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Niedersachsen

Wolfsburg – Hannover – Wolfenbüttel

 Ende August 2006

Wolfsburg - Autostadt

Eine Einladung nach Hannover gibt uns der Anlass, einen Zwischenstopp in Wolfsburg einzulegen. Denkt man an Wolfsburg, denkt man unmittelbar auch an Volkswagen, dem großen deutschen Autokonzern der hier seinen Sitz hat. Und genau darum geht es uns – wir besichtigen die Autostadt, einen Themenpark, den Volkswagen hier 2001 gegenüber dem Werk errichtet hat.

Wolfsburg - Volkswagenwerk / Autostadt
Volkswagenwerk / Autostadt in Wolfsburg

In einer schön angelegten Parklandschaft präsentiert sich jede Konzernmarke in einem eigenen Pavillon mit einer individuellen Inszenierung. Hierbei hat man das Gefühl, dass nicht so sehr das reine Auto, als vielmehr die Vermittlung der Markenwerte im Vordergund stehen. Eine Ausnahme bietet Lamborghini, die Lasershow ist nichts anderes, als eine laute Fahrzeugvorführung.

Sehr gut gefällt uns das Zeithaus, in dem Meilensteine der Automobilgeschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart (also nicht nur VW-Konzernmarken) zu sehen sind. In der derzeitigen Sonderausstellung „Frau und Auto“ ist u.a. das Auto von Clärenore Stinnes zu sehen, mit dem sie 1927 bis 1929 als erster Mensch im Auto einmal um die Erde fuhr. Die erste Langstreckenfahrt mit einem Auto hat Berta Benz zusammen mit Ihren Söhnen (ohne Wissen ihres Mannes) im Jahr 1888 vollbracht - zu dieser Zeit sicherlich kein einfaches Unterfangen.

Zeithaus - Autostadt - Wolfsburg
Zeithaus in der Autostadt Wolfsburg

Kunden können ihre Neufahrzeuge in der Autostadt direkt abholen und sparen damit die Überführungskosten. In zwei hohen Glastürmen (AutoTürme) sind die abholbereiten Fahrzeuge zu sehen. Interessant ist ein Besuch im KundenCenter. Hier warten die Neubesitzer oft samt Familie auf ihr neues Auto. Auf großen Schautafeln werden die Abholer namentlich angezeigt. Nach Übergabe und ausführlichen Einweisung treten die stolzen Fahrzeugbesitzer noch etwas unsicher im Umgang mit dem neuen Auto die Heimfahrt an.

Alles in allem hat uns die Autostadt gut gefallen, der Eintritt ist allerdings mit 15,00 EUR pro Person ganz schön happig. Auch für Familien lohnt sich ein Besuch, denn für Kinder wird einiges geboten.

Science Center Phaeno

Science Center Phaeno / WolfsburgÜber die Fußgängerbrücke überqueren wir den Mittellandkanal. Direkt gegenüber der Autostadt liegt das Ende 2005 eröffnete Science Center phaeno eine so genannte Experimentierlandschaft. Auf einer über 9.000 qm großen Aktionsfläche stehen dem Besucher 250 interaktive Experimentierstationen zur Verfügung um die Welt von Wissenschaft und Technik zu entdecken.

Uns interessiert jedoch eher das Gebäude als solches. Der futuristische Bau aus Sichtbeton und Glas stammt von der Architektin Zaha Hadid. Schon die beinahe dreieckige Form ist ungewöhnlich. Zudem steht das etwa 15 m hohe Gebäude auf „Stelzen“. Die Stützpfeiler, die in eine Gewölbedecke übergehen, dienen gleichzeitig als Ladenlokale oder Cafes. So bietet sich unterhalb des Gebäudes eine großzügige überdachte Fläche. Gerade Wände scheint es nicht zu geben. Wir betreten das Gebäude durch die schräg stehende Glastür des Science Shop.

"Fließender Raum" – so hat die Architektin ihr Konzept genannt – die Umsetzung ist gelungen. Von der oberen Galerie aus betrachtet scheinen die Ebenen fließend ineinander überzugehen. Ungleich bzw. schräg eingesetzte Fenster unterstützen den Ansatz. Diese Art der Architektur ist mehr als ungewöhnlich passt jedoch hervorragend zum eigentlichen Zweck des Gebäudes, ein Science Center zu schaffen.

Hannover

Wer schon einmal in Hannover war, dem sind sicherlich schon einmal die drei bunt leuchtenden Nana-Figuren aufgefallen, die die Skulpturenmeile am Hohen Ufer schmücken. Als diese Skulpturen der Künstlerin Niki de Saint Phalle 1974 hier aufgestellt wurden, haben die drei üppigen Damen zunächst einen Kunstskandal ausgelöst. Heute sind sie ein Wahrzeichen der Stadt und Niki der Saint Phalle ist Ehrgenbürgerin der Stadt Hannover. Im Sprengel Museum sind an die 400 Kunstwerke zu sehen, die die Künstlerin der Stadt 2000 schenkte.

Skulpturen von Niki de Saint Phalle
Nana-Skulpturen von Niki de Saint Phalle

Herrenhäuser Gärten**

Obwohl wir schon häufiger in Hannover waren, haben wir es bislang nie geschafft, die Herrenhäuser Gärten – immerhin zwei Sterne in unserem Grünen Reiseführer Deutschland – zu besuchen. Nachdem wir nun gelesen haben, dass es im Großen Garten eine von Niki de Saint Phalle ausgestaltete Grotte gibt, wollen wir dies nicht länger aufschieben.

