Mecklenburg-Vorpommern
Ostseeinsel Usedom
Ahlbeck – Swinemünde - Heringsdorf
Wolgast – Südspitze Gnitz – Zinnowitz - Peenemünde
Ückeritz - Greifswald - Klosteruine Eldena - Wieck
Es ist schon fast zur Tradition geworden, dass wir einmal im Jahr ein verlängertes Wochenende gemeinsam mit Ankes Eltern verbringen. In diesem Jahr haben wir uns hierfür Usedom ausgesucht. Von Berlin kommend benötigen wir mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden.
Das Stettiner Haff und der Peenestrom trennen Deutschlands zweitgrößte Insel vom Festland. Zwei als „Tore nach Usedom“ bekannte Orte verbinden die Insel mit dem Festland: das südlich gelegene Anklam sowie das nördlich gelegenen Wolgast, für das wir uns entscheiden. Im nördlich gelegenen, etwas ruhigeren Ort Karlshagen haben wir uns im Flair Hotel Nordkap eingemietet.
Das ursprüngliche Fischerdorf hat eine bewegte Geschichte. Nachdem Karlshagen 1885 ebenfalls zum Badeort wurde, stand das Badwesen ab 1936 zeitweise still, da im Rahmen der Peenemünder Heeresversuchanstalt Karlshagen Sperrgebiet wurde. Von der Militärarchitektur ist nicht mehr viel zu sehen. Trotzdem vermisst man den typischen Charme der Bäderarchitektur. Das Stadtbild wird geprägt von größeren Wohnkomplexen, die teilweise aus den Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates stammen sowie von vielen Ein- und Mehrfamilienhäusern.
Freitag, 15.04.2005 Ahlbeck – Swinemünde - Heringsdorf
Mit der Erkundung der Insel beginnen wir am nächsten Morgen in Ahlbeck, einem der schönsten und elegantesten Ferienorte auf der Insel Usedom. Zwischen 1890 und 1914 entstanden auf Usedom vier Kaiserbäder, zu denen auch Ahlbeck gehört. Viele Hotels, Pensionen und herrschaftliche Villen im Stile der um 1900 typischen Bäderarchitektur sind hier zu finden.

Ahlbecker Hof
Die meisten haben den Zweiten Weltkrieg zwar unversehrt überstanden, doch das anschließende DDR-Regime hat ihnen sehr zugesetzt. Inzwischen wurde der größte Teil aufwändig restauriert. Schöne Beispiele findet man u.a. in der Bismarckstraße, der Dünenstraße, der Goethestraße oder der Seestraße. Die verputzten Backsteingebäude sind häufig mit Türmchen, Erkern, Säulen und Balustraden geschmackvoll dekoriert. Zu DDR-Zeiten waren Schiffspartien auf der Ostsee untersagt, so dass auch keine Seebrücken benötigt wurden. Das Wahrzeichen Ahlbecks, die rund 280 m lange historische Seebrücke, wurde erst 1984 wieder hergestellt. Eine 10 km lange Promenade verbindet Ahlbeck mit den beiden ehemaligen Kaiserbädern Heringsdorf und Bansin.

Seebrücke in Ahlbeck
Die 445 qkm große Insel hat einen 38 km langen weißen Sandstrand, der von Karlshagen bis nach Ahlbeck reicht. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden 1945 im Rahmen des Potsdamer Abkommens 90,9 qkm Polen zugesprochen. Dazu gehört auch Swinemünde, das größte der vier ehemaligen Kaiserbäder.
Von Ahlbeck sind es nur ein paar Hundert Meter am Strand entlang bis zur polnischen Grenze. Der Grenzübergang ist problemlos - seit EU-Erweitung nur mit Personalausweis - möglich. Gleich hinter der Grenze liegt Swinemünde. Hier ist man bestens auf den Ausflugtourismus eingestellt. Einige Kilometer entlang der Hauptstraße zieht sich der so genannte Polenmarkt hin. Wir nehmen das Angebot eines der vielen Kutscher an und lassen uns für 10,00 EUR in einer Pferdekutsche zum Stadtzentrum bringen. Hier angekommen erinnert wenig an den ehemaligen Charme des Kaiserbades. Einige restaurierungsbedürftige Villen zeugen noch von der Vergangenheit. Der Zweite Weltkrieg, insbesondere der Bombenangriff der Alliierten vom 12. März 1945, bei dem Zehntausende ihr Leben lassen mussten, hat hier Spuren hinterlassen. Die Strandpromenade ist ziemlich herunter gekommen und wenig einladend. Entsprechend kurz fällt unser Besuch aus. Mit einem Taxi lassen wir uns zur Grenze zurück bringen (6,00 EUR). Von deutscher Seite fährt ein regelmäßiger Shuttle-Bus zurück nach Ahlbeck.
Nachdem wir einen kleinen Snack an der Promenade in Ahlbeck eingenommen haben bummeln wir an der Strandpromenade entlang. Schon aus der Ferne sehen wir die lange Seebrücke von Heringsdorf, mit 508 m die längste bewirtschaftete Brücke Kontinentaleuropas.

