanderung als zu lang. Wir genießen die schöne Landschaft und können in der Ferne erneut die Wildpferde entdecken.
Nach etwas 3,5 km beginnt der Anstieg, der eigentlich problemlos zu
bewältigen ist. Doch kurz vor der 4 km-Marke hat Detlef Pech und sucht Halt bei
einem Stein, der leider nachgibt. Glücklicherweise gelingt es ihm, noch
rechtzeitig das Bein wegzuziehen, doch der rechte Arm bekommt etwas ab. Er
blutet aus einer tiefen Schürfwunde. Die Vermutung, dass der Arm angebrochen
sei, bestätigt sich erfreulicherweise nicht und auch die Blutung hört bald
wieder auf, worüber wir sehr erleichtert sind, denn abgesehen von
Tempotaschentüchern haben wir kein Verbandszeug dabei. Als auch der Kreislauf
wieder hergestellt ist entschließt sich Detlef, die Wanderung dennoch
fortzusetzen, denn wie gesagt, eigentlich war es bis dahin problemlos zu
meistern. Auch der weitere Aufstieg ist mit etwas mehr Vorsicht machbar. Oben
angekommen lässt sich die Strecke auf einer Hochebene, umringt von Berggipfeln,
gut bewältigen.
Mit Freude erspähen wir die 9 km-Markierung - nun ist es nicht mehr allzu weit. Den 25 minütigen Weg zum Vista Point lassen wir dennoch aus. Einige Hundert Meter geht es problemlos weiter und wir lassen noch einmal den Blick über die "Geröllwüste" schweifen, aus der rosafarbene Steine hervorglitzern. Einige Sträucher tragen sogar Blüten. Unvorstellbar bei der Trockenheit und der starken Sonneneinstrahlung, die wir jetzt verspüren und die schon einige Sträucher verbrannt hat. Wenig später trifft unser blau markierter Eagle Trail mit dem grün markierten Geister Trail zusammen. Kurz darauf erreichen wir eine felsige Strecke, die wir nur im dritten Anlauf und mehr oder weniger auf dem Hosenboden bewältigen können, denn wir müssen einen steilen und glatten Felsbrocken überwinden. Detlef ist es nicht zu verdenken, dass er am liebsten kehrt machen würde. Nachdem wir uns gerade von dieser Unwegsamkeit etwas erholt haben, erreichen wir das uns wenig Mut zusprechende Schild "SLOW / CAREFULLY". Wir trauen unseren Augen nicht, als wir hinter dem Schild den felsigen, steilen Abhang hinab sehen. Der Abstieg scheint uns ziemlich riskant zu sein. Selbst mit heilen Knochen ist dies eine Herausforderung, obwohl wir uns nicht als ganz unerfahren sehen. Trotz Wanderschuhen finden wir häufig keinen festen Halt. Ein falscher Tritt und man wäre in eine Felsspalte gerutscht. Hierher Hilfe zu holen scheint undenkbar. Mehrfach verfluchen wir, dass der Wanderweg auf dem uns ausgehändigten Faltblatt nicht als schwierig gekennzeichnet war, selbstverständlich hätten wir dann einen einfacheren gewählt. Indem wir uns gegenseitig stützen, schaffen wir den Abstieg irgendwie. Wir sind heilfroh, als wir die ersten Lodges von Eagles Nest erblicken.
Nachdem Detlefs Wunde versorgt wurde, machen wir erst einmal Siesta. Die angegebenen fünf Stunden waren unter den vorgefundenen Bedingungen korrekt. In der Informationsmappe lesen wir später im Nebensatz "Take note that the Eagle and Geister Trails are for intermediate to advance hikers". Wir hoffen, dass unsere Bemerkung auf dem Fragebogen auch beherzigt wird und die Wanderkarte um die Angabe der Schwierigkeitsgrade ergänzt wird. Lebensmüde können dann aus freien Stücken diesen Weg wählen und andere bleiben hoffentlich von dem Abenteuer verschont.
Nachmittags haben wir noch die Gelegenheit etwas in der Infomappe über Klein Aus Vista zu lesen. In dieser Region gibt es nur 80 - 100 mm Niederschlag pro Jahr. Trotzdem findet man über 600 Pflanzenarten. Mit dem Bau der Lodges von Eagles Nest wurde erst 2000 begonnen. Dabei wurde großer Wert auf der Erhaltung der Natur und auf das ökologische System gelegt. So wird die Elektrizität von einer Solaranlage auf dem Dach bereit gestellt. Der Kühlschrank und die Heißwasserversorgung werden durch Propangas betrieben. Die Wasserversorgung erfolgt mit 150 m unter der Erde liegendem Grundwasser. "Aus" ist Deutsch und bedeutet außerhalb der Namib-Wüste. Bei Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius ist es unvorstellbar, dass es in einem namibischen Winter hier sogar Schnee geben kann - und dass in der Wüste.
Am späten Nachmittag raffen wir uns zu einem kleinen Ausflug zur 20 km vor Aus gelegenen Wasserstelle der Wüstenpferde von Garub auf. Die ehemalige Pumpstation für die Dampfloks wurde für die Versorgung der Pferde erhalten.
Nachdem wir die B4 verlassen haben und der Schotterpiste zur Wasserstelle
folgen, gucken uns zwei Antilopen neugierig an, laufen dann aber wie
erwartet weg. Die Wasserstelle ist leider verwaist, nur etwas abseits grasen
zwei Pferde. Wir nutzen die Gelegenheit und besichtigen die Wasserstelle.
Nachdem wir auch an der Aussichtsstelle die Informationstafeln gelesen haben,
sind wir schon wieder im Begriff, kehrt zu machen. Doch etwas Glück haben wir
heute doch noch. In der Ferne erspähen wir eine Gruppe von ca. zehn
Pferden, die sich dem Wasserloch nähert. Wir nehmen in der Aussichtsbaracke
Platz und beobachten, wie sich die Tiere zielstrebig, aber doch spielerisch, der
Wasserstelle nähern.
Auffällig ist, dass ein
Tier stets etwas abseits geht und auch beim Trinken wartet, bis alle anderen
Tiere fertig sind. Dies entspricht offensichtlich der Hackordnung. Halbstarke
Hengste werden ausgestossen. Es ist sehr interessant, den Tieren beim Trinken
zuzusehen. Ab und an heben sie ihre Hufe als wäre der Beton, auf dem sie stehen,
zu heiß. Nach der Trinkprozedur ziehen sie langsam ab. Nur zwei Tiere suchen
Abkühlung im Wasserloch und wälzen sich im Schlamm. Erst als alle anderen Tiere
abgezogen sind, sucht der "Ausgestoßene" die Tränke auf. Nach der Stärkung kehrt
er zur Gruppe zurück, der gebührende Abstand wird eingehalten. Später können wir
beobachten, wie das Paar, das schon bei unserer Ankunft abseits stand, sich
langsam dem "Ausgestoßenen" zu nähern scheint. Die beiden Fohlen, die zur Gruppe
gehören, hatten offensichtlich noch nicht genug Flüssigkeit und suchen Nahrung
bei ihren Mutterstuten. Andere Tiere wälzen sich, die Hufe nach oben gestreckt,
auf dem Sandboden. Langsam zieht die Herde ab. Ein tolles Erlebnis und
offensichtlich auch eine Besonderheit, wie uns später bestätigt wird. Kein
Wunder, denn die Tiere kommen in der Trockenzeit nur alle 72 Stunden an die
Wasserstelle, ungewöhnlicherweise alle 30 Stunden, wenn es feuchter ist.
Wir fahren wieder zurück und drehen noch eine kurze Runde durch Aus. Abgesehen vielleicht von einer kleinen Steinkirche gibt es hiervon nicht viel zu berichten. Möglicherweise wird sich dies bald ändern, denn eine moderne Touristeninformation ist im Bau und soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Etwa zwei km östlich von aus befindet sich ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager, in dem 1915 1.552 deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren. Wir besichtigen den nahe gelegenen Friedhof, auf dem die Verstorbenen begraben liegen.
Wieder zurück im Eagles Nest genießen wir erneut die
wundervolle Aussicht in die Wüstenlandschaft. Schnell verschwindet die Sonne
hinter den Aus-Bergen. Die Pferde lassen sich heute nicht blicken. Eigentlich
ein gutes Zeichen, denn sie haben sich nicht an die Möhrenfütterung gewöhnt.
Langsam wird es Nacht. Auf der Veranda lässt es sich gut aushalten. Mücken
oder ähnliche lästige Insekten gibt es nicht. Nur ein dicker Brummer, der einer
Hornisse gleicht wird durch das Außenlicht angezogen. Von Tieren bleiben wir in
dieser Nacht jedoch nicht ganz verschont. Einem Rascheln auf der Spur leuchtet
Anke mit der Taschenlampe und verscheucht eine kleine, weiße Wüstenmaus. Nun ist
klar, woher das Rascheln aus dem Vorratsschrank kommt. Beim Öffnen der Tür nimmt
eine Maus schnell Reißaus. Doch leider nicht für lange. Erst beim zweiten Anlauf
schlägt Anke die Maus in die Flucht und stellt ihre Nachtruhe endlich wieder
her. Detlef hat von all dem nichts mitbekommen und hält die weißen Mäuse nach
wie vor für eine Traumerscheinung von Anke.![]()
Freitag, 13.01.2006 Tsaris-Pass - Namib Rand
Ein letztes mal genießen wir den schönen Ausblick beim Frühstück.
Heute geht es weiter zum Sossusvlei. 350 km Pad stehen uns bevor, die Anke
aufgrund Detlefs Armverletzung alleine fahren muss. Zunächst fahren wir nach
Helmeringshausen, etwa 100 km von Aus entfernt. Die Strecke fährt uns durch die
Tirasberge, eine wunderschöne Landschaft in der wir gerne einen Tag länger
verbracht hätten. Ab und zu leuchtet ein wenig rote Erde hervor. Auf der
Weiterfahrt Richtung Maltahöhe ändert sich die Landschaft. In dieser Gegend hat
es offensichtlich kürzlich Regen gegeben, denn es ist wesentlich grüner. Dafür
ist bei Straßensenken Vorsicht geboten. Teilweise haben Ausspülungen tiefe
Löcher gegraben.
Inzwischen befinden wir uns auf einer Hochebene. Im Hintergrund sind die Tsarisberge zu sehen. Spektakulär ist die Abfahrt über den Tsaris-Pass. Streckenweise geht es ziemlich steil über ziegelsteinrote Erde abwärts. Nun haben wir das Namib Rand Nature Reserve erreicht, dass parallel zum Namib Naukluft Park verläuft. Dieses private Naturschutzgebiet ist 185 000 ha groß. Ab 1950 hatten sich hier mehrere Farmer angesiedelt, die in dieser niederschlagsarmen Region jedoch scheiterten. Der Ausweg in die Jagd führte dazu, dass das Wild fast ausgerottet wurde. Einem Geschäftsmann und Naturliebhaber aus Windhoek missfiel dies. 1984 erwarb er die erste Farm und später weitere und gründete das Naturreservat - vielen Dank!
Tipp: Landschaftlich noch reizvoller soll die Fahrt über die D707 sein, die am Rande des Namib Naukluft Parks vorbeiführt, was wir leider erst hinterher erfahren haben.
Die Desert Homestead Lodge liegt mitten im Namib Rand Nature Reserve. Von
unserer reedgedeckten Lodge haben wir einen tollen Ausblick auf die Tsarisberge.
Nach viereinhalb Stunden Schotterpiste fahren ist erst einmal relaxen am
einladenden Pool angesagt. Später machen wir zusammen mit Colin, einem Tourguide
der Desert Homestead Lodge, eine Sundowner-Tour. Wir erfahren eine Menge über
die Natur. Beispielsweise zeigt er uns einen riesigen Salbeistrauch mit schmalen
Blättern. Obwohl die Salbeipflanze bei uns anders aussieht, das Aroma ist das
Gleiche. Hier dient sie als hilfreiches Heilkraut zur Linderung von Asthma oder
anderen Atembeschwerden.