Herrenhäuser Gärten in Hannover
Herrenhäuser Gärten in Hannover

Die Königlichen Gärten Herrenhausen gelten als eine der schönsten Parkanlagen Europas. Die Parkanlage unterteilt sich in vier verschiedene Gartenanlagen, die durch die Herrenhäuser Allee miteinander verbunden sind.

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Großer Garten** – ein nahezu unveränderter 50 qm großer Barockgarten. 
- Berggarten* - einer der ältesten Botanischen Gärten Deutschlands mit größter Orchideensammlung Europas
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Georgengarten – romantischer Landschaftspark nach englischem Vorbild (19. Jh.).
Im Georgenpalais befindet sich das Wilhelm-Busch-Museum.
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Welfengarten mit Welfenschloss – heute Sitz der Universität Hannover.

 

Wir beschränken unseren Besuch auf den Großen Garten und steuern zielstrebig die Grotte an. Zur EXPO 2000 wurde diese restauriert und anschließend nach Plänen von Niki de Saint Phalle 2001 – 2003 ausgestaltet. Von Außen deuten lediglich die verspielten Fenstergitter und Türen auf die Kunst hin und lassen kaum vermuten, was uns im Innern erwartet.

Beim Betreten des achteckigen Eingangsraums werden wir von der glitzernden Kunst beinahe etwas überrascht. Unter dem Motto „Spiritualität“ winden sich spiralförmige Ornamente in Gold-/Rot-Tönen um eine Säule und gehen in Wellenlinien in das Deckengewölbe über. Besonders fasziniert uns der blaue Raum, der für „Nacht und Kosmos“ steht. Bunte Frauenfiguren tanzen in den nachtblauen Himmel und scheinen nach den Sternen zu greifen. Sehr schön ist auch der wasserspeiende Elefant. Der Spiegelraum tägt das Motto „Tag und Leben“ und ist mit über 40 bunten Relieffiguren ausgestaltet.

Grotte im Großen Garten der Herrenhäuser Gärten, gestaltet von Niki de Saint Phalle
Herrenhäuser Gärten - Grotte gestaltet von Niki de Saint Phalle

Niki de Saint Phalle starb bereits im Mai 2002 ohne die Vollendung ihres letzten Werkes gesehen zu haben. Wir sind von der Grotte ganz begeistert. Die Künstlerin hat eine ganz besondere Art, eine Traumwelt zu schaffen. Trotzdem wundert es uns nicht, dass diese Kunst nicht jedem gefällt. Insbesondere können wir einige ältere Herrschaften beobachten, die lediglich einen flüchtigen Blick hinein werfen.

Anschließend lustwandeln wir noch etwas durch den gepflegten Barockgarten. Eine Vielzahl von Skupturen und Statuen säumen die Wege. Ferner gibt es mehrere Fontänen und sogar einen Irrgarten zu sehen. Der Große Garten hat seine zwei Sterne zu Recht verdient.

Deutsche FachwerkstraßeWolfenbüttel**

Auf der Rückfahrt nach Berlin nehmen wir noch einen Umweg in Kauf, um uns Wolfenbüttel anzusehen. Ähnlich wie Quedlingburg und Wernigerode, die wir im Mai diesen Jahres besucht haben, liegt auch Wolfenbüttel an der Deutschen Fachwerkstraße. Über 600 liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser sind zu sehen. Besonders schöne Beispiele finden wir rund um den Stadtmarkt*.

Altstadt von Wolfenbüttel - Deutsche Fachwerkstraße
Altstadt von Wolfenbüttel

Sehenswert ist ebenfalls das Schloss mit seinem Renaissanceturm* und schöner Barockfassade. Im dazugehörigen Hofbeamtenhaus, das im Stil eines spätbarocken französischen Parkschlösschens erbaut wurde, hat Gotthold Ephraim Lessing während seiner Zeit als Hofbibliothekar gewohnt.

Parkschlösschen - Barockfassade
Parkschlösschen - Barockfassade

Im heutigen Lessinghaus ist ein Literaturmuseum zu seinen Gedenken untergebracht. Zu seinem Arbeitsplatz, der Herzog-August-Bibliothek, musste Lessing lediglich ein paar Schritte gehen. Im 17. Jh galt die Bibliothek als die bedeutenste Europas. Heute befindet hierin eine moderne Forschungsbibliothek von internationalem Rang mit einem Bestand von ca. 800. 000 Bänden, davon ca. 350. 000 Bände aus dem 15. bis 18. Jahrhundert.

Nach diesem kleinen Stadtrundgang geniessen wir noch Kaffee und Kuchen in einem kleinen Cafe am Stadtmarkt. Die Stadt ist unseres Erachtens zwar sehenswert, in diesem Fall können wir der Reiseführer Bewertung mit zwei Sternen jedoch nicht zusprechen.

Letzte Aktualisierung: September 2006 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker

Reiseführer
Grüner Reiseführer Deutschland - Michelin Guide VerdeWenn wir in Deutschland unterwegs sind, ist "Der grüne Reiseführer Deutschland", erschienen im Michelin Reise-Verlag, unser ständiger Begleiter. Das im Reisebericht verwendete *-System wurde hieraus übernommen.
Hinweis zum *-System:
*** ist eine Reise wert
** verdient einen Umweg
* besonders sehenswert