Seebrücke in Heringsdorf
Heringsdorf ist das vornehmste Seebad auf der Insel. Bereits im Jahre 1825 setzte der Badebetrieb in dem ehemaligen Fischerdorf ein und zog schnell die Berliner Elite an. Prominenteste Besucher aus Berlin waren die beiden Kaiser Friedrich III. und Wilhelm II., die dem Ort den Zusatz Kaiserbad verliehen. Viele luxuriöse Gebäude aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg sind noch (gut restauriert) erhalten und stehen unter Denkmalschutz.
Samstag, 16.04.2005 Wolgast – Südspitze Gnitz – Zinnowitz - Peenemünde
Heute fahren wir zunächst nach Wolgast. Bereits auf der Hinfahrt ist uns die als „Blaues Wunder“ bekannte Hebebühne, die Wolgast mit Usedom verbindet, aufgefallen. Nun sehen wir uns diese aus der Nähe an. Leider passiert gerade kein großes Schiff, so dass die Hebetechnik nicht zum Einsatz kommt.

Wolgast - Blaues Wunder
Wir parken in der Burgstraße. Einige barocke Kaufmannshäuser mit großen Lagerböden zeugen hier von der Glanzzeit der Stadt im 18. und 19. Jh.

Kaufmannshäuser in Wolgast
Zunächst erkunden wir den Stadthafen, wo das große Ziegelfachwerkhaus des 80m langen und 18m breiten Kornspeichers (siehe Ergänzung "Usedom im Winter" - Dezember 2006) auffällt. Das Gebäude (leider nicht zu besichtigen) besitzt drei Geschosse mit Ziegelausfachung sowie drei Dachböden mit je drei Fensterbändern. Da es sich bei diesem Teil des Hafens um sumpfiges Gelände handelt, wurde der 1836 erbaute Speicher auf 99 Eichenpfählen errichtet. Ein Umbau des derzeit leer stehenden Gebäudes in ein Einkaufs-Gastronomie-Zentrum ist geplant. Direkt dahinter liegt das große Gelände der Peene Werft.
Unser nächstes Ziel ist der Museumshafen, der auf der sogenannten Schlossinsel liegt. In der Hafenstraße stehen gut restaurierte Fachwerkspeicher. Von dem Schloss, das hier einst stand, gibt es nur noch ein paar Ruinen zu sehen.

Museumshafen in Wolgast
Über eine kleine Holzbrücke gehen wir weiter zum Rathausplatz, ein sehr schöner Marktplatz mitten im Zentrum der historischen Altstadt. Das barocke Rathaus wurde 1999 restauriert. Die Fassade wird von einer Uhr mit Turmreiter geschmückt.
An der höchsten Stelle der Altstadt steht die dreischiffige, gotische Backsteinkirche St. Petri (Ende 14. Jh.). Gerne möchten wir vom 56 m hohen Turm auf Wolgast blicken. Da die Kirche geschlossen ist, fragen wir im schräg gegenüber stehenden Pfarrhaus (Am Kirchplatz 6). Ohne Probleme werden wir eingelassen und für eine halbe Stunde in die Kirche eingeschlossen.