Auch erfahren wir noch
mehr über die Siedelweber und deren Nestbau. Unterwegs haben wir schon in Bäumen
und auf Telefonmasten Nester unterschiedlicher Größe gesehen und auch schon
hineinfotografiert. Jetzt erfahren wir, wie gefährlich dies mitunter sein kann,
denn häufig halten sich gelbe Kobras in der Nähe der Nester im Baum auf und
sprühen bei Gefahr Gift. Die Vögel sind sehr sozial und leben in Kommunen von
bis zu 300 Tieren. Sobald weitere Küken schlüpfen wird das Nest erweitert, so
dass dieses immer größer (bis zu 4 m Durchmesser) wird. Wenn es stark regnet,
können die nur aus Grashalmen errichteten Nester aus dem Baum fallen. Doch die
Siedelweber sorgen stets vor und legen in anderen nahe gelegenen Bäumen (sie
bleiben stets in ihrem Revier) weitere Nester an, die in solchen Fällen bezogen
werden können.
Erstmalig sehen wir einen Kameldornbaum der mondsichelförmige Früchte trägt.
Die abgefallenen grau-grünen, sehr proteinreichen Schoten werden schnell von
Tieren, insbesondere den zur Lodge gehörenden Pferden, v
erspeist.
Auf dem Gelände gibt es mehrere Fairy Circles (Hexenringe), wobei es sich um vegetationslose, meist runde Flächen handelt mit einen Durchmesser von 5-8 Metern und von dicht stehenden Gras umrandet. Es gibt unterschiedliche Thesen, wie diese Flächen entstehen, aber wirklich ergründet sind sie noch nicht.
Später erreichen wir einen kleinen Hügel, auf dem Colin uns einen Picknickplatz mit Blick auf die Gebirgslandschaft bereitet. Einen stürmischer aber schönen Sonnenuntergang dürfen wir hier erleben. Die aufgezogene leichte Wolkendecke wird noch lange rot angestrahlt.
Colin berichtet, dass das Desert Homestead ursprünglich einige Kilometer
entfernt lag. Als der Pachtvertrag auslief, witterte der Verpächter eine gute
Gelegenheit, das Geschäft selbst zu übernehmen. Daraufhin gab der Pächter die
Anlage auf und pachtete in der Nähe ein neues Stück Land. Innerhalb von drei
Monaten musste die Lodge komplett neu errichtet werden, denn man war für diesen
Zeitpunkt bereits ausgebucht. Eine fast unmöglich erscheinende Meisterleistung
mit einem tollen Ergebnis. Glücklicherweise sind die Versuche des ehemaligen
Verpächters, das Geschäft abzuziehen, gescheitert.![]()
Samstag, 14.01.2006 Sesriem -
Sossusvlei - Sesriem Canyon
Um fünf Uhr werden wir geweckt, denn wir wollen pünktlich am Sossusvlei sein,
wenn das Tor um 6:00 h geöffnet wird. Nachdem wir unser "Packed Breakfast"
(Frühstücks-Box) in Empfang genommen haben, geht es los. Ein neues Erlebnis, die
Schotterpisten im Dunkeln zu befahren. Um kurz vor 6:00 h erreichen wir den gut
30 km entfernt liegenden Eingang in Sesriem.
Nur ein Auto ist vor uns, doch hinter uns bildet sich eine kleine
Schlange, in der auch Colin mit Gästen aus der Lodge wartet. Inzwischen ist es
schon heller geworden. Wir kaufen eine Permit (170 N$ für 2 Erw. + Auto) und
schon kann es losgehen. Colins Empfehlung folgend fahren wir an der Elimdüne,
die kurz hinter der Einfahrt liegt, zunächst vorbei. Nach ca. 20 km erreichen
wir Sossuspoort, wo wir den ersten tollen Ausblick auf die von der Sonne
angestrahlten roten Dünen haben. Nun geht es weiter zur Düne 45 - inzwischen
sind wir von roten Sanddünen umgeben. Auf einer Baumwurzel sitzend plündern wir
erst einmal unsere Frühstücksbox. Gestärkt machen wir uns an den Dünenaufstieg.
Die Düne 45 ist nur etwa 100 Meter hoch und einigermaßen leicht zu bewältigen.
Von oben hat man einen sehr schönen Ausblick auf die unendliche Dünenlandschaft.
Der Abstieg durch den tiefen Sand macht besonders viel Spaß.
Anschließend fahren wir weiter zum 60 km vom Eingang entfernt liegenden Sossusvlei, die eigentliche Hauptattraktion. Auf dem 2x4-Parkplatz, fünf Kilometer vor dem Vlei, schalten wir den Allradantrieb zu. Ohne ist die Strecke definitiv nicht befahrbar, wie wir schnell feststellen müssen, als wir "schwimmend" durch den weichen Sand fahren. Für normale Pkw steht ein Shuttle zum Vlei zur Verfügung.
Am Sossusvlei angekommen sind wir rundherum von roten Sanddünen
umgeben, die bis zu 350 Metern hoch sind - die höchsten der Welt. Das Farbspiel
ist spektakulär und wir sind sehr beeindruckt von dieser atemberaubenden
Sandwelt. Wir wandern tiefer in die Dünen hinein und erreichen einige Stellen
mit versteinertem, weißen Sand. Die letzten Zeugen einiger Flutwellen, aus den
Jahren 1997 und 2000, die das gesamte Tal, 2,5 m hoch unter Wasser setzten. Der
Sand ist so trocken, dass das Wasser kaum abfließen kann und verdunstet. Übrig
geblieben ist eine weiße, dünne, versteinerte Salzschicht.
Nachdem wir eine weitere kleine Düne überwunden haben, werden wir
mit einem spektakulären Blick auf das "Dead Vlei" belohnt. 500 Jahre alte,
vertrocknete Kameldornbäume, die wie verbrannt wirken, ragen aus einer weißen
Fläche auf und kontrastieren wunderschön mit den hohen Sanddünen, die das
Schauspiel einrahmen. Angesichts der heißen Temperaturen und der inzwischen
gnadenlos brennenden Sonne ist uns dies zu anstrengend. Statt dessen wollen wir
zum nahe gelegenen Naravlei fahren, wo es die endemische Nara-Pflanze, ein
Kürbisgewächs, gibt.
Die Strecke wird noch zusätzlich als sandig angegeben, so dass wir den Allradantrieb mit der Einstellung 4L noch verstärken. Über den weichen Sand fährt es sich nur sehr langsam und es ist teilweise schon sehr schwierig, den eingefahrenen Fahrspuren zu folgen. Immerhin kommt uns ein Fahrzeug entgegen. Als unser Auto beim Überwinden einer kleinen, sandigen Anhöhe zum Stillstand kommt, brechen wir die Aktion ab und fahren rückwärts zurück. Beim anschließenden Wendemanöver müssen wir unweigerlich die Fahrspur verlassen und durch ziemlich tiefen Sand fahren. Leider kommt das Fahrzeug beim Hochschalten erneut zum Stillstand. Die zusätzlich eingeschaltete Traktionskontrolle hilft nun auch nichts mehr - wir sitzen im tiefen Sand fest.
Weit und breit ist leider kein anderes Auto zu sehen, das
uns helfen könnte. Aber immerhin haben wir eine Schaufel dabei. Mühsam buddelt
Anke (Detlef fällt wegen der Armverletzung aus) die Reifen wieder aus -
offensichtlich nicht ausreichend, denn der Befreiungsversuch scheitert kläglich.
Wieder ist Schaufeln angesagt, diesmal auch unterhalb des Fahrzeugs, das nun
schon fast aufliegt. Wir legen zwei zur Fahrzeugausstattung gehörende
Holzbretter unter die Vorderreifen. Beim erneuten Startversuch sieht es für
einen Moment so aus, als hätte das Fahrzeug mit den Vorderreifen wieder Halt.
Doch die Hinterreifen buddeln sich schneller als man gucken kann tief in den
Sand ein. Jetzt wird klar: ohne Hilfe kommen wir hier nicht wieder raus! Während
Anke weiter buddelt, versucht Detlef Hilfe zu holen. Der Sand nimmt kein Ende!
Endlich ein Motorengeräusch aus Richtung des Naravlei. Zu Ankes großer Freude
ist es Colin mit den Lodgegästen, der nun über den Sandhügel kommt. Colin
erfasst das Dilemma sofort, bringt jedoch erst sein eigenes Fahrzeug auf festen
Untergrund. Natürlich weiß er genau, was zu tun ist. Freischaufeln war in diesem
Fall falsch, das Fahrzeug muss auf einer halbwegs ebenen Sandfläche stehen.
Glücklicherweise haben wir als Sonderzubehör einen High Lift Jack geordert, der
uns nun hilfreiche Dienste leistet. Das Auto wird aufgebockt, so dass wieder
Sand unter die Reifen geschaufelt werden kann. Nachdem dies vollbracht ist und
ebenfalls etwas Luft aus den Reifen gelassen wurde, taucht endlich auch Detlef
in Begleitung eines Shuttle-Fahrzeugs auf. Der Shuttle-Service kennt das
Problem, hat er doch am Vortag gleich vier Fahrzeuge aus gleicher Lage befreit.
Bevor nun jedoch auch noch unser Abschleppseil zum Einsatz kommt, versucht erst
einmal Colin sein Glück, das frei gelegte Fahrzeuge heraus zu fahren und wird
von vielen starken Händen mit Anschieben unterstützt. Der Versuch glückt.
Heilfroh über die gelungene Rettungsaktion fehlt uns dennoch die Muße, das Naravlei zu Fuß zu besichtigen, obwohl es nicht mehr sehr weit sein kann. Wir möchten nur noch schnell zum 2x4-Parkplatz zurück. Kurz bevor wir diesen erreichen treffen wir auf ein weiteres Fahrzeug, das allerdings bereits auf der Fahrspur festsitzt. Kein Wunder, denn es ist ein Pkw mit Zweiradantrieb, der sich hierher verirrt hat. Hilfe ist bereits da.
Wir treten den Rückweg an. Inzwischen brennt die Sonne so heiß, dass überall die Luft flimmert und die roten Sanddünen in diffuses Licht getaucht sind. Einen letzten Halt legen wir an der Elimdüne ein und stärken uns bei einem kleinen Picknick unter einem Kameldornbaum. Das Besondere an dieser Düne ist ihr Bewuchs mit teils endemischen Gräsern und Pflanzen.
Zurück in Sesriem tanken wir und lassen Luft in die Reifen nachfüllen. Ganz
in der Nähe liegt der Sesriem Canyon. Vom Rand hat man einen
sehr schönen Blick in den ca. 3 m tiefen Canyon. Auf dem Boden ist er teilweise
bewachsen und führt in kleinen Tümpeln ein wenig grün leuchtendes Wasser des
Tsamchab-Flusses, der sich hier in einem langen Erosionsprozess eingegraben hat.
Es reizt uns zwar sehr, in den Canyon hinab zu steigen, was auch problemlos
möglich ist. Doch angesichts der brennenden Sonne lassen wir davon ab. Wieder
zurück in der Lodge ist Relaxen angesagt.![]()
Sonntag, 15.01.2006 Petrified Dunes - Solitaire - Spreetshoogte Pass - Kuiseb
Pass
Heute lassen wir es etwas gemütlicher angehen, denn zu unserem heutigen Tagesziel sind es "nur" 260 km. Das extrem nette Team der Desert Homestead Lodge gibt uns noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg. Die Fahrt führt an dem imposanten Naukluft-Gebirge vorbei. Die Farben, die von fast Schwarz bis Magma-Rot reichen, lassen den vulkanischen Ursprung erkennen.
Nach etwa 60 km auf der C19 erreichen wir die Petrified Dunes, zugänglich über die Namib Desert Lodge
(ehemals Petrified Dune Lodge). An der Rezeption werden wir sehr freundlich
empfangen. Unseren Wunsch, die Dünen zu besichtigen, erfüllt man gern und wir
erhalten sogar ein Blatt mit der Beschreibung des 1,5 km langen Naturpfades
(Fossil Dune Trail). Die Petrified Dunes Lodge wurde vor einem Jahr von der
Gondwana Desert Collection aufgekauft und komplett umgebaut. Entstanden ist eine
sehr gepflegte und liebevoll bepflanzte Anlage. Nur der Versuch, Rasen vor
den Lodges anzulegen, erscheint uns angesichts des kostbaren Wassers fast zuviel
des Guten.
Die rot leuchtenden Petrified Dunes erinnern uns stark an die Gesteinsformationen in Utah. Der Weg führt durch ein zur Zeit ausgetrocknetes Flussbett. An elf markierten Stellen gibt es Erklärungen zur hiesigen Pflanzenwelt sowie zur Entstehung der Versteinerung der Dünen, die vor 23 Mio. Jahren durch den Einfluss von Wind begann.
Auf der Weiterfahrt lassen wir uns den Zwischenstopp an der Wüstentankstelle Solitaire nicht entgehen und essen den überall empfohlenen Apfelkuchen - wirklich gut! Wer keinen Apfelkuchen mag, sollte dennoch nicht versäumen, einen Blick in den Solitaire General Dealer Store zu werfen und das umfangreiche Angebot zu bewundern.
Wenige Kilometer hinter Solitaire geht die D1275 zum Spreetshooge Pass ab, der uns im Desert Homestead ans Herz
gelegt wurde. Allerdings ist man in Namibia derartig an Entfernungen gewöhnt,
dass uns die eigentlich 35 km lange Strecke auf den Pass nur mit 15 km angegeben
wurde. Doch der insgesamt 70 km lange Umweg ist durchaus lohnenswert. Lkws
dürfen diese zum Teil sehr steile Passstraße nicht befahren, auch unser
leistungsschwacher 4-Zylinder-Benzin-Motor müht sich ganz schön ab. Schon auf
dem kurvigen Weg hinauf haben wir spektakuläre Ausblicke. Oben angekommen werden
wir mit einen gigantischen Blick in die weite Landschaft belohnt. Die Abfahrt
ist nicht minder schön.
Auf der C14 geht es weiter. Immer wieder ändert sich die Landschaft. Zunächst durchfahren wir eine gelbe Steppenlandschaft. Später erinnern uns erneut rote Sanddünen daran, dass wir an der Grenze des Namib Naukluft Parks entlang fahren. Als nächstes erreichen wir den Gaub Pass. Eine Gerölllandschaft, deren Gesteinsschichten von ziegelrot über schwarz wie Schiefer bis hin zu Sandstein reichen. Am Horizont sind einige dunkle Wolken zu erkennen, denen wir uns mehr und mehr nähern. Wir befinden uns nun auf einer Hochebene. Eine unwirtliche Mondlandschaft umgibt uns. Als wir den Kuiseb Pass erreichen, fallen die ersten Regentropfen. Fast tut es einem um jeden Wassertropfen leid, der diese Geröllwüste befeuchtet, wo Wasser anderswo viel dringlicher gebraucht würde. Ein paar zähe Sträucher sind hier jedoch ebenfalls zu finden. Schnell steht das erste Wasser in den ausgefahrenen Fahrspuren. Insgeheim sind wir froh, als der Regen wieder schwächer wird, denn die Pad kann ziemlich schnell unwegsam werden.
Die Gesteinsformationen haben sich durch Verschiebungen der Kongo- sowie der Kalahari-Kontinentalplatte vor Mio. von Jahren gebildet. Die Felsen bestehen aus Glitterschiefer, der leicht zerbröselt. Dadurch entsteht ein sehr feiner Staub, der sich in die Gesteinsfugen setzt und diese damit verstopft, so dass das Wasser nicht durchsickern kann. Aus diesem Grunde gibt es in dieser Region kein Grundwasser, wie wir später auf der Gästefarm Niedersachsen erfahren.
20 km hinter dem Kuiseb Pass verlassen wir die C14. Nun geht es auf der etwas unwegsameren D1998 weiter. Langsam nimmt die Vegetation wieder zu und wir fahren durch eine Steppenlandschaft. Eine Springbockherde hüpft an uns vorbei und überquert vor unserem Auto die Straße.
Die Straßenverhältnisse werden auf der D1982 leider noch schlechter.
Der Anblick einiger Warzenschweine, die sich neben der Straße aufhalten,
entschädigt uns etwas für die strapaziöse Fahrt, die sich doch in die Länge
zieht. Inzwischen denken wir, dass es fast besser gewesen wäre, direkt nach
Swakopmund zu fahren - der zeitliche Aufwand wäre derselbe gewesen. Auf den
letzten Kilometern geht es nur sehr langsam voran, da die Fahrbahn häufig
weggespült wurde und wir inzwischen durch eine hügelige, grüne Landschaft stetig
Auf und Ab fahren. Angekommen auf der Gästefarm Niedersachen werden wir
freundlich vom Farmer, Herrn Ahlert, begrüßt, doch äußert er sein Bedauern
darüber, dass wir keinen Regen mitgebracht haben. Unvorstellbar, denn der Himmel
über uns hängt voll dunkler Wolken. Von der Veranda haben wir einen
wunderschönen Blick. In der Ferne wird der Himmel immer wieder von Blitzen
durchzogen.
Auf der 19.000 ha großen Farm wird eine Karakul-Schafzucht betrieben. Von den ursprünglich aus Asien stammenden, widerstandsfähigen Schafen werden insbesondere die Pelze, bekannt als Persianer verwendet. Die Pelze stammen leider von Lämmern, die schon am Tag nach der Geburt geschlachtet werden. Die landwirtschaftlichen Bedingungen sind schwierig, denn auch hier ist Wasser das wichtigste Gut. Auf dem Grundstück wurde ein kleiner Staudamm gebaut, um mehr Wasserreserven zu haben. Der kleine Stausee wird von Fröschen bewohnt, die noch die ganze Nacht hindurch - wir haben glücklicherweise Oropax - ihr Quakkonzert geben.
Bei einem typisch deutschen Essen sitzen wir mit der Farmersfamilie zusammen, nur der Sonntagsbraten (Antilope) entspricht nicht ganz dem daheim. Frau Ahlert ist in Namibia geboren und bewirtschaftet die Farm ihres Vaters weiter. Ihr Mann kommt ursprünglich aus Ostwestfalen, genauer gesagt aus Bielefeld. Wir erfahren eine Menge über die Sorgen und Nöte, die das Leben hier mit sich bringt. Die Farm wird mit ca. 10 einheimischen Angestellten betrieben, was nicht immer ganz einfach ist, da die Angestellten, die mit Frau und Kindern auf der Farm kostenfrei leben, sich nicht "kaputt" arbeiten und die staatlichen Auflagen hoch sind. Häufig können sie angabegemäß nicht mit Geld umgehen. So kommt es nicht selten vor, dass das Geld verprasst wird, aber kein Geld da ist, um das anfallende Schulgeld zu zahlen, so dass die Kinder - trotz Schulpflicht - nicht zur Schule gehen. Uns erstaunt, dass man hier in der "Wüste" sogar deutsches Fernsehen empfängt. Die Gastgeber sind gut darüber informiert, was in Deutschland passiert und beschäftigen sich intensiv mit den Geschehnissen.
Herr Ahlert erzählt uns von den zwei deutschen Geologen Henno Martin und
Herrmann Korn, die nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor der drohenden
Internierung in die Wüste geflohen waren und etwa zwei Jahre hier lebten. In der
Nähe des Kuiseb Passes ist eine der Höhlen zu besichtigen, eine weitere befindet
sich auf dem Farmgelände. Der Vater der Farmerin hat die beiden teilweise mit
Lebensmitteln versorgt. Die Erlebnisse wurden von Henno Martin in dem Buch "Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste" festgehalten.![]()
Montag, 16.01.2006 Namib Naukluft Park -
Swakopmund
Am Morgen werden wir vom Farmer mit einem zufriedenen Lächeln begrüßt, nachts gab es immerhin 1,1 mm Niederschlag. Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschieden wir uns. Das interessante Farm-Erlebnis möchten wir nicht missen.
Hoch erfreut sind wir darüber, dass Herr Ahlert uns eine Permit für die Namib Section des Namib Naukluft Parks überlassen hat und wir so schon einige der von Swakopmund aus geplanten Aktivitäten auf der Hinfahrt absolvieren können. Ebenfalls wurden uns eine Menge hilfreicher Tipps mit auf den Weg gegeben und natürlich eine Karte, in der die Route eingezeichnet und alles Sehenswerte beschrieben ist.
Zunächst müssen wir 30 km bis zum Abzweig der D1985 zurück fahren, der wir wiederum bis zu C28 folgen. Ein paar Warzenschweine kreuzen unseren Weg. Die Giraffen, die man hier ab und zu sehen können soll, sehen wir leider nicht. Dafür laufen uns auf der Permit-Straße nach Tinkas (nur 4x4) schon bald einige Springböcke über den Weg. Ein Bock scheint sich mit uns Kräfte messen zu wollen und läuft eine Zeit lang immer wieder die Straßenseite wechselnd vor unserem Auto her - und das bei knapp 70 km/h. Auch einige Oryx-Antilopen, diesmal in Herden mit einigen Jungtieren, sind zu sehen.
Bewaffnet mit Ferngläsern fühlen wir uns wie auf einer Safari und sind hoch erfreut, als wir wenig später auch ein paar wilde Zebras erspähen. Auch ein paar Strauße lassen sich blicken. In der Luft kreisen Geier und drei weitere sehen wir neben einem bereits abgenagten Antilopen-Skelett sitzen. Ganz niedlich sind ein paar Erdmännchen, die uns neugierig aber scheu ansehen, vom Untergrund heben sie sich farblich kaum ab.
Erstes Ziel ist der Tinkas Damm. Hier gibt es zur Abwechslung etwas grün in der ansonsten sandgelben Geröllwüste - allerdings kein Wasser. Der Boden des Stausees ist von tiefen Rissen durchzogen aber noch feucht vom letzten Regen. Wir wandern etwas über die Felsen und sehen eine Vielzahl schöner weiß- bis apricotfarben schimmernde Mineralien, die für eine ungewöhnliche Abwechslung sorgen. Einige Kilometer weiter erreichen wir skurril wirkende Grabstätten zweier deutscher Soldaten, die 1896 hier ums Leben kamen.
Kurz darauf fahren wir an ungewöhnlichen Gesteinsformationen - eine
erinnert uns an eine Käseglocke - vorbei. Nun sehen wir bereits die Blutkuppe, ein ca. 100 m hoher Monolith, der aus der Landschaft
ragt. Die blutrote Farbe, die der Fels bei Sonnenauf- und untergang annimmt,
verleiht ihm seinen Namen. Hier finden wir ein schönes, schattiges
Picknickplätzchen.
Nun erreichen wir wieder die C28, wo wir etwas "Strecke" machen können, um
nach 56 km den Welwitschia Drive von hinten aufzuzäumen.
Der
Höhepunkt dieser Tour ist die Welwitschia, insbesondere die am Ende der Route
liegende 1.500 Jahre alte Pflanze. Die Pflanze ist diözisch, d.h. männliche und
weibliche Fortpflanzungsorgane werden auf unterschiedichen Pflanzen getragen.
Wir haben Glück und können die unterschiedlichen Blüten (von Dezember bis Mai)
sehen.
Auf der Route gibt es insgesamt 13 Markierungen, mit wissenswerten Infos zur Strecke, insbesondere zur Vegetation. Witzig sind einige verrostete Teile von Kettenraupenfahrzeugen, die 1915 bei der Verfolgung der deutschen Schutztruppen durch die südafrikanischen Truppen zurückgelassen wurden.
Leider müssen wir feststellen, dass der Vorderreifen merklich Luft verloren
hat, was ganz nach einem Loch im Reifen aussieht. Noch ist es unbedenklich,
weiter zu fahren, aber als wir wenige Kilometer später zur Kontrolle anhalten,
sieht es nicht gut aus. Natürlich haben wir keine Lust, den Reifen zu wechseln.
Als Sonderzubehör haben wir ebenfalls eine Kompressor-Luftpumpe geordert, die
nun zum Einsatz kommt.
Bei der nächsten
Kontrolle, wenige Kilometer später, sind wir zuversichtlich, auf diese Art und
Weise nach Swakopmund zu kommen. So nutzen wir den Ausblick in die Mondlandschaft, um gleichzeitig den Reifen aufzupumpen.
Allerdings entscheiden wir uns für den kürzesten Weg und fahren nicht durch den
Swakop-Flusslauf. Bei Meikes Guesthouse, unserem nächsten Quartier, angekommen
werden wir zur nächsten Reifenreparaturwerkstatt gelotst. Hier lassen wir den
defekten Reifen zum Flicken abnehmen und vorübergehend einen unserer (ziemlich
profillosen) Ersatzreifen aufziehen.
Nun beziehen wir unser Quartier. Für das Auto gibt es sogar eine Garage und das gesamte Gelände ist mit hohen Mauern abgesichert. Natürlich hatten wir schon gehört, dass es in Swakopmund mehr Kriminalität gibt, hätten aber nicht erwartet, dass derartige Sicherungsmaßnahmen erforderlich sind. Beim späteren Bummel durch das Städtchen sehen wir, dass die Nachbarhäuser ähnlich geschützt sind. In der um 18:00 h völlig ausgestorben wirkenden Innenstadt treffen wir immer wieder auf Sicherheitspersonal.
Swakopmund macht auf uns einen ziemlichen künstlichen Eindruck. Einige Häuser
im deutschen Baustil wirken fast wie für Disneyland aufgebaut, doch insgesamt
werden wir eher an eine amerikaniche Kleinstadt erinnert. Richtig deutsch wird
es allerdings im Brauhaus, wo wir bei deutscher Musik zu Abend essen. Eine
Spezialität ist der grüne Spargel, der in der Nähe angebaut wird - und natürlich
genau so schmeckt wie in Deutschland. ![]()
Dienstag, 17.01.2006 Swakopmund - Walvis Bay
Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen. Swakopmund ist - wie wohl üblich - am Morgen von einer Wolkendecke überzogen. Zunächst holen wir den inzwischen reparierten Reifen ab. Dieser hatte sogar zwei Löcher, die Reparatur (60 N$) war spottbillig.
Als wir noch ein paar Einkäufe erledigen, lassen wir das Auto von sogenannten "Car Watchern" bewachen. Meike erzählt uns später, dass man dem Autodiebstahl und - einbruch mit Einführung dieser offiziellen und registrierten Bewacher Einhalt geboten hat. Es ist angemessen fürs Aufpassen 1 - 2 N$ pro Stunde zu geben.
Nun holen wir erst
einmal die Besichtigung der kurz vor Swakopmund an der B2 stationierten Dampflok Martin Luther nach. Die 1892 importierte, mit Dampf
betriebene Straßenlokomotive sollte die Transportprobleme lösen. Mit 1,4 Tonnen
Gewicht blieb die Lok jedoch ständig im Sand stecken. Zudem wurden für den
Antrieb enorme Mengen an Süßwasser benötigt, die von weit her geholt werden
mussten. Ferner konnte die Lok nur zwei Waggons ziehen, der Verbrauch an
Feuerholz bis nach Jakelswater betrug jedoch ebenfalls zwei Waggons. So ließ man
1897 die Lok trostlos liegen und taufte sie nach dem Motto "Hier stehe ich, ich
kann nicht anders" Martin Luther. Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten wurde
sie in einem Gebäude untergebracht und geschützt. Dieses ist leider geschlossen,
doch durch die Glasscheiben kann man einen Blick auf das Ungetüm werfen.
Später besichtigen wir die Kristall-Galerie. Eine sehr interessante und gut aufbereitete Ausstellung. Sehenswert ist insbesondere der mit 3 Meter Durchmesser und 3,5 Meter Höhe sowie 14.100 kg Gewicht größte Kristall der Welt, der etwas 520 Mio. Jahre alt sein soll.
Wahrzeichen der Stadt ist die Jetty aus dem Jahre 1912, eine 262 m lange
Landungsbrücke, die als solche nie genutzt wurde, da sie den widrigen
Bedingungen kaum standhält. Die Brandung kracht mit bis zu 50
Tonnen/Quadratmeter auf die Pfeiler. Nachdem die Jetty 1985 restauriert wurde,
musste sie bereits 1998 wieder geschlossen werden und die Finanzierung einer
erneuten Restaurierung ist ungewiss. Derzeit ist diese Gegend etwas
trostlos.
Zu den schönsten
Beispiele deutscher Architektur in Swakopmund gehört das Woermann-Haus, das
Bahnhofsgebäude (heute Hotel und Casino), das Alte Amtsgericht oder das Gebäude
der Post. Das Hansa Hotel soll von innen sehr schön sein und bietet für
verhältnismäßig wenig Geld ein feudales Essen, wobei man von livriertem Personal
bedient wird. Die erste Bierbrauerei gab es bereits 1900 in Swakopmund. Seit
1929 braut die Hansa Brauerei nach deutschem Reinheitsgebot.
Gegen Mittag haben sich die Wolken verzogen. Durch die Sandwüste, die direkt hinter der Stadt beginnt, fahren wir nach Walvis Bay, 30 km südlich. Die hohen Sanddünen werden für viele Aktivitäten wie Quad biking, Paragliding oder Fallschirmspringen genutzt.
Das Besondere an Walvis Bay ist die große Bucht, die früher Walen Schutz bot. Der Tiefseehafen (der einzige Namibias) wurde 1994 von Südafrika übergeben. Pro Jahr legen etwas 1.000 Schiffe im Hafen an - vor der Küste sehen wir bereits einige Schiffe vor Anker liegen, die auf die Einfahrterlaubnis warten. Walvis Bay ist eine reine Industriestadt, die am Reißbrett mit geometrisch angeordneten Straßen entworfen wurde.
Die Lagune ist ein wahres Vogelparadies, tausende von Zugvögeln
überwintern hier. Es ist die größte Brutstätte für See- und Landvögel weltweit.
Morgens (leider sind wir dafür zu spät dran) werden Rundfahrten durch die Lagune
angeboten. Doch schon von der Esplanade aus kann man einige Tiere beobachten.
Insbesondere viele Flamingos, eine weiße und eine etwas kleinere pinkfarbene
Art, sind zu beobachten.
Lohnenswert ist es, bis zum Pelikan Point zu fahren. Auf dem Weg
dorthin leuchten uns bereits weiße Salzberge entgegen und mit Salz beladene Lkws
fahren an uns vorbei. Später können wir beobachten, wie die Lkws über eine lange
Förderbrücke beladen werden. Am Küstenstreifen gibt es große Flächen, die der
Salzgewinnung dienen und sich leuchtend weiß von der Sandwüste abheben. Die
Fahrt zum Pelikan Point ist interessant. Man fährt über einen schmalen
Landstreifen, der rechts und links von Wasser umgeben ist. Unterwegs sieht man
viele Vogelschwärme und durchs Wasser watende Flamingos.
Ansonsten gibt es in Walvis Bay nicht viel zu sehen. Auf dem Rückweg halten wir am Bird Rock, einer künstlich angelegten Plattform, die als Brut- und Nistplatz dient. Der eigentliche Zweck ist jedoch die Guano-Gewinnung, der durch die Vögel produziert wird. Sämtliche Guano-Vorkommen auf den vorgelagerten Inseln wurden bereits ausgeschöpft.
Den Tag lassen wir bei einem kleinen Picknick im Garten des
Gästehauses ausklingen. Im Schutze des Sonnenschirms lassen wir uns von dem
später eintretenden Regen nicht vertreiben und bewundern einen Regenbogen. Der
Schauer erscheint uns aufgrund der stetigen Wolkenbildung hier an der Küste ganz
normal. Meike lehrt uns später eines bessern. In Swakopmund gibt es so gut wie
nie Regen. Die Wolkenbildung und das etwas frischere Klima entsteht dadurch,
dass an der Küste die heiße Wüstenluft auf den kalten Benguela-Strom trifft.![]()
Ein weiterer Fahrtag steht uns bevor. Wir verlassen Swakopmund in nördliche
Richtung. Im Gegensatz zum Süden ist die Wüste hier total flach.
Glücklicherweise ist die Küstenstraße (eine Salzstraße) gut ausgebaut.
Für den Abstecher nach Cape Cross nehmen wir eine
zusätzliche fast 90 km lange Fahrt in Kauf, bereuen es aber nicht. 1486 kam der
erste Europäer, der portugiesische Seefahrer Diego Cao hier an und errichtete
ein Kreuz. Das Original ist heute im Museum für Deutsche Geschichte in Berlin
ausgestellt.
Das Besondere ist die hier gelegene Robbenkolonie, in der etwa 80 - 100.000 Tiere leben. Derzeit
sind hier fast nur Seekühe mit ihren Jungen, die erst im November und Dezember
geboren wurden. Die Bullen kommen nur zur Paarungszeit Mitte Oktober zur Kolonie
und bleiben sechs Wochen, in denen sie mit ihrem aus 5 - 25 Tieren bestehendem
Harem Schwerstarbeit leisten müssen. Ihre vorher angefressenen Fettreserven (ein
Bulle wiegt bis zu 360 kg) reduzieren sie schnell auf ihr Normalgewicht von etwa
190 kg. Nach der Befruchtung dauert es ein Jahr, bis die Robbenjungen
geboren werden. Eine Überpopulation von 600 - 800.000 Kap-Pelzrobben macht eine
bei Tierschützern sehr umstrittene Regulierung der Bestände erforderlich. Der
tägliche Fischbedarf liegt bei acht Prozent des Körpergewichts, entsprechend
benötigt ein ausgewachsener Bulle bis zu 29 kg Fisch pro Tag. Kühe wiegen nur 75
kg. Jährlich werden rund 1,8 Mio. Tonnen Fisch von den Robben vertilgt, was der
Fischereiindustrie sehr schadet, deren Flotte fängt jährlich "nur" 700.000
Tonnen Fisch.
Das wertvollste sind die Genitalien der Bullen, die für etwa 1.250 U$ nach Ostasien zur Potenzmittelproduktion verkauft werden. Aus dem Robbenleder werden beispielsweise Schuhe hergestellt und die Knochen werden zu Dünger zermahlen. Auch das Fleisch wird verwertet.
Natürliche Feinde der Robben sind Schakale, die sich nachts insbesondere an die Jungen heran machen. Einen Schakal sehen wir, als wir das Gelände wieder verlassen. Den kaum zu ertragenden Gestank, der von der Kolonie ausgeht, können wir noch eine ganze Zeit im Auto wahrnehmen.
Entlang der Küste fahren wir die C34 zurück zum Abzweig der C35 in Richtung Uis. Nun sind wir mitten in der Sandwüste, die von der Schotterpiste geteilt wird. Rechts und links sehen wir eine Stunde lang nichts als Sand und Geröll. Eine kaum zu überbietende Ödnis - so gut es geht verdrängen wir den Gedanken an eine Panne. Später kommen uns tatsächlich noch Fahrzeuge entgegen.
Kurz vor Uis wird es hügeliger und die Vegetation nimmt zu. Als wir uns dem Brandberg nähern, haben sich vor uns tief hängende Wolken gebildet. Das Ausmaß des mit 2.573 m höchsten Berg Namibias erschließt sich uns leider nicht.
Inzwischen haben wir das Damaraland erreicht, benannt nach den Damara (Ureinwohner Namibias). Von den Herero- und Nama-Stämmen wurden sie als minderwertig betrachtet und versklavt. Deutsche Missionare setzten sich Ende des 19. Jh. für die Damara ein, so dass ihnen ein Gebiet, das später zum Damarareservat erklärt wurde, zugewiesen wurde. Im Zuge des Odendaal Plans wurde 1964 ein eigenes Homeland für die Damara geschaffen, wofür bis 1973 2000 Farmen aufgekauft wurden. Acht Prozent der namibischen Bevölkerung sind heute Damara. Wir kommen an vielen Straßenständen vorbei, an denen Halbedelsteine oder selbst hergestellte Souvenirs angeboten werden. Ständig versuchen uns Einheimische anzuhalten, damit wir ihre Waren kaufen, was uns ein etwas beklemmendes Gefühl gibt. Die Hütten, die wir von der Straße aus sehen können, sind sehr ärmlich. Zum ersten mal werden wir hautnah damit konfrontiert, dass Namibia ein Dritte-Welt-Land ist.
Nachmittags erreichen wir die Igowati Lodge in Kohrixas. In dieser staatlichen Einrichtung wimmelt es nur so von Angestellten, so wird, eher wir uns versehen, unser Auto gewaschen, natürlich wird dafür ein Trinkgeld erwartet.
Wir bedauern, dass wir hier zwei Nächte verbringen werden, denn obwohl die Anlage insgesamt recht nett ist, will sich die richtige Wohlfühlatmosphäre nicht einstellen. Es mag auch daran liegen, dass alle Lodges rund um den Hauptplatz angeordnet sind und man sich pausenlos beobachtet fühlt. Momentan sind wir die einzigen Gäste. Weitere Aktivitäten bieten sich für heute nicht an. Den Nachmittag verbringen wir am nicht zum Schwimmen einladenden Pool, bis uns die ersten Regentropfen vertreiben.
Im Restaurant speisen wir abends alleine. Immerhin gibt es drei Hauptgerichte
zur Auswahl. Zwei weitere Übernachtungsgäste - Motorradfahrer - sind
eingetroffen. Einige Biker hatten wir unterwegs schon gesehen und waren immer
wieder erstaunt, wie man Spaß daran haben kann, ein Land, dass fast nur aus
Schotterpisten und sengender Hitze besteht, so zu bereisen. ![]()
Donnerstag, 19.01.2006 Twyfelfontein - Organ Pipes - Verbrannter Berg
- Petrified Forest
Das größte Highlight des heutigen Tages sind die Felsgravuren in
Twyfelfontein, erst kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Trotz des gestrigen Regens, der noch etwas länger andauerte, sind die Straßen gut befahrbar. Allerdings ist in den häufigen Furten erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich, denn teilweise wurde die Straße unterspült. Unterwegs kommen wir an vielen kleinen Straßenständen vorbei und erneut wird häufig versucht, uns anzuhalten.
Die Felsgravuren (Petroglyphen) von Twyfelfontein sind nur mit einer geführten Tour zu besichtigen,
da in der Vergangenheit von Touristen sehr viel zerstört wurde. 2.500
Steingravuren wurden hier entdeckt, von denen nicht alle zugänglich sind.
Ursprünglich waren die Zeichnungen an einer glatten Felswand. Vermutlich durch
Erdbeben wurde der Fels zerstört und in einzelne Steinplatten zerteilt. Zwei
Rundwege führen zu acht Felsplatten. Die zum Teil gut erhaltenen Zeichnungen
deuten darauf hin, dass bereits vor 6.000 Jahren Menschen hier gelebt haben. Die
abgebildeten Tiere sind sehr gut zu erkennen. Anstelle von Füßen wurden häufig
Fußspuren abgebildet. Wir haben einen sehr unterhaltsamen Führer, der eine Menge
lustiger Geschichten erzählt. Besonders sehenswert ist die Löwenplatte und der
große Elefant, der uns als "Ottifant" vorgestellt wird - die Ähnlichkeit ist
frappierend.
Die Ausführung der Felsgravuren ist zugegebenermaßen sehr einfach. Das Bedeutende ist sicherlich, wie gut die alten Petroglyphen nach Tausenden von Jahren noch erhalten sind und wie das Wissen für nachfolgende Generationen weitergegeben wurde.
Ganz in der Nähe liegen die als Orgelpfeifen bekannten
Basaltsäulen, die vor etwa 120 Mio. Jahren durch vulkanische Aktivitäten
entstanden sind. Aufgrund einiger Abbildungen, die wir vorher gesehen haben,
hatten wir uns die Säulen viel größer vorgestellt und sind enttäuscht, als wir
sie nun in natura sehen.
Auch der verbrannte Berg, den wir als nächstes ansteuern, beeindruckt nur durch seine Entstehungsgeschichte. Vor etwa 120 Mio. Jahren drang Eruptivgestein in den Schiefer ein. Die dadurch hervor gerufenen chemischen Prozesse veränderten den Stein und gaben ihm die heute sichtbare Farbenvielfalt.
Zu einem kleinen Mittagsimbiss fahren wir zur Twyfelfontein Lodge. Auf den
massiven Felsbrocken vor dem Eingang sind ebenfalls originale Felsgravuren zu
sehen. Ein wenig ärgern wir uns, dass wir uns gegen die zugegebenermaßen
ziemlich teure Lodge
entschieden haben, denn die Anlage ist sehr nett und wir
hätten uns die Fahrerei zurück nach Khorixas erspart.
Auf dem Rückweg legen wir noch einen letzten Stopp am versteinerten Wald (Petrified Forest) ein. Hier muss etwas improvisiert werden, denn das Office ist vor wenigen Tagen abgebrannt. Ein kleiner Weg führt über das Gelände. Das versteinerte Holz ist zum Ende der Eiszeit entstanden. Sand- und Schlammmassen haben die Baumstämme luftdicht zugeschüttet. Erst später wurden sie durch Erosion wieder freigesetzt. Optisch sehen die Stämme aus wie Holz. Wenn man sie berührt spürt man jedoch den Stein.
Am frühen Nachmittag kehren wir zurück zur Igowati Lodge und bedauern erneut
unsere Reiseplanung, denn anstatt wieder zurück zu fahren hätten wir locker auch
bereis Palmwag erreichen können. Wenigstens scheint die Sonne und wir verbringen
den verbleibenden Nachmittag am Pool. ![]()
Freitag, 20.01.2006 Palmwag - Aub Canyon
Die heutige Fahrstrecke ist mit 170 km überschaubar. Die ersten 70 km sind
uns noch bestens vom Vortag bekannt. Kurz darauf fahren wir durch eine
phantastische Landschaft.
Die Felsformationen
erinnern uns wieder stark an Utah, allerdings ist die Landschaft hier wesentlich
hügeliger. Das satte grün einiger Sträucher kontrastiert wunderschön mit dem
roten Stein. Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue, atemberaubende
Aussicht. Bedauerlicherweise erspähen wir keinen der hier lebenden
Wüstenelefanten. Wie wir später erfahren sind die mit dem Regen Richtung Norden
gezogen.
Schon um kurz vor 11:00 Uhr passieren wir den Seuchenkontrollzaun - die "Rote Linie" durchzieht Namibia auf einer Länge von 6.600 km von Ost nach West. Anlass für diesen Veterinärzaun gab die Rinderpest von 1879. Es dürfen keine tierischen Produkte eingeführt werden. Kontrolliert werden wir indes nicht, sondern nur auf die nächste Tankstelle verwiesen. Kurz darauf sehen wir ein Kamel - ein komischer Anblick - und erreichen die Palmwag Lodge.
Unsere ursprüngliche Planung, den Tag mit einem Abstecher zum Ongongo Wasserfall in der Nähe von Sesfontein, schlagen wir uns aus dem Kopf, nach dem uns mitgeteilt wurde, dass die Straßenqualität derzeit so schlecht sei, dass man vier Stunden für die 80 km bräuchte. So ganz glauben wir das zwar nicht und vermuten eher, dass man von der Lodge organisierte Touren verkaufen möchte. Dennoch ersparen wir uns den zusätzlichen Fahraufwand und genießen statt dessen die entspannte Atmosphäre auf dem Lodge-Gelände.
Die angebotene Sundowner-Tour finden wir mit 300 N$ zu teuer, zumal man nicht einmal unbedingt Tiere, insbesondere Nashörner, sehen wird. Dafür machen wir von der Möglichkeit Gebraucht, selber das Konzessions-Gebiet der Lodge zu befahren und besorgen uns für 130 N$ eine Permit.
Von der Hauptstraße gehen mehrere Zufahrten in das Gebiet ab. Mit der
überlassenen Karte und unserem 4x4 fühlen wir uns gut ausgestattet, obwohl die
Fahrspur durch die Gerölllandschaft ziemlich schlecht ist. Etwas irritiert sind
wir, als einige auf der Karte nicht eingezeichneten Wege abgehen. Natürlich
entscheiden wir uns mal wieder für den falschen und durchqueren einige tiefe und
ziemlich felsige Schluchten, die dem Allradfahrzeug einiges abverlangen. Als wir
feststellen, dass wir eigentlich nur den Berg umrunden und von dem erwarteten Aub Canyon weit und breit nichts zu sehen ist, machen wir
kehrt, um später dann doch noch den Canyon zu erreichen. Dieser ist mit nur 25 m
Tiefe nicht sonderlich spektakulär. Um so schöner ist die rote Landschaft, die
von hohen Bergen eingerahmt wird. Abgesehen von ein paar Vogelstimmen ist es
mucksmäuschenstill. Auf den Felsen entdecken wir einige außergewöhnlich
aussehende Eidechsen mit blauschimmerndem Körper und orangem Kopf, Schwanz und
Beinen. Abgesehen von den "üblichen" Springböcken und Antilopen sehen wir leider
keine Tiere, obwohl es hier Giraffen und Zebras geben soll. Und natürlich
Nashörner, aber darauf wagen wir kaum zu hoffen.
Wieder zurück auf der Hauptstraße können wir kaum fassen, dass wir schon drei Stunden unterwegs sind, jedoch nur 25 km gefahren sind - was auf den schlechten Zustand der Strecke zurückzuführen ist. Dennoch beabsichtigen wir noch einen zweiten, kürzeren Abstecher in das Konzessionsgebiet zu machen. Doch erst einmal werden wir überrascht und sehen direkt neben der Hauptstraße in nur 50 Meter Entfernung eine Herde Giraffen, sogar einige Jungtiere sind dabei. Endlich wieder Safari!
Die zweite Zufahrt in das Konzessionsgebiet ist augenscheinlich in
einem besseren Zustand. Verwirrt werden wir nur, dass wir keine Möglichkeit zum
Abbiegen sehen, so wie es auf der Karte vorgesehen ist. Wieder fahren wir durch
einige unwegsame Wasserläufe und viel weiter, als gedacht. Der Sonnenstand und
auch die Kompassnadel weisen und untrügerisch drauf hin, dass wir in die falsche
Richtung fahren. Wir kehren also wieder um - als Pfadfinder sind wir eindeutig
nicht geeignet. Eigentlich finden wir es unverantwortlich, dass es einerseits
erlaubt ist, mit einer Permit das Gebiet zu befahren, auf der anderen Seite es
aber keine Wegweiser gibt und die ausgehändigte Karte ebenfalls unzureichend
ist. Wirklich bedenklich war es zwar nicht, da es noch nicht dunkel war und wir
uns die Strecke gemerkt haben. Zurück in der Lodge hat man sich immerhin schon
Sorgen über unseren Verbleib gemacht und hätte wenig später mit der Suche
begonnen. Als wir den Missstand fehlender Wegweiser sowie die Ungenauigkeit der
Karte bemängeln, teilt man uns mit, dass die Karte tatsächlich veraltet ist. Man
verspricht uns jedoch, dem Tourguide für Morgen gleich aufzutragen, die Lage zu
kontrollieren und man will auch die Karte in Kürze aktualisieren.
Mit dem Abendessen wartet man bereits auf uns. Von der fünfstündigen
Allradfahrt sind wir ganz schön mitgenommen und brauchen erst einmal einen
Wodka-Lemon. Trotz der Anstrengung möchten wir die Fahrt durch die traumhafte
Landschaft nicht missen. Schade nur, dass wir so auf die Fahrspur konzentriert
waren, dass wir für Elefanten und Nashörner keinen Blick hatten.![]()
Samstag,
21.01.2006 Kaokoveld / Himba-Dorf -
Seisfontein - Ongongo Wasserfall
Wake up call um 6:00 h. Für heute haben wir eine Tour zu einem Himba-Dorf
gebucht. Wir genießen es, mal nicht selber fahren zu
müssen, werden in dem
alten Landrover jedoch ziemlich durchgeschaukelt. An der Tour nehmen noch vier
weitere Lodge-Gäste teil. Mit Dirk, einem unterhaltsamen Landschaftsgärtner aus
Aachen, kommen wir näher ins Gespräch. Er hat Afrika schon mehrfach bereits und
ist ein wahrer Naturkenner.
Zunächst fahren wir Richtung Sesfontein, biegen jedoch kurz vorher in
Richtung Opuwo ab. Das Dorf Otjihorovara erreichen wir über einen Abzweig, der
nach weiteren 80 km von der C43 abgeht. Die Himba, eins der wenigen noch
existenten Naturvölker, leben als Halbnomaden im Kaokoveld im
Nordwesten Namibias in Clans von bis zu 50 Personen zusammen.
Der
Stamm, den wir besuchen, gehört mit 200 Rindern zu den reicheren. Als wir die
Hütten erreichen werden wir freundlich von einigen Kindern begrüßt. Ein
beklemmendes Gefühl stellt sich ein, weil wir in die Privatsphäre eindringen -
auch wenn die Himbas daran gewöhnt zu sein scheinen. Emanuel, unser Reiseleiter,
erzählt uns eine Menge über das Leben der Himba und dolmetscht für uns.
Die Hütten bestehen aus gestampften, mit Kuhdung vermischtem Lehm,
was einen entsprechenden Geruch verströmt. Männer sind keine zu sehen, da sie
mit dem Vieh auf der Suche nach Weidegründen sind. Die Frauen kochen Maisbrei
oder zerstoßen roten Stein, den sie mit tierischen Fetten mischen und so eine
Paste herstellen, die als Schmuck und Schutz auf die Haut auftragen wird. Die
Himba-Frauen lieben es, sich zu schmücken uns sind reich mit selbstgefertigten
Ketten und Bändern behangen. Unterschiedliche Haartrachten lassen die sozialen
Stufen erkennen. Lange Zöpfe werden zusammen mit Gras und anderen füllenden
Substanzen eingeflochten. Eine verheiratete Frau ist an ihrer Kopfbedeckung -
erembe - zu erkennen. Jungen haben zunächst einen Tonsurhaarschnitt und erhalten
später Zöpfe eingeflochten. Nur wenige Himba-Kinder besuchen jemals eine Schule,
hier sind nur gerade mal zwei an der westlichen Kleidung zu erkennen. Nach
Beendigung der Schule verlassen sie in der Regel den Clan um anderweitig Geld zu
verdienen.
Inzwischen haben die Frauen eine Decke ausgebreitet und bieten den selbst hergestellten Schmuck zum Kauf an. Als Erinnerung und um ein wenig unser Gewissen zu beruhigen, kaufen wir ein Armband. Emanuel gibt den Himba kein Geld, sondern Lebensmittel. Er schätzt, dass in fünf Jahren keine Himba in dieser Form mehr leben werden.
Wir verlassen das Dorf. Während Emanuel den Reifen wechselt (was uns bei
seinem Fahrstil nicht wirklich verwundert) steht für uns ein feudales Picknick
unter einem Akazienbaum bereit. Anschließend geht es weiter nach Seisfontein. 1889 kam die erste deutsche Schutztruppe nach
Namibia, die den Frieden zwischen den Stämmen sicherstellen sollte.
Eine Station der Schutztruppe gab es in Seisfontein, wo 1902 ein
Stationsgebäude entstand, dass später als Fort ausgebaut wurde. Aufgrund der
"sechs Quellen", die es hier gab, waren die Bedingungen gut, um eigene Gärten
zur Selbstversorgung anlegen zu können. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde
die Station aufgegeben und das Fort verfiel. Doch wurde es inzwischen
restauriert und wird seit 1995 als Lodge betrieben (als solche aus unserer Sicht
nicht empfehlenswert).
25 km südlich von Seisfontein ist der Ongongo Wasserfall, den wir ursprünglich am Vortag besichtigen wollten. (Von der angeblich schlechten Straßenqualität keine Spur). Emanuel bietet uns an, dort einen Zwischenhalt einzulegen, was wir erwartungsvoll annehmen. Nach ein paar Hundert Metern müssen wir feststellen, das wir den Wasserfall wahrscheinlich alleine nicht gefunden hätten, selbst Emanuel scheint auf Afrikaans nach dem Weg zu fragen. Am Wegesrand stehen immer wieder Kinder und bieten uns ihre Waren an oder halten einfach bettelnd die Hand auf. Der Tourismus scheint hier merkliche Spuren durch spendable Touristen hinterlassen zu haben, obwohl wir uns nicht vorstellen können, dass viele hierher kommen.
Nach etwa fünf Kilometern erreichen wir den Ongongo Wasserfall. Auch hier hat man sich dem Tourismus verschrien und verlangt 10 N$ Eintritt pro Person, um im natürlichen Pool unterhalb des Wasserfalls zu baden - woran wir kein Interesse haben. Doch auch für einen Blick auf den Wasserfall wird der Preis verlangt. Emanuel verhandelt hart und scheint selber etwas beschämt über das Gebaren. Auch wenn der Eintritt für uns nicht wirklich hoch ist, sind sich alle Teilnehmer einig, das Verhalten, überall Touristen zu schröpfen, nicht zu unterstützen und bitten Emanuel zurückzufahren. Doch er startet einen letzten Versuch und scheint seinen Landsmann klar zu machen, dass sein Verhalten nicht richtig ist, womit er schlussendlich doch erreicht, dass wir kostenlos den Wasserfall sehen dürfen. Wer nun einen gigantischen Wasserfall erwartet, den müssen wir leider enttäuschen. Ein kleines Rinnsal fällt etwa 10 m tief in ein Wasserloch - spektakulär ist anders und dafür haben wir fast eine zusätzliche Stunde Zeitaufwand in Kauf genommen.
Nun geht es zurück zur Lodge. Dem alten Landrover wird ganz schön etwas
abverlangt. Bodenwellen werden grundsätzlich ungebremst durchfahren, nur bei
besonders tiefen Furchen oder Steinen wird kurz abgebremst. Kein Wunder, dass
der Motor fast zu heiß wird und wir einen kurzen Kühlstopp einlegen müssen.
Nachdem ganzen Geschüttele freuen wir uns auf eine Dusche und einen Rockshandy,
ein hier typisches Erfrischungsgetränk, halb Soda / halb Limonade auf Eiswürfeln
mit ein paar Spritzern Angostura-Bitter versetzt. Von der Veranda geniessen wir
den Sonnenuntergang mit einem phantastischen Blick über das Etendeka-Plateau.![]()
Sonntag, 22.01.2006 Etosha National Park
Noch müssen wir die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch Elefanten und Nashörner zu sehen, denn unser Tagesziel ist der Etosha National Park. Zunächst fahren wir die C40 bis Kamanjab. Über den steilen Grootbergpass verlassen wir das Damaraland. Hier muss es bereits einiges an Regen gegeben haben. Die Natur erscheint in einem satten Grün. Auch die Straßen deuten auf Regen hin, sind aber gut befahrbar. Schon wieder ändert sich das Landschaftsbild und erfreulicherweise lichten sich die Wolken, die morgens über der Lodge hingen.
Kurz hinter Kamanjab müssen wir uns entscheiden, ob wir der hier geteerten Straße nach Outjo weiter folgen wollen, oder die 80 km kürzere Farmroute über D-Straßen nehmen wollen, die landschaftlich reizvoller ist. Wir entscheiden uns für letztere. Rechts und links der Straße fahren wir an bunt blühenden Sträuchern vorbei - überall hat der Regen die Natur grün eingefärbt. Auch auf der Straße hat das Wasser deutliche Spuren hinterlassen. Doch der Regen muss schon einige Tage zurück liegen, die Strecke ist problemlos zu meistern. Im bzw. direkt nach einem Regen wollten wir hier allerdings ungern unterwegs sein.
Die Route führt an mehreren Farmen vorbei und wir passieren einige Tore. Die
letzten 43 km auf der C38 sind wieder geteert. Gegen Mittag erreichen wir das
Anderson Gate, die südliche Zufahrt zum Etosha National Park.
Hier erhalten wir, nachdem wir bestätigt haben, kein Gewehr (Fire arm) dabei zu
haben, eine Permit ausgestellt, die im Okaukuejo Restcamp zu bezahlen ist.
Dieses 1999 privatisierte, ehemals staatliche Restcamp liegt ca. 20 km hinter
der Parkeinfahrt und ist das größte im Park. Wir beziehen unseren "Luxusbungalow"
und sind hoch erfreut, dass wir einen direkt an der Wasserstelle
erhalten haben. Die Bungalows sehen allerdings von Außen vielversprechender aus,
als sie es tatsächlich sind. Die Einrichtung ist für Selbstversorger zweckmäßig,
aber dringend renovierungsbedürftig und strahlt eher den Charme eine
Jugendherberge aus. Um so netter ist es vor dem Bungalow. Vom Picknickplatz
blicken wir direkt auf das Wasserloch. In den Bäumen haben Siedelweber Nester
geschafften, in denen ein reges Treiben herrscht. Am Boden tummeln sich viele
Erdhörnchen und nähern sich - immer auf Futtersuche - wagemutig. Doch schon bei
der kleinsten Bewegung ziehen sie sich blitzschnell zurück und verschwinden in
ihren Erdlöchern. Aus der Nähe können wir einen Toko (Hornbill) beobachten, ein
farbenfroher Vogel, der aufgrund seines großen, gebogenen Schnabels auch
Nashornvogel genannt wird.
Nachmittags starten wir unsere erste Etosha-Safari. Der
Etosha National Park umfasst eine Fläche von über 22.000 qkm. Mitten im Park
liegt eine etwa 4.750 qkm große Salzpfanne, die eine Länge von 129 km und eine
Breite von 72 km umfasst. Geologen vermuten, dass die Salzpfanne aus einem
eingetrockneten See entstanden ist. Am Rande der Pfanne stehend ist das Ausmaß
mit eigenen Augen gar nicht zu erfassen. Auf dem Hinflug hatten wir jedoch das
große Glück, die riesige Salzpfanne aus der Luft zu betrachten.
Auf der Safari haben wir zunächst den Eindruck, dass es nur massenhaft Springböcke gibt, von denen wir inzwischen schon Hunderte gesehen haben. Am Gemsbokvlakte-Wasserloch sehen wir wenigsten ein paar schöne Vögel. Später sehen wir noch Gnu-Herden, einige Zebras und Giraffen, Impalas und Oryx-Antilopen. Viele Arten gebären während der Regenzeit, so dass wir besonders viele Jungtiere sehen - wenigstens ein Vorteil der ansonsten spärlichen Tierbeobachtungen in der Regenzeit.
Doch das absolute Highlight erleben wir als wir uns schon wieder auf
dem Rückweg zum Camp befinden. Direkt auf der Hauptdurchfahrtsstraße, unweit der
Etosha-Pfanne, auf der stehen bereits zwei Autos. Als wir uns langsam nähern
sehen wir einen Löwen, nur zehn Meter von der Straße entfernt. Der Ansatz einer
Mähne weist darauf hin, dass es sich um ein männliches Jungtier handelt. Wir
sind ganz begeistert. 50 Meter weiter liegen zwei Löwenweibchen im Sand. Wenig
später steht eine Löwin auf und kommt geradewegs auf unser Auto zu (Detlef
schließt vorsichtshalber das Fenster) um dann am Auto vorbeizulaufen und sich
mitten auf die Straße zu legen. Die andere Löwin folgt dem Beispiel. Nun wird
die Straße von zwei Löwinnen blockiert, was uns verständlicherweise wenig stört.
Löwen in freier Wildbahn zu sehen ist schon etwas ganz Besonderes.
Zurück im Camp picknicken wir mit Blick auf das Wasserloch. Zum
Sonnenuntergang wählen wir uns eine Bank direkt am (eingezäunten) Wasserloch.
Dirk, den wir auf der gestrigen Himba-Tour kennengelernt haben, gesellt sich zu
uns und prophezeit eine 95 prozentige Nashörner-Wahrscheinlichkeit für den
heutigen Abend. Quasi auf Ansage erscheinen selbige kurz darauf und nähern sich
in der Abenddämmerung langsam dem Wasserloch. Wow!!! Wir hoffen, dass uns
wenigstens ein Foto gelingen wird, was bei den Lichtverhältnissen ohne Stativ
nicht ganz einfach ist. Aber das Life-Erlebnis ist kaum zu übertreffen. Langsam
ziehen die Nashörner am Wasser vorbei, ihre Schatten spiegeln sich in der
Wasseroberfläche. Nachdem sie etwas getrunken haben trotten sie ebenso langsam
wieder ab. Was für ein Erlebnis! Auf soviel Glück hatten wir gerade in der
Regenzeit kaum zu hoffen gewagt.
![]()
Montag, 23.01.2006 Etosha National
Park
Heute haben wir den ganzen Tag für den Etosha eingeplant. Da
Tierbeobachtungen aus 80 % Glück und 20 % Strategie bestehen, gehen wir
strategisch vor und sind bereits kurz vor sieben auf Safari. Die Strategie
bringt uns zunächst Glück, denn schon bald entdecken wir im
Busch,
weniger als 50 Meter von der Straße entfernt, das Hinterteil eines Nashorns. So
schnell können wir das Auto gar nicht stoppen, doch als wir zurück gesetzt
haben, ist das Nashorn immer noch da und dreht sich erfreulicherweise zu uns um,
guckt uns wenige Sekunden an und verschwindet im Busch.
Auf dem weiteren Weg nach Halali sehen wir wieder einige Zebras, Giraffen, Kuh-Antilopen, Kudus, Impalas, Oryx, viele bunte Vögel, aber leider keinen Elefanten.
Das Restcamp in Halali ist in einem ziemlich schlechten Zustand und wirkt wenig einladend. Langsam wird es zu heiß, womit auch die Chance auf Tierbeobachtungen sinkt. Auf dem Rückwegn nach Okaukuejo werden wir von einem entgegen kommenden Fahrzeug angehalten und auf einen Leoparden verwiesen, der ein paar Kilometer weiter an der Straße liegen soll. Als wir dort ankamen, war aber leider keine Spur davon zu entdecken. Den Nachmittag verbringen wir auf leider wenig komfortablen Liegen am Pool.
Am späten Nachmittag brechen wir erneut auf, diesmal in westliche
Richtung. Wie es scheint ein beliebtes Gebiet für Zebras, denn hier treffen wir
Hunderte. Es hat hier zwar seit acht Tagen nicht mehr geregnet, aber einige
Streckenabschnitte sind immer noch ziemlich matschig, aber noch befahrbar.
Leider sind einige Verbindungsstraßen aufgrund der schlechten
Straßenverhältnisse gesperrt.
Mystisch ist der Ghost Tree Forest (Märchenwald), den wir bald erreichen. Es sieht so aus, als hätten hier Elefanten ihr Unwesen getrieben. Einige Bäume sind entwurzelt, die verbliebenen sind vollkommen ohne Blattwerk. Von Tieren weit und breit keine Spur.
Am heutigen Abend bleibt das Wasserloch verwaist - von Nashörnern keine Spur.
Wir hatten gestern also wirklich riesiges Glück. ![]()
Dienstag, 24.01.2006 Etosha National Park
Durch das östlich gelegene Von Lindequist Gate (direkter Weg 120 km) wollen
wir den Nationalpark heute wieder verlassen. Wir sind zwar noch nicht
übersätti
gt von den Tierbeobachtungen, mussten jedoch feststellen,
dass eine Safari ganz schön anstrengend ist, da man ständig konzentriert in die
Landschaft starrt und hinter jedem Busch etwas Besonderes erwartet. Nicht selten
kam es vor, dass wir in einem großen Stein oder Baumstumpf zunächst Tiere zu
erkennen glaubten. Da wir schon genug verwaiste Wasserlöcher gesehen haben,
steuern wir nicht mehr jedes an, sondern fahren auf ziemlich direktem Weg zum
Ostausgang. Kurz vor Namutoni biegen wir ab zur Fisher's Pan.
Diese etwa
30 km lange Strecke hat einen ganz besonderen Reiz. Durch den vielen Regen ist
die Pfanne voll Wasser und sieht aus wie ein kleiner See. Unzählige Vögel können
wir beobachten, u.a. Stelzenläufer, den schwarzweißen Waffenkiebitz, den bunten
Kronenkiebitz mit orangen Stelzenbeinen, Silberreiher und viele andere Vögel,
die wir mit unserem Bildmaterial nicht eindeutig benennen können. Besonders
schön ist die Strecke, auf der die Straße über einen schmalen Steg durch die
Pfanne führt und wir rechts und links vom Wasser umgeben sind.
Nachdem wir das Von Lindequist Gate passiert haben ist es nicht mehr weit bis zur Etosha Aoba Lodge, wo wir unser Quartier beziehen. Allerdings liegt die Lodge so versteckt, dass wir erst 10 km über das Gelände fahren müssen. Hier hat es schon eine Menge Regen gegeben. Es ist so grün, dass es uns fast so vorkommt, als wären wir im Urwald.
Mit einem Willkommensdrink werden wir freundlich von Eva, einer Deutschen vom Chiemsee, begrüßt. Wir sind die einzigen Gäste, die für heute erwartet werden. Doch wenig später kommt noch ein Auto vorgefahren. Die Ankömmlinge hatten offensichtlich zu spät gesehen, dass die Anfahrt zur Lodge 10 km beträgt, doch da absolute Nebensaison ist, ist auch ein weiteres Zimmer frei.
Im Gespräch mit Eva erfahren wir nun auch endlich, warum wir keine Elefanten gesehen haben. Diese machen sich mit Beginn der Regenzeit - in dieser Saison bereits im Oktober - auf den Weg in den Norden. Nur wenige Tiere - hauptsächlich alte Bullen - bleiben zurück. Nun wundern wir uns nicht mehr, dass wir keinen einzigen Elefanten gesehen haben.
Nachmittags ist relaxen angesagt - der Pool ist dafür wunderbar geeignet.
Der Fahrerei auf Schotterstraßen überdrüssig, nehmen wir nicht an der angebotenen Sundowner-Tour teil, wobei diese schon lohnenswert sein soll. Das Farmgelände grenzt direkt an die Fisher's Pan des Etosha. Die beiden anderen Gäste berichten später, dass sie hier mehr Tiere gesehen haben, als auf ihrer Fahrt durch den Etosha.
Abends genießen wir gemeinsam mit den beiden anderen Gästen ein ausgezeichnetes Abendessen - bislang unser bestes, obwohl wir natürlich nicht in Erwartung kulinarischer Hochgenüsse Namibia bereisen.
Beim Austauschen von Reiseerlebnissen geht es schnell auf Mitternacht zu und
wir haben fast ein schlechtes Gewissen, dass wir das Personal so lange
aufhalten.![]()
Mittwoch, 25.01.2006 Otjiwarongo - Waterberg Plateau
Langsam aber sicher neigt sich unser Urlaub dem Ende entgegen. Heute steht uns ein Fahrtag in Richtung Waterberg Plateau bevor. Kurz vor unser Abfahrt beginnt es zu regnen. Der Himmel ist total wolkenverhangen. Auf den ersten 200 km regnet es pausenlos. Erfreulicherweise sind wir zunächst nur auf Teerstraßen unterwegs.
In Otjiwarongo lassen wir es uns nicht entgehen, im Cafe Carstensen deutschen Kuchen zu essen, der hier nach alten Rezepten hergestellt wird und daher besser schmeckt, als heutzutage in der Heimat. Die Einrichtung sieht aus als wäre sie in den 50er Jahren aus Deutschland importiert worden.
30 km hinter Otjiwarongo verlassen wir die B1 in Richtung Waterberg Plateau. Die Natur ist unverändert grün und dicke
Wolken, die über den Berghängen hängen, geben erstmalig den Eindruck der
Regenzeit wieder. Aus dem Grün ragen die roten Felsformationen des Plateaus
heraus. Die Pad bleibt uns auf den letzten Kilometern zum Waterberg Restcamp
nicht erspart. Die Fahrbahn verrät, dass der letzte Regen noch nicht lange her
sein kann. Kurz darauf erreichen wir die erste Senke, die komplett unter Wasser
steht. Der Untergrund ist erfreulicherweise betoniert und der Wasserstand nicht
höher als 20 cm, für unseren 4x4 kein Problem. Zwei Fahrer eines 2x4, die auf
das Abfließen des Wasser warten, wünschen uns viel Glück. Der Weg wird zunehmend
matschiger und glitschiger, doch auch die nächste Senke passieren wir noch
problemlos und schlittern langsam weiter.
Der Anblick eines vollgelaufenen Flussbettes stoppt dann aber abrupt unseren
Tatendrang. Die Worte des Mietwagenverleihers haben wir noch gut im Ohr -
"niemals Wasser durchfahren, dass tiefer ist als der halbe Reifendurchmesser".
Auch ohne uns die Füße nass zu machen ist zu erkennen, dass das Wasser
wesentlich tiefer ist. Zwei Lkw, die kurz darauf den Fluss durchqueren,
bestätigen uns dies anschaulich. Immerhin funktioniert unser Handy, so dass wir
unser Quartier kontakten können und uns von dort Hilfe geschickt wird.
Eine halbe Stunde später trifft ein Safari-Landcruiser ein und passiert - bis zum Nummernschild im Wasser - den Fluss. Nun ist uns erst recht klar, dass wir, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden, dies nicht tun werden. Alle Überredungskünste sind zwecklos. Wir sind bereits drauf und dran, die bereits im Voraus bezahlte Übernachtung sausen zu lassen und nach Windhoek zu fahren. Doch wider Erwarten gibt es eine andere Strecke über eine Farm, die in einem besseren Zustand sein soll. Noch wissen wir nicht, dass es ein 60 km langer Umweg ist, die Strecke, die wir bis zur C22 zurück müssen, noch nicht eingerechnet. Ein einheimischer Mitarbeiter der Lodge steigt zu uns ins Auto um uns den Weg zu zeigen, der andere fährt zurück, um den Schlüssel für das Farm-Tor zu organisieren.
Als wir fast wieder die C22 erreicht haben, kommt uns ein 2x4-Fahrzeug entgegen, das wir gleich anhalten. Da das schwedische Paar zum selben Quartier will, schließen sie sich uns dankbar an.
Unser Lotse ist hier aufgewachsen und kennt sich bestens aus. Leider spricht er nur sehr gebrochen Englisch, hat jedoch immerhin erkannt, wie wichtig dies ist. Seine sieben noch lebenden Kinder sollen auf jeden Fall die Schule besuchen. Das Haus seines Vater, an dem wir vorbei fahren, ist immerhin ein Steinhaus. Kurz zuvor hat er uns ziemlich anschaulich gezeigt, wie sich das eingezäunte Land deutscher Farmer von den ärmlichen Wellblechhütten der schwarzen Bevölkerung unterscheidet, getrennt nur durch eine Straße.
Endlich erreichen wir die Farm. Der Landcruiserwartet bereits auf uns und eskortiert uns zum Waterberg Plateau Restcamp. Hier angekommen erfahren wir, dass sich inzwischen schon ein Bus festgefahren hat. Da war der Umweg über die Farm wohl die bessere Wahl. Dennoch hoffen wir, dass wir die Entscheidung, nicht direkt nach Windhoek gefahren zu sein, bei der morgigen Rückfahrt nicht bereuen werden. Momentan scheint zumindest die Sonne und die dunklen Wolken ziehen scheinbar weiter.
Das staatliche Waterberg Plateau Restcamp ist in einem etwas besseren Zustand als das im Etosha, allerdings wundert es uns, dass es zwar für Selbstversorger eingerichtet ist, abgesehen von einem Wasserkocher und drei Tassen jedoch keine Küchenutensilien vorhanden sind, was uns allerdings heute nicht stört.
Das Waterberg Plateau ist vor Mio. von Jahren aus versteinertem roten
Dünensand entstanden. Durch Erosion wurde der Sandstein weitestgehend wieder
abgetragen, nur ein paar Berge blieben stehen. Dem Wasserreichtum dieser Region
ist es zu verdanken, dass es hier eine ganz besondere Flora gibt. 1972 wurde der
42.550 ha große Waterberg Plateau Park geschafften, um vom Aussterben bedrohte
Tierarten zu retten. Verschiedene Wildarten wurden auf dem Plateau ausgesetzt,
so z.B. Nashörner (auch das Weiße) Afrikanische Büffel, mehrere Antilopenarten
und Giraffen. Außerdem gibt es hier mehr als 200 Vogelarten. Vom Restcamp aus
starten einige kurze Wanderwege. Wir folgen dem Mountain View Trail und haben
von oben eine phantastische Aussicht. Das Plateau ist von einer endlos flachen
Ebene umgeben. Um uns herum ist alles Grün und so ganz anders als wir Afrika
bislang kennengelernt haben.
Unterwegs werden wir von vielen Vögeln begleitet. Später können wir zwei
scheue Tiere beobachten, die wir für junge Steinböcke halten. Tatsächlich
handelt es sich um Damara Kirkdikdik - eine deutsche Bezeichnung konnten wir
leider nicht herausfinden. Abends speisen wir ganz akzeptabel aber mal wieder
vollkommen alleine im Restaurant.![]()
Donnerstag, 26.01.2006 Waterberg Plateau
Ein Gewitter hat uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. Über eine Stunde lange schüttet es wie aus Eimern. Das ungute Gefühl möglicherweise in Waterberg festzusitzen, lässt sich nicht abstellen. Wir bedauern unsere Entscheidung und sehen unseren morgigen Rückflug gefährdet.
Obwohl wir kaum glauben, dass die für heute Morgen gebuchte Safari auch stattfinden wird, stehen wir zeitig auf. Es regnet zwar nicht mehr, aber das Plateau ist von dicken, dunklen Wolken eingehüllt. Erstaunlicherweise findet die Safari dennoch statt. Das schwedische Paar, das gemeinsam mit uns hierher gelotst wurde, nimmt ebenfalls teil. Das nächtliche Gewitter hat sie ebenfalls um den Schlaf gebracht, allerdings wollen sie noch eine weitere Nacht bleiben und hoffen auf Wetterbesserung. Ferner begleiten uns zwei ältere kanadische Paare, die gemeinsam in einem kleinen VW Polo unterwegs sind. Sie wurden gestern am Fluss abgepasst und dann mit dem Landcruiser durch selbigen gezogen. Wir sind ziemlich beeindruckt. An schlechte Straßenbedingungen scheinen sie aus Kanada gewöhnt zu sein, denn besonders aufgeregt erscheinen sie uns nicht, obwohl sie ebenfalls heute abfahren müssen.
Auf der Hauptstraße kommt selbst der Landcruiser einige Male ins
Schlittern. Erfreulicherweise ist die Auffahrt auf das 1930 Meter hohe Plateau
befestigt. Nach dem vielen Regen ist die Pirschfahrt auf dem Plateau wenig
ergiebig. Es sind zwar viele Tierspuren im feinen roten Sand zu erkennen, doch
nur wenige Tiere zu erspähen. Immerhin sehen wir eine Nashorn (leider kein
weißes). Auch ein paar Giraffen und die seltenen Kuh-Antilopen zeigen sich uns.
Landschaftlich hat das Plateau einen ganz besonderen Reiz. Der rote Sandboden
kontrastiert mit den sattgrünen Bäumen und Sträuchern. Ab und zu ragen ein paar
schroffe, rote Sandsteinfelsen heraus. Am Rande des Plateaus hat man einen
weiten Blick über die grüne Ebene, aus der sich nur einige rote Pads
hervorheben.
Auf der Rückfahrt zum Camp treffen wir auf zwei Fahrzeuge, die am Fluss kehrt gemacht haben und nun auch die längere Farmstrecke fahren wollen. Der Fluss ist voll, was uns nicht wirklich wundert.
Zurück im Restcamp herrscht allgemeine Aufbruchstimmung. Das schwedische Paar hat inzwischen ebenfalls beschlossen abzureisen, so dass wir erneut im Konvoi zurückfahren. Wir sprechen mit Werner, der uns am Vortag hierher gelotst hat. Er ist nicht davon überzeugt, dass der Fluss unpassierbar ist. Die Zweiradfahrzeuge will er, genau wie am Vortag den Polo, durch das Wasser ziehen. Skeptisch sind wir, dass sich unserer schwerer Nissan ebenfalls so ohne Weiteres durchziehen lässt.
Im Konvoi folgen wir dem Landrover und sind erstaunt, dass
der Fluss nur wenige Kilometer vom Camp entfernt ist und die Straße bis dahin
problemlos zu befahren ist. Kein Wunder, dass Werner den Umweg über die Farm
scheut. Mit dem dezenten Hinweis, er habe den Lotsen am Vortag bezahlen müssen,
entlockt er uns 30 N$ Tipp. Nun sehen wir den Fluss vom anderen Ufer aus. Der
Wasserstand scheint nicht höher als am Vortag und unsere Skepsis ist
unverändert. Werner meint, wir sollten einfach langsam durchfahren, es wäre kein
Problem. Der Landrover durchquert problemlos den Fluss um uns zu zeigen, wie
tief dieser ist. Trotz großer Bedenken vertrauen wir Werners Erfahrung und
bitten ihn, für uns das Auto durchzufahren. Das Wasser ist so tief, dass das
Nummernschild eintaucht. Ein merkwürdiges Gefühl komplett von Wasser umgeben zu
sein. Sicher und mehr als erleichtert erreichen wir das andere Ufer. Entspannt
beobachten wir, wie die beiden 2x4 durchs Wasser gezogen werden. Für die
Einheimischen ist der Straßenzustand - insbesondere während der Regenzeit -
nichts Ungewöhnliches.
Wider Erwarten ist die etwa 15 km lange Strecke zurück zur C22 in einem besseren Zustand als am Vortag. Das Wasser ist weitestgehend abgelaufen und die Fahrbahn ziemlich trocken. Offensichtlich ist hier in der vergangenen Nacht kein weiterer Regen gefallen. Als wir endlich die C22 und damit den Asphalt erreichen, sind wir froh, denn so kurz vor dem Urlaubsende haben wir keine Lust mehr auf Abenteuer. Trotzdem möchten wir auch dieses für die Regenzeit eher typische Erlebnis nicht missen.
Der nun einsetzende Regen stört uns wenig, da die Straßen bis nach Windhoek asphaltiert sind. Tanken müssen wir auch nicht mehr, denn inzwischen haben wir unsere beiden 20 Liter-Reservekanister eingefüllt. Ungewöhnlicherweise müssen wir das Fahrzeug nicht vollgetankt an den Vermieter zurück geben. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass das Fahrzeug mit zwei Tanks ausgestattet ist und die Tankanzeige erst aktiviert wird, wenn bereits der erste Tank leer ist.
Nach so vielen schönen Naturerlebnissen vermeiden wir es
wie gewohnt, die letzte Nacht in einer Stadt zu verbringen und übernachten auf
einer Farm südwestlich von Windhoek. Vom Kupferberg Pass haben
wir sehr schöne Aussichten in die hügelige, inzwischen auch hier grüne
Landschaft. Die Melrose Game Farm liegt versteckt in diesem grünen Eldorado.
Wieder einmal müssen wir nach dem großen Eingangsportal noch einige Kilometer
fahren, bevor das Farmgebäude sichtbar wird.
Zum ersten Mal werden wir nicht so persönlich empfangen, später merken wir, dass dies im Sprachproblem des Personals begründet liegt. Abgesehen von ein paar Floskeln auf Deutsch oder Englisch ist die Verständigung ein Problem und geantwortet wird in Afrikaans, was wir wiederum nicht verstehen.
Lustig wird es beim Abendessen. Die Frage nach einer Speisekarte kann nicht beantwortet werden und als wir auch noch nach einer Weinkarte fragen, geht gar nichts mehr. Immerhin finden wir heraus, dass es offensichtlich ein Büfett gibt. Inzwischen wurde auch die österreichische Managerin zur Hilfe gerufen, die unser Weinproblem beheben kann.
Die Melrose Game Farm ist eine Jagdfarm und hat hauptsächlich österreichische
Jäger zu Gast. Erstaunlicherweise ist die Farm fast ganzjährig ausgebucht und
hat nicht mit der Nebensaison in der Regenzeit zu kämpfen. Später kommen die
anderen Gäste von der Jagd zurück und tauschen sich über ihre Jagderlebnisse
aus. Für uns ist es ein komisches Gefühl, unter Jägern zu sein, denn mit der
Jagd haben wir so gar nichts am Hut. Dennoch erleben wir einen interessanten
Abend, denn später gesellt sich Simon zu uns. Er arbeitet auf der Farm als
Jagdführer und bildet sich derzeit als staatlich anerkannter Berufsjäger weiter,
um in ganz Namibia als Jäger arbeiten zu dürfen. Simon ist sehr froh darüber,
dass er ohne Schuldbildung die Chance bekommen hat als Jagdführer zu arbeiten.
Mit viel Engagement eignet er sich das erforderliche Wissen über die Tierarten
an und bereitet sich auf die Abschlussprüfung als Berufsjäger vor. Lesen und
schreiben hat er sich selbst beigebracht und unterhält sich mit uns prima auf
Deutsch, was er sich durch den Kontakt zu den Gästen angeeignet hat. Seine
Kinder sind auf der Farm aufgewachsen. Da es ihm wichtig ist, dass sie die
Schule besuchen, hat er Frau und Kinder in Windhoek in einem Haus untergebracht,
etwa 35 km von der Farm entfernt. Er ist ziemlich besorgt, dass seine Kinder in
Windhoek "unter die Räder kommen", da sie das Stadtleben bislang nicht kennen
gelernt haben. Entsprechend hat er das Haus so ausgewählt, dass es nur 20 Meter
von der Schule entfernt liegt. ![]()
Bedauerlicherweise werden wir schon um fünf Uhr durch nachhaltiges Klopfen an der Tür geweckt und müssen erst öffnen, um dem Lärm Einhalt zu bieten. Eine der jungen Angestellten lädt uns zum Frühstück ein. Wie sich herausstellt ging sie fälschlicherweise davon aus, dass wir genau wie einige andere Gäste früh morgens zurückfliegen. Damit ist unsere Nacht leider schon so gut wie vorbei, denn so richtig finden wir nicht mehr in den Schlaf.
Beim späteren Frühstück kommen wir mit einem Gast ins Gespräch, einem Winzer aus der Steiermark. Als leidenschaftlicher Jäger kommt er seit Jahren für mehrere Wochen auf die Jagdfarm. Natürlich erfahren wir auch etwas über die Jagd. Auch in Namibia gelten Abschussbestimmungen, die vom Naturschutzbund festgelegt werden. Trotz der geregelten Abschussquoten ist für ihn das Jagen in Namibia besonders reizvoll, da es nicht die vielen Einschränkungen wie in Deutschland oder Österreich gibt. Es ist allerdings ein teures Hobby, so zahlt man beispielsweise für die Trophäe eines Kudu 650,- EUR oder eines Oryx 400,- EUR. Mit diesen Einnahmen werden Naturschutzprojekte finanziert.
Wie er uns erzählt ist der Wildbestand in Deutschland zwar um ein Vielfaches höher, aber die Jagdrestriktionen sind sehr hoch. Wir erfahren, dass es eine Überpopulation an Wildschweinen in Berlin gibt - uns ist beim Spaziergang im Grunewald selbst schon einmal ein Eber über den Weg gelaufen. Aufgrund der Auflagen, die beispielsweise vorsehen, dass nur ohne Hilfsmittel (z.B. Nachtsichtgerät) gejagt werden darf, sind die nachtaktiven Tiere nur schwer zu erwischen. Eine komische Vorstellung, dass selbst staatliche Friedhöfe in Berlin regelmäßig für einige Tage gesperrt werden, um den grabschändenden Hasen, Fasanen, etc. den Garaus zu machen.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf nach Windhoek, um wenigsten noch einen kleinen Eindruck der etwa 300.0000 Einwohner zählenden Hauptstadt Namibias zu erlangen. Ein letztes Mal fahren wir auf einer Pad und genießen vom Kupferberg Pass noch einmal die weite afrikanische Landschaft, die sich in grünen Hügeln bis nach Windhoek erstreckt. Als wir vor drei Wochen in Windhoek ankamen, war hier noch so gut wie gar nichts grün. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Natur durch Regen in nur drei Wochen derartig verändern kann.
Das Auto parken wir sicher im Parkhaus des Kalahari Sands Hotels. Von
dem im Reiseführer mit drei bis vier Stunden angegebenen Stadtrundgang sind wir
schnell ab. Natürlich sehen wir uns die Christuskirche, das Reiterdenkmal und
die dahinter liegende Alte Feste an. Und natürlich den Tintenpalast, so benannt
wegen des überdurchschnittlich hohen Verwaltungsaufwandes der deutschen
Kolonisten. Dem anschließenden Bummel durch die Fußgängerzone können wir wenig
abgewinnen. Interessant ist es, einen Blick in das Bushman Art & African
Museum zu werfen. Neben allerlei interessanten Souvenirs befindet sich im
hinteren Teil der Galerie eine Ausstellung mit Artefakten der San-Kultur.
Wir kaufen uns eine "Allgemeine Zeitung". Diese deutschsprachige
Zeitung erscheint in Namibia mit einer Auflage von 6.000 Exemplaren. Inhaltlich
ist sie mit unserem gewohnten Tagesspiegel zwar nicht zu vergleichen, aber
immerhin werden wir über die wichtigsten internationalen Geschehnisse
informiert. Die nationalen Nachrichten beziehen sich eher auf die letzten
Unwetter und de angerichteten Schäden. Das Sossusvlei steht unter Wasser und war
zeitweise nicht zugänglich.
Im Mug & Bean-Cafe
vertreiben wir uns die Zeit bei einem Kaffee und nicht zu bewältigenden
Burger-Portionen. Von der Terrasse aus können wir das Treiben in der
Fußgängerzone beobachten.
Ein letzter Blick gilt dem Wahrzeichen der Stadt, der Windhoek-Aloe, einem Turm direkt gegenüber des Kalahari Sands Hotels, an dem wir bei der Ankunft achtlos vorüber gegangen waren - passend zur Stadt ist das Wahrzeichen eher unscheinbar.
Die verbleibende Zeit nutzen wir, um die Hauptsraße, die Independence Avenue, Richtung Norden zu fahren. So gelangen wir nach Katutura, dem Township von Windhoek. Im Zuge der Apartheitspolitik wurde ab 1960 die schwarze Bevölkerung aus dem Hochland hierher umgesiedelt. Hierfür wurden einfache Häuser mit zwei Zimmern errichtet. Bedingt durch die stattfindende Landflucht weitet sich das Armenviertel immer weiter aus. Jeden Monat kommen etwa 1.650 Zuwanderer in die Stadt. Die als "squatters" bekannten wilden Siedler hausen in notdürftig zusammen genagelten Wellblechhütten.
Die spätere Mietwagenrückgabe erfolgt völlig problemlos. African Tracks
können wir
empfehlen. Die ziemlich neuen Fahrzeuge sind in einem sehr guten
Zustand und die Ausstattung ist tadellos.

Auf der Fahrt zum Flughafen nehmen wir Abschied. Ein toller Urlaub und 5.470
Kilometer Fahrstrecke liegen hinter uns. ![]()
Letzte Aktualisierung: Februar 2006 - © Anke Schlingemann und
Detlef Hälker
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