Island Reisebericht - Feuer und Eis
(Teil 2)

August 2014

 

Dienstag, 19.08.2014: Ostfjorde - Seiðisfjörður - Reyðarfjörður - Stöðvarfjörður - Djúpivogur

Unsere Tour führt weiter an die Ostfjorde. Wir entscheiden uns für die Straße Nr. 931 und fahren am See Lagarfljót entlang. Das 740 ha große Waldgebiet Hallormsstaður beeindruckt uns weniger, doch 10 m hohe Bäume sind für isländische Verhältnisse durchaus etwas Besonderes.

Egilsstaðir ist der Hauptort in den Ostfjorden und zählt ca. 2300 Einwohner. Für uns eine gute Gelegenheit, den Tank und die Vorräte aufzufüllen.

Ein 26 km langer Abstecher führt uns über die Hochebene Fjarðarheiði zum südlich von Egilsstaðir gelegenen Fischerdorf Seiðisfjörður.

Fischerdorf Seiðisfjörður - Ostfjorde
Fischerdorf Seiðisfjörður - Ostfjorde

Dieses liegt idyllisch am gleichnamigen Fjord und wird von Bergen eingerahmt. Der 675 Einwohner zählende Ort gilt als malerischster Ort der Ostfjorde. Die kleinen farbenfrohen Holzhäuser (in norwegischer Bauweise) wirken ganz nett. Bedeutung hat der Fischerort insbesondere durch das erste Untersee-Telefonkabel erlangt, das bereits seit 1906 Island und Europa (Schottland) verbindet. Während des Zweiten Weltkriegs hatten Engländer und Amerikaner hier ihren Stützpunkt. Eine am Hafen stehende Kanone zeugt von einem 1944 hier versenkten Tanker. Außerdem legt hier die Autofähre an, die von Hirtshals (bei Kiel) ablegt und 2 Tage später Island erreicht.

Über eine Hochebene fahren wir weiter nach Reyðarfjörður (1.150 Einwohner) und haben schöne Blicke auf die Fjordlandschaft. Früher war Reyðarfjörður ein wichtiger Handelsort für die Region und während des Zweiten Weltkriegs gab es dort eine Militärbasis der Alliierten. Im Jahre 2005 gab es große Veränderungen in der Region, als Alcoa ein Aluminiumwerk in der Nähe von der Ortschaft gebaut hat. Seit dem ist die Siedlung größer geworden und hat wieder an Bedeutung gewonnen.

Durch einen 5.900 m langen Tunnel fahren wir weiter über Fáskrúðsfjörður nach Stöðvarfjörður. Unterwegs haben wir tolle Landschaftseindrücke. Blau leuchten die von Bergen eingerahmten Fjorde. An der schroffen Felsküste, die sich zum Meer hin erstreckt, tosen die Wellen gegen die riesigen Felsbrocken.

Im kleinen Küstenort Stöðvarfjörður besichtigen wir die private Steinesammlung von Petra Sveinsdottir. Die Region ist bekannt für ihre Mineralienvorkommen. Im ansprechend angelegten Garten sowie im Wohnhaus gibt es Tausende von unterschiedlichen Steinen zu bewundern. 70 Prozent der Steine stammen aus der Region. Die Sammlung ist (auch wenn der Eintritt mit umgerechnet 8 € nicht ganz billig ist) einen kurzen Stopp wert.

Stöðvarfjörður - Steinesammlung von Petra Sveinsdottir.
Stöðvarfjörður - Steinesammlung von Petra Sveinsdottir

Am späten Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel Djúpivogur. Der Ort liegt auf einer Halbinsel zwischen den Fjorden Hamarsfjörður und Berufjörður. Das einzige Hotel Framtið liegt direkt am Hafen des idyllisch gelegenen Fischerortes. Der kleine Fjord wird auch hier wunderschön von teilweise schneebedeckten Gebirgszügen eingerahmt. Der Ort bietet hervorragende Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung. Direkt hinter dem Hotel beginnt ein kleiner Rundwanderweg. An einigen kleinen Seen gibt es Vogelbeobachtungshütten. Dahinter erstreckt sich die breite Küste mit ihrem schwarzen Lavasand.

Schwarze Lavaküste bei Djupivogur
Schwarze Lavaküste bei Djupivogur

Auf einer kleinen vorgelagerten Insel steht ein kleiner Leuchtturm. Anders als wir sollte man die Wege allerdings besser nicht verlassen, sonst steht man, ehe man sich versieht, in einer Sumpflandschaft.

Von Djúpivogur werden Bootsausflüge zur vorgelagerten Insel Papey angeboten, allerdings nur einmal täglich um 13:00 h. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und zahlreiche Seevögel haben hier ihren Lebensraum. Allein die Anzahl der nistenden Papageientaucher beträgt 30.000 Brutpaare. (www.birds.is)

Die Nachrichten über den aktiven Vulkan reißen nicht ab. So haben deutsche Medien die Filme vom 2010 ausgebrochenen Vulkan Eyjafjallajökull ausgestrahlt; dieser Ausbruch führte aufgrund erheblichen Aschewolken zu einer großen Beeinträchtigung des internationalen Flugverkehrs. Vor Ort ist man diesbezüglich wesentlich entspannter, da der Vulkan im unbewohnten Hochland unter einer 400 m dicken Eisschicht liegt. Einige Straßen in der betroffenen Region wurden teilweise (F910) gesperrt und 200 Touristen wurden evakuiert. Wissenschaftler gehen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings weniger von einer Eruption mit starkem Ascheausstoß aus, sondern eher von einer subglazialen Eruption aus. Diese würde zur Eisschmelze führen und Fluten im Norden des Landes auslösen. zurueck

 

Mittwoch, 20.08.2014: Hvalness Nature Reserve - Höfn - Skalafellsjökull - Jökulsárlón - Kirkjubæjarklaustur

Unsere Fahrt führt uns weiter über die Ringstraße in Richtung Süden und bietet tolle Blicke auf die raue Küstenlandschaft, die von hohen Gebirgszügen gesäumt wird. Bei Lon (Lagune) lädt die wunderschöne Landschaft zu einem Stopp ein. Die Bucht wird von über 750 m hohen Bergrücken eingerahmt. Im Wasser ragt ein hoher, grün bewachsener Monoliten einsam heraus und wird von der tosenden Brandung umspült. In der Lagune gibt es viele Vögel.

Wenig später erreichen wir das Hvalness Nature Reserve. Ein kilometerlanger und sehr breiter schwarzer Kiesstrand wird von skurril geformten, farbigen Bergzügen eingerahmt. Ein kurzer Abstecher gilt dem Aussichtspunkt am Bergpass Almannaskarð, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf einige Gletscherzungen des Vatnajökulls hat.

Höfn ist eine kleine Fischerstadt, die wunderschön am Fuße des Gletschers liegt. Besonders sehenswert ist das dortige Gletschermuseum, das sehr gut über den Vatnajökull sowie über die hiesige Fauna informiert. Beeindruckend ist ein kurzer Film über die verheerenden Auswirkungen des Vulkanausbruchs unter dem Gletscher Vatnajökull im Oktober 1996. Ebenfalls lohnenswert ist ein kurzer Blick in das nebenstehende Maritimmuseum.

Langsam nähern wir uns den ersten Gletscherzungen. Eine acht Kilometer lange Strecke führt uns an die Gletscherzunge des Flaajökull. Umrahmt von schwarzer Lava erstreckt sich der kleine Gletschersee vor den Abbruchkanten aus meterhohem Eis. Einige Eisbrocken treiben von der Sonne angestrahlt im See.

Skalafellsjökull - Gletscher mit See
Flaajökull - Gletscher mit See

Ein weiterer 16 km langer Abstecher führt uns über die Piste F 985 an den Skalafellsjökull. Auf der teilweise recht steilen und engen Auffahrt haben wir fantastische Blicke auf den Gletscher sowie die Gebirgslandschaft. Auch an einem großen, blau leuchtenden See kommen wir vorbei. Hier gilt: der Weg ist das Ziel! Oben angekommen blickt man sowohl auf den Gletscher als auch aufs Meer. Sehr gut sind die schroffen, von Vulkanasche schwarz eingefärbten Gletscherkanten zu erkennen. Einige schroffe Lavafelsen ragen tiefschwarz aus dem Eismeer heraus. Auf 840 m Höhe liegt die Hütte Jökasel, die aber leider geschlossen hat. Dafür kann man hier problemlos das Eis betreten. Ein idealer Ausgangsort für geführte Gletschertouren oder Skidoo-Fahrten.

Skalafellsjökull
Skalafellsjökull

In Hali bewundern wir den modernen Bau des Museums Þórbergssetur, das eindeutig einem Schriftsteller gewidmet ist.

Wenig später erreichen wir die Gletscherlagune Jökulsárlón - nachvollziehbar ein beliebtes Touristenziel. Von der Sonne angestrahlt leuchten die Eisbrocken teilweise türkisblau im Wasser. Mit einem Boot kann man zwischen den Eisbergen durchfahren. Wir entscheiden uns für den nicht weniger spektakulären Spaziergang entlang der Lagune.

Gletscherlagune Jökulsárlón
Gletscherlagune Jökulsárlón

Dahinter erstreckt sich die schroffe Gletscherkante. Auf der anderen Straßenseite kann man ans Meer laufen und zusehen, wie einige Eisbrocken ins Meer fließen. Ein paar Seehunde tummeln sich im Wasser. Wir überqueren die Brücke und folgen dem Weg, der uns noch näher an das Eis heranführt. Zudem verlaufen sich hierhin nur noch wenige Touristen.

Unser Tagesziel ist Kirkjubæjarklaustur, wo wir im Guesthouse Geirland nächtigen. zurueck

 

Donnerstag, 21.08.2014: Skeiðarársandur - Nationalpark Skaftafell - Svínafellsjökull - Núpsstaður

Eine einmalige Landschaft erstreckt sich rund um Kirkjubæjarklaustur. Grün bewachsene hohe Felswände mit kleinen Wasserfällen flankieren die Straße. Vielzählige Flussläufe durchziehen die Landschaft.

Die Sandwüste des Skeiðarársandur war im Jahre 1996 Schauplatz einer Flutkatastrophe, als unterhalb des Gletschers Vatnajökull ein Vulkan ausgebrochen ist. Eine riesige Flutwelle aus geschmolzenem Gletschereis hat damals die Brücke Skeiðarárbrú und einen großen Teil der Straße weggespült. Kurz vor Skaftafell zeugt ein skurriles Monument aus verbogenen Metallteilen der beschädigten Brücke von dem dramatischen Ereignis. In dem Film im Gletschermuseum in Höfn haben wir beeindruckende Aufnahmen gesehen, die aus einen Flugzeug aufgenommen wurden. Eine vier Meter hohe Flutwelle hat mit einer unglaublichen Wucht mit Vulkanasche gemischtes Wasser vor sich her geschoben. Ein Stück der mit 1.000 m längsten Brücke Islands wurde von den Fluten mitgerissen.

Der 500 qkm große Nationalpark Skaftafell liegt direkt an der Ringstraße und ist ein beliebtes Touristenziel. Es gibt einige gut markierte Wanderwege, so beispielsweise an die Gletscherzunge.

Nationalpark Skaftafell
Nationalpark Skaftafell

Schroff und von Vulkanasche schwarz eingefärbt ragt die Gletscherabbruchkante in den See. Lohnenswert ist es, den Gletschersee ein wenig zu umrunden. Ein weiterer Wanderweg führt zum Wasserfall Svartifoss. Das Besondere an diesem Wasserfall sind die schwarzen Basaltsäulen, die ihn einrahmen.

Sehr viel besser, da wesentlich weniger touristisch, gefällt uns die Wanderung zur Gletscherzunge Svínafellsjökull, der nur etwa 2 km von Skaftafell entfernt liegt. Ein Pfad führt um den Gletschersee herum und bietet fantastische Blicke auf die Eislandschaft.

Gletscherzunge Svínafellsjökull
Gletscherzunge Svínafellsjökull

Hier finden offensichtlich auch die angebotenen Gletscherwanderungen statt. Auf dem Eisfeld sehen wir einige kleinere Gruppen. Aus der Entfernung sieht die Tour, die an steilen Eisfelsen hinabführt, nicht ganz ungefährlich aus.

Bei Núpsstaður gibt es einen typischen Grassodenhof aus dem 19. Jahrhundert.

Núpsstaður Kirche und Grassodenhof
Núpsstaður Kirche und Grassodenhof

Der Hof ist mittlerweile in Privatbesitz, aber die kleine grün bewachsene Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die mit einem Steinfußboden ausgelegt ist, ist zugänglich. zurueck

 

Freitag, 22.08.2014: Eldhraun - Hjörleifshöfði - Vik - Kap Dyrhólaey - Skógafoss - Hvolsvöllur

In der Nähe des Hotels weist ein Schild auf den Kirkjugólf hin. Zu sehen ist ein ca. 80 qm Meter großes Mosaik aus sechseckigen, glattgeschliffenen Basaltsäulenformationen. Dieser unter Naturschutz stehende Boden ist angeblich natürlich entstanden und war offensichtlich niemals ein Kirchenboden, wie der Name Kirkjugólf ableiten ließe.

Wir fahren die Straße F 204 durch das Gebiet Eldhraun; das angeblich größte Lavafeld der Welt ist bei einem Ausbruch im Jahre 1783 entstanden. Beinahe friedlich wirken die inzwischen moosbewachsenen Krater und Lavafelder. Im Hintergrund ragt die weiße Haube des Gletschers Myrdalsjökull heraus.

Eldhraun - moosbewachsenes Lavafeld
Eldhraun - moosbewachsenes Lavafeld

Bei Laufskalavarða weist ein Schild dieses als sehenswert aus. Das ehemalige Gehöft wurde bei einem Vulkanausbruch zerstört. Zu sehen gibt es kleine Steinanhäufungen. Hier einen Stein aufzuschichten soll den Reisenden Glück bringen.

Über 170 km Länge erstreckt sich das Schwemmland (Sander) an der Südküste. Diese Schwemmsandebenen erreichen Breiten von bis zu 25 km. Entstanden sind sie durch die Gletscherläufe, die Tonnen an Sediment mit sich transportierten.

Majestätisch ragt der 221 m hohe Felsklotz Hjörleifshöfði aus der Landschaft empor. Unvorstellbar, dass dieser im Jahre 874 direkt am Meer lag und Schiffe hier festmachten. Inzwischen trennen diesen etwa 2 km schwarzer Kiesstrand vom Meer. Am Fuß des Felsens gibt es einige Höhlen zu erkunden.

Hjörleifshöfði
Hjörleifshöfði

Der Küstenort Vík ist der südlichste Ort Islands. An der Tankstelle gibt es eine Wollfabrik. Aus dem Shop hat man einen guten Blick auf die Produktionsstätten. Etwas oberhalb des Ortes liegt eingerahmt von grünen Hügeln die kleine Ortskirche.

Lohnenswert ist es, den 340 m hohen Vogelfelsen Reynisfall zu erklimmen oder per Allradfahrzeug zu befahren. Die Aussicht von dem grün bewachsenen Felsen ist fantastisch, ein wahres Paradies für Vogelliebhaber. Die Straße 215 führt über Reynir bis zu einem wunderschönen schwarzen Sandstrand. Hier am Fuß des Vogelfelsens hat man einen fantastischen Blick auf die schroffen, einzigartig geformten Basaltwände. Auch einige Höhlen aus Säulenbasalt haben sich gebildet.

Vogelfelsen Reynisfall bei Vik
Vogelfelsen Reynisfall bei Vik

Malerisch ragen die Felszinnen der 66 m hohen Reynisdrangar aus dem Meer. In der Ferne, am anderen Ende des breiten Sandstrands, erblickt man die tollen Felsformationen des Kap Dyrhólaey. Über die Straße 218 erreichen wir das Kap.

Kap Dyrhólaey
Kap Dyrhólaey

Lohnenswert ist die Auffahrt zum Leuchtturm. Von der 120 m hohen Klippe hat man einen beeindruckenden Blick auf die tollen Felsformationen der Landzunge Dyrhólaey, die einen Felsenbogen bilden. Auch hier haben sich etliche Seevögel eingenistet, darunter auch Papageientaucher, die sich uns leider nicht zeigen.

Ein weiteres Highlight erwartet uns bei Skógar. Der 60 m hohe Skógafoss donnert hier wasserreich in die Tiefe. Von der Sonne angestrahlt schimmert in der Gischt ein farbenfroher Regenbogen.

Skógafoss bei Skógar
Skógafoss bei Skógar

Wir nähern uns unserem Quartier bei Hvolsvöllur. Das Landschaftsbild hat sich inzwischen gewandelt. Grün bewachsene Felsformationen aus denen immer wieder kleinere Wasserfälle herabstürzen überragen das grüne Weideland, auf den Schafe und Islandpferde grasen. Das relativ neue Hotel Fljótshlíð gehört zum Hof Smáratún und bietet erfreulicherweise auch eine Kochmöglichkeit. So genießen wir unseren in Vik erstandenen Wein zu Pasta. zurueck

 

Samstag, 23.08.2014: Geothermalkraftwerk Hellisheiði - Reykjavík

Langsam neigt sich unsere zweiwöchige Rundreise dem Ende entgegen. Auf dem Weg nach Reykjavík besichtigen wir das Geothermalkraftwerk Hellisheiði (www.orkusyn.is/index.php/german.html). Eine informative Ausstellung beschreibt die Energiegewinnung mittel s Geothermik. So wird bis zu 3.000 m tief gebohrt, um das heiße Wasserdampfgemisch an die Erdoberfläche zu befördern und zur Stromerzeugung und Warmwasserversorgung zu nutzen. In Stoßzeiten können 16.000 Tonnen Warmwasser stündlich bereitgestellt werden.

In Reykjavík angekommen fahren wir zunächst zum alten Hafen. Die Zufahrt ist leider gesperrt, da aktuell der Reykjavík- Marathon stattfindet. So schlendern wir die Uferpromenade entlang. Zunächst kommen wir an der skurrilen Skulptur Sólfar vorbei, die an ein Wikingerschiff erinnert. Schon von Weitem ist das moderne Gebäude der Kongress- und Konzerthalle Harpa sichtbar. Auf dem Vorplatz findet aktuell eine Cadillac-Ausstellung mit etwa 25 gut erhaltenen Fahrzeugen statt. Anlässlich der heute stattfindenden Kulturnacht wird einiges geboten. Einige Meter weiter gibt es eine Offroad-Fahrzeug-Ausstellung.

Hatten wir bislang gedacht, dass es auf Island keinen Schienenverkehr gibt, werden wir am alten Hafen eines Besseren gelehrt - hier steht eine alte Dampflock, die für den Bau der Hafenanlagen eingesetzt wurde.

Sehr interessant sind einige Schautafeln, die darüber informieren, wie viele Schiffe in den letzten Jahrzehnten rund um Island verunglückt sind.

Am Schiffsanleger angekommen buchen wir eine Walbeobachtungstour. Auf der dreistündigen Bootstour sehen wir einen Zwergwal sowie ein paar Weißschnauzendelphine, die 3 bis 4 m lang werden. Außerdem können wir einige Papageientaucher beobachten.

Ebenfalls im alten Hafen befindet sich das Aurora Nordlicht Center, das eine sehr informative Ausstellung mit vielen Bildern und Filmen zu dem Naturschauspiel bietet.

In der Stadt herrscht reges Treiben, es scheint fast, als wäre heute jeder der 115.000 Einwohner auf den Beinen. So schieben wir uns durch die Fußgängerzone Laugavegur.

Zu den Wahrzeichen der nördlichsten Hauptstadt Europas zählt die Hallgrímskirche, die die Stadt überragt. Mit einem Aufzug kann man den 75 m hohen Turm zu einer Aussichtsplattform hinauffahren. Das Gebäude, dessen Fassade auffällig in einem Basaltsäulen-Imitat geschmückt wird, ist von innen sehr schlicht.

Reykjavik - Hallgrímskirche
Reykjavik - Hallgrímskirche

Unsere Unterkunft, das Hotel Lotus, liegt etwas abseits des touristischen Zentrums. Abends können wir das Kulturfest im Fernsehen verfolgen und auch das zu diesem Anlass stattfindende Feuerwerk bewundern. zurueck

 

Sonntag, 24.08.2014: Reykjanes – Krýsuvík - Bláa Lónið - Brücke zwischen den Kontinenten

Ein paar Stunden Zeit bleiben uns noch bis zu unserem heutigen Rückflug. So erkunden wir die vulkanisch noch immer aktive Halbinsel Reykjanes. Von Reykjavik kommend biegen wir kurz hinter dem Stadtteil Hafnarfjörður auf die Straße 42 ab. Ein letztes Mal können wir eine beeindruckende, farbenfrohe Lavalandschaft bewundern. Nach etwa zehn Kilometern erreichen wir den zehn Quadratkilometer großen See Kleifarvatn. Dieser wird von einem schönen schwarzen Sandstrand eingerahmt und leuchtet türkis.

Wenig später erreichen wir das Thermalquellengebiet Krýsuvík mit farbenfrohen Schwefelablagerungen, heiß dampfenden Quellen und brodelnden Schlamm. In der Ferne können wir den grün leuchtenden See Grænavatn erspähen, der uns später zu einem kurzen Stopp einlädt.

Thermalquellengebiet Krýsuvík
Thermalquellengebiet Krýsuvík

Wir folgen der Straße 427 biegen in eine Piste nach Selatangar ab. Nach wenigen Kilometern erreichen wir einen Parkplatz. Ein Pfad führt zum ehemaligen Fischereiplatz Selantangar, der 1880 verlassen wurde. Von den Häuser und Hütten, die aus Lavasteine und Treibholz gebaut wurden, lässt sich das ehemalige Aussehen nur noch erahnen, obwohl sie unter Naturschutz stehen.

Selatangar ehemalige Fischerhütten
Selatangar ehemalige Fischerhütten

Kurz vor Grindavík biegen wir in Richtung Bláa Lónið ab. Die Blaue Lagune ist Islands wohl populärster Badeort. Inmitten einer bizarren Mondlandschaft aus moosbewachsenem Lavagestein liegt das 1999 erbaute Thermalbad. Das milchig-blaue Thermalwasser, das reich an natürlichen Mineralien und Salzen ist, wird von einem nahen geothermalen Kraftwerk in ein Lavabecken geleitet.

Bláa Lónið - Blaue Lagune
Bláa Lónið - Blaue Lagune

Ursprünglich wurde das nicht mehr benötigte heiße Salzwasser vom 1978 fertig gestellten Kraftwerk in einen nahe gelegenen See geleitet. Dieser wurde kurz darauf als beliebter und heilsamer Badesee genutzt. So gründete man 1992 das Label „Blue Lagoon“ und richtete hier ein Behandlungszentrum ein. Das Thermalbad (www.bluelagoon.com) ist gut besucht. Selbst vom Flughafen aus werden für Reisende mit längerem Zwischenstopp Touren hierher angeboten. So erstaunt es nicht, dass dieses trotz der umgerechnet 40 EUR Eintritt pro Person gut besucht ist. Wir entscheiden uns für eine Besichtigung ohne zu Baden (selbst dafür wird eine Gebühr von 10 EUR erhoben). Die Anlage hat durchaus ihren Reiz.

Wir fahren zurück in Richtung Grindavík und folgen der Straße 425. Spannend finden wir die Brücke zwischen den Kontinenten, die wir auf der Höhe der Bucht Stóra Sandvík erreichen.

Brücke zwischen den Kontinenten
Brücke zwischen den Kontinenten

Die 18 m lange Brücke überspannt die Nahtstelle zwischen der eurasischen und der nordamerikanischen Kontinentalplatte. So lassen wir es uns nicht nehmen, einmal von Europa nach Nordamerika zu wandern und überschreiten den Graben – lästige Einreiseformalitäten gibt es hier natürlich nicht. Die Kontinentalplatten treiben kontinuierlich (2 cm / Jahr) auseinander und bilden dabei die Riftzone, die Island von Reykjanes bis Öxarfjörður durchzieht.

Mit diesem spannenden Gefühl von großer weiter Welt beenden wir unsere Island-Reise und fahren nun zum Flughafen. Erfreulicherweise hat sich der immer noch brodelnde Bardabunga bislang insoweit zurückgehalten, dass unser Flugplan nicht gefährdet ist. zurueck

 

>> Reisebericht Teil 1


Fazit

Auf unserer Rundreise durch das Hochland, entlang der Ostfjorde und den Süden haben wir 3.390 km – zu gefühlt 50 Prozent auf nichtgeteerten Straßen – zurückgelegt.

Wir sind froh, dass wir Island mit einem Allradfahrzeug bereist haben. Von den rund 13.000 Kilometern Straße sind nur gut 4300 asphaltiert. Die Ringstraße Nr. 1 ist mit 1.336 Kilometern Islands längste Straße und folgt grob dem Küstenlauf, schneidet aber alle großen Halbinseln ab. Die Naturschönheit des Landes, das dieses auf kleinstem Raum bietet, hat uns sehr beeindruckt. Vielleicht werden wir in einigen Jahren erneut Island besuchen um auch noch den Nord-Westen des Landes zu erkunden.

Aufgrund der kurzen Saison im Sommer benötigt man allerdings ein großes Budget. Island ist sehr teuer, was für Unterkünfte, Lebensmittel und Mietwagen gilt. Für Naturliebhaber ist Island faszinierenden schön, wer aber eher Kultur und Unterhaltung sucht ist hier falsch aufgehoben. zurueck

 

Reiseinfos

Reiseinfos

DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Island

Das DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Island war ein guter Begleiter. Es gibt vielfältige Informationen zu Land und Leuten und gute Reiseinformationen. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind sehr gut beschrieben und es gibt einige gute Tourenvorschläge.

Island. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 55 TourenDer Island. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 55 Touren bietet leichte bis schwere Wanderungen. Die Wanderungen sind mit Länge, Schwierigkeitsgrad und Höhenunterschieden angegeben und gut beschrieben.