Backsteinkirche St. Petri
Die Turmbesteigung (184 Stufen) ist sehr lohnenswert und bietet einen schönen Ausblick auf die Altstadt von Wolgast, den Peenestrom, die Peene-Werft und die Insel Usedom. Uns bleibt noch etwas Zeit für eine Besichtigung des Kirchenraums. Hier fällt uns der aus 22 Bildern bestehende Bilderzyklus „Der Totentanz“ auf, eine Nachahmung des Holbeinschen Totentanzes. Die Darstellungen sind sehr lebendig und zeugen von einem grimmigen Humor. Nachdem wir einen kleinen Obolus entrichtet haben, verlassen wir die Kirche und beenden unseren Stadtrundgang. Ähnlich wie in vielen ostdeutschen Kleinstädten ist in der Altstadt viel restauriert worden, die an den Stadträndern liegenden Einkaufszentren lassen die Innenstädte aber leider ziemlich veröden.

Blick auf Wolgast
Zurück auf Usedom fahren wir (bei Zinnowitz) zur Südspitze Gnitz. Diese Halbinsel teilt Achternwasser von der Krumminer Wiek und ist seit 1994 Naturschutzgebiet. Hinter dem Dorf Lütow parken wir unser Auto und folgen dem kleinen Wanderweg durch die reizvolle Landschaft. Am Strand entlang umrunden wir die Halbinsel. Viele Vögel sind hier ansässig. Auf dem ruhigen Peenestrom schwimmen Schwäne. Fischer leeren vom Boot aus die Fischreusen. Nun wird die Küste steiler und wir erklimmen den rund 30 Meter hohen Weißen Berg. Von der Steilküste hat man einen sehr schönen Blick auf das auf das Krumminer Wiek und das dahinter liegende Festland. Durch den Wald gehen wir zurück zum Auto.

Südspitze Gnitz
Ein kleines, uriges Gartenlokal lädt uns zu einer Rast ein. Gleichzeitig dient dieses als Schauraum für die selbst hergestellten Produkte. Ein auf der Wiese grasendes Schaf ist anscheinend der Wolllieferant.
Zinnowitz zählt zwar nicht zu den Kaiserbädern, doch einen Besuch ist es allemal wert. Aus dem ehemaligen Fischerdorf hat sich im 19. Jh. ebenfalls ein schönes Seebad entwickelt. Die 1993 vollendete Vineta-Seebrücke ragt rund 300 m in die Ostsee hinaus. Im vom Reiseführer empfohlenen Cafe Wien bestellen wir uns – zu überhöhten Preisen – Kaffee und Kuchen. Das im Stil eines Wiener Kaffeehauses eingerichtete Cafe ist im zweiten Stock eines Neubaus untergebracht. Das einzig reizvolle ist der schöne Blick auf die Küste.
Heeresversuchsanstalt Peenemünde
Dennoch gestärkt fahren wir an die Nordspitze der Insel. Im Hafen von Peenemünde liegt ein russisches, 86 Meter langes U-Boot, das nun als Museumsschiff dient. Doch zum einen finden wir den Eintritt zu hoch, zum anderen möchten wir das Historisch-Technische Informationszentrum besichtigen, das im ehemaligen Kraftwerk (www.peenemuende.de) untergebracht ist.

U-Boot in Peenemünde
Mit dem Bau der Heeresversuchsanstalt Peenemünde wurde im August 1936 begonnen. Das kleine idyllisch gelegene Fischerdorf Peenemünde hörte quasi auf zu existieren. Bis 1940 zogen alle Einwohner aus Peenemünde weg und das Dorf wurde fast vollständig abgerissen. Der gesamte Nordteil Usedoms (eine Fläche von 25 qkm) wurde abgeriegelt und mit großem Aufwand und Tempo wurde die moderne Versuchsanstalt gebaut.

Heeresversuchsanstalt in Peenemünde
Bis zum Ende des Jahres 1936 entstanden mehrere Arbeitslager, der Gleisanschluss an die Reichsbahnstation Zinnowitz und die Landstraße nach Karlshagen, wo zeitgleich eine neue Siedlung entstand. Wichtigste Voraussetzung für die Verwirklichung des Raketenprogramms war der Bau des Kraftwerkes, für das man das Gelände am Peenemünder Mühlensee auswählte, da dort ausreichend Kühlwasser durch die Peene vorhanden war. Der für die Erprobung und die Starts der Raketen benötigte flüssige Sauerstoff wurde in einem eigens errichteten Flüssig-Sauerstoffwerk hergestellt. Auch der erste Überschall-Windkanal der Welt wurde hier installiert.1939 wurden die Bauten der Heeresversuchsstelle, das Verwaltungsgebäude und das Gebäude für die Flugleitung der Luftwaffe fertiggestellt. Nun konnte mit der Entwicklung und Erprobung neuartiger Waffen, darunter die Flugbombe Fi 103 und die Rakete Aggregat 4 (A4), die als „Vergeltungswaffen“ V1 und V2 bekannt wurden, begonnen werden. Gleichzeitig gilt Peenemünde als Geburtsort der Raumfahrt (www.raumfahrtgeschichte.de), denn bereits am 3. Oktober 1942 durchstieß als erste Rakete die A4 die Atmosphäre.

A4 Rakete
Als die Versuchsanlage entdeckt wurde und im August 1943 die ersten Fliegerangriffe stattfanden, war ein großer Teil der Technik bereits nach Nordhausen (Konzentrationslager Dora im Harz) geschafft worden, wo im Herbst 1943 mit der Serienfertigung der A4-Raketen begonnen wurde. Tausende Deutsche Techniker und Heeresmitglieder überwachten die Arbeit der 40.000 Gefangenen, die unter Tage in einem über 100.000 qkm großen unterirdischen Bau in Dunkelheit und bei schlechter Versorgung die V2 montierten. Im Februar 1944 verließen die ersten V2 die Fertigungsstätte der sogenannte "Mittelwerk GmbH" in Nordhausen. Letztendlich wurden bis Kriegsende fast 6.000 V2 gebaut und ein großer Teil davon auch abgefeuert.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Peenemünde zur russischen Zone erklärt. Kurz zuvor wurde die Operation Overcast durchgeführt und der Ultraschall-Windkanal 400t Raketenteile und Raketen sowie 118 Wissenschaftler und ihre Familien in die USA verschifft. Peenemünde blieb bis 1990 ein Militärstützpunkt und erst seit der Einheit ist der Norden Usedoms wieder zugänglich.
Das Militärmuseum informiert in einer sehr interessanten Ausstellung über Peenemündes bewegte Geschichte. Auf dem Freigelände sind originalgetreue Modelle der V1 und V2-Raketen sowie u.a. einige Jagdflugzeuge und Propellermaschinen zu sehen. Sehr anschaulich ist eine Tafel, auf der sämtliche Gebäude der Heeresversuchsanstalt dargestellt sind. Im Hafen ist ein Raketenschiff zu besichtigen.
Sonntag, 17.04.2005 Pudalga – Benz – Dargen - Bansin
Heute wollen wir das sogenannte "Hinterland" Usedoms erkunden. Hier findet man dörfliche Strukturen, unbebaute Landschaft und viel Natur. Die reizvolle hügelige Seenlandschaft im Südosten der Insel ist als Usedomer Schweiz bekannt. Unser erstes Ziel ist die gut erhaltene Bockwindmühle in Pudalga, die leider nicht zu besichtigen ist.

Bockwindmühle in Pudalga
Mehr Glück haben wir in Benz, wo es eine Holländermühle aus dem Jahre 1830 gibt. Diese wurde bis 1971 betrieben und ist in einem sehr guten Zustand. Mit etwas Glück kann man hier selbstgebackenes Brot aus dem draußen stehenden Backofen genießen.

Benz - Holländermühle
In dem nebenstehenden Gebäude wird Handwerkskunst aus der Region angeboten. In der St. Petri-Kirche findet gerade ein Gottesdienst statt, daher sehen wir uns diese nur von Außen an. Im Inneren soll es ein sehenswertes Deckengewölbe mit 135 Sternenbilder geben, das Gold, Weiß und Blau leuchtet.
Auch das Wasserschloss von Mellenthin betrachten wir nur von Außen. Der schöne Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert beherbergt ein Hotel.
Unser nächsten Ziel ist Dargen, wo wir das Technik- und Zweiradmuseum besichtigen. Neben einer Vielzahl restaurierter und nicht restaurierter DDR-Fahrzeuge, werden auf dem Gelände der ehemaligen Bäuerlichen Handelsgenossenschaft ebenfalls Konsumgüter und Haushaltgegenstände aus der DDR-Zeit gezeigt (www.museum-dargen.de).
Technik- und Zweiradmuseum Dragen
Die gesamte Ausstellung wirkt zwar etwas provisorisch und eher wie eine Anhäufung an Objekten. Doch ein paar sehr schöne Ausstellungstücke, wie beispielsweise ein Zeltaufbau für einen Trabi oder diverse Camping-Ausrüstungen geben einen schönen Einblick in das Leben der Menschen der ehemaligen DDR.
Nun fahren wir zum Golm, mit 59 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg der Insel Usedom. Die Endmoräne des Golm mit dem ältesten Buchenwald Usedoms wurde bereits 1967 zum 25 ha großen Naturschutzgebiet erklärt. Aufgrund seiner Schönheit war der Golm schon lange ein beliebtes Ausflugsziel der Swinemünder, bereits 1834 wurde ein Pavillon im griechischen Stil errichtet.

Golm
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Swinemünde rettender Hafen für viele aus dem Osten vor der Roten Armee flüchtende Menschen. Endlose Trecks warteten östlich der Swine auf die Möglichkeit einer Überfahrt. Als gegen Mittag des 12. März 1945 die Alliierten die Stadt bombardierten, halten sich etwa 70.000 – 100.000 Menschen an der Swinemündung auf, darunter viele Frauen und Kinder. Aufgrund der Seuchengefahr wurden die etwa 20.000 Opfer mit Pferde- und Lastkraftwagen zum Golm gebracht und hier in Sammelgräbern begraben werden. So wurde das einst beliebte Ausflugziel zu einem der größten Kriegsgräberfriedhof Deutschlands. Seit Kriegsende verläuft am Fuße des Golm (Torfgraben) die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen.

Golm
Von diesem Ort des Schreckens müssen wir uns erst einmal erholen. Im nahe gelegenen Fischerdorf Kamminke stärken wir uns im Gasthaus Haffblick. In diesem Ort nahe der polnischen Grenze scheint die Zeit stillzustehen.
Bevor wir die Heimfahrt nach Berlin antreten gilt noch ein letzter Besuch dem kleinsten und jüngsten (1897 eröffnet) Kaiserbad Bansin. Es ist das unbekanntere, aber nicht weniger schöne Seebad der eleganten Seebäderkette auf Usedom. Das Ortsbild des Seebads Bansin ist ebenfalls von imposanten kaiserzeitlichen Villen der Jahrhundertwende geprägt, sehr schöne Beispiele findet man in der Bergstraße. Und natürlich hat Bansin auch eine Seebrücke, auf der man 285 Meter weit aufs Meer hinausspazieren kann. Im Cafe Marimar stärken wir uns mit Kaffee und Kuchen (sehr empfehlenswert). Nun heißt es Abschied nehmen.

Bansin
Leider reichte das verlängerte Wochenende nur für einen kleinen Eindruck der schönen und vielseitigen Insel Usedom. Ohne weiteres könnten wir uns vorstellen, hier ein bis zwei Wochen zu verbringen. Die Insel ist ausgesprochen abwechslungsreich und lädt zum Fahrrad fahren und wandern genauso ein, wie zum Sonnenbaden. Und natürlich gibt es noch eine Menge zu entdecken, wie beispielsweise die Salzhütten von Koserow, das Technische Denkmal der Eisenbahnhubbrücke in Karnin und vieles mehr...
Usedom im Winter
Eine erholsame Woche zum Jahresausklang 2006
Während das ganze Land am 23.12.2006 in Weihnachtshektik zu versinken scheint, machen wir uns ganz gemütlich auf nach Usedom, wo wir uns für eine knappe Woche eine Ferienwohnung gemietet haben. Wir fahren über Wolgast. Als wir den Stadthafen durchqueren, fällt uns auf, dass das große Ziegelfachwerkhaus des ehemaligen Kornspeichers, das wir uns bei unserem Besuch am 15. April 2005 angesehen (siehe oben) haben, inzwischen abgerissen wurde. Demnach wurde der seinerzeit geplante Umbau in ein Einkaufs-Gastronomie-Zentrum nicht umgesetzt.
Auf der Suche nach etwas Ruhe haben wir uns den kleinen Badeort Ückeritz ausgesucht. Das historische Fischerdorf hat gerade einmal 1.000 Einwohner und liegt an einer der schmalsten Inselstellen am Achterwasser. Zum Ostseestrand, wo sich das angemietete Appartment befindet, führt eine 1,5 km lange Straße durch dichten Buchen- und Kiefernwald. Die Ferienanlage Dünenhäuser Nautic liegt direkt hinter den Dünen. Von unserem Appartement im oberen Stockwerk blicken wir auf die Ostsee. Ausgestattet mit Sauna und Kamin finden wir hier tatsächlich die erhoffte Entspannung, auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielen will. Doch lange Strandspaziergänge kann man auch ohne Sonne machen und vom Regen bleiben wir glücklicherweise weitestgehend verschont. So verbringen wir unsere Tage mit kleinen Ausflügen in die nähere Umgebung und freuen uns auf das allabendliche Kaminfeuer und die Saunagänge. Zugegebenermaßen nutzen wir den Kamin nicht, um die Wohnung warm zu bekommen, denn dass ist bei den derzeitigen Außentemperaturen von 10 bis 15 Grad Celsius und der gut funktionierenden Fußbodenheizung nicht wirklich erforderlich. Am zweiten Abend entdecken wir dann, wie gut es tut, sich nach der Sauna in der Ostsee abzukühlen. Künftig sieht man jeden Abend zwei Gestalten eingehüllt in Bademäntel durch die Dünen in die etwa 100 m entfernte Ostsee laufen. Ein tolles Erlebnis!
Zur Abwechslung von Strand und dichten Buchen- und Kiefernwäldern bietet sich ein Ausflug nach Bansin an. Das Kaiserbad, das nur 8 km von Ückeritz entfernt liegt, ist uns noch von unserem Kurzurlaub im April 2005 in guter Erinnerung.
Der kleine Ort Koserow liegt ebenfalls nur wenige Kilometer von Ückeritz entfernt und ist bekannt wegen seiner Salzhütten. Um 1820 entstanden die ersten reetgedeckten Lagerhütten am westlichen Strand, von denen es um 1900 noch 15 gab. Heute sind sechs rekonstruierte Hütten zu sehen, die von den ansässigen Fischern genutzt werden. Auch eine Gaststätte und ein Souvenirgeschäft sind in den denkmalgeschützten Hütten untergebracht. Im Winter gibt es hier allerdings nicht viel zu sehen, denn die Hütten sind geschlossen.
Insgesamt ist es über die Weihnachtsfeiertage recht ruhig auf der Insel. Ein Ansturm wird noch zu Silvester erwartet, aber dann sind wir schon wieder weg.
Sehr gut gefällt uns auch eine kleine Wanderung um den Wolgastsee. Dieser wird vom Ahlbecker Forst eingerahmt und liegt direkt an der polnischen Grenze. Ausgangspunkt ist die der Wanderparkplatz in der kleinen Stadt Korswandt. Nachdem wir den See fast umrundet haben (etwa 3,5 km) folgen wir einem weiteren Wanderweg durch den Ahlbecker Forst auf den Zinnowberg (etwa 2,5 km entfernt). Bei schönem Wetter muss man vom Aussichtsturm eine fantastische Aussicht haben, wovon wir leider nicht berichten können. Doch auch die leicht diesige Stimmung hat ihren Reiz.
Ein weiteres Highlight ist ein Ausflug nach Greifswald.
Greifswald* - Klosteruine Eldena - Wieck
Die alte Hansestadt Greifswald* liegt ca. 50 km entfernt, für die Fahrt über Landstraßen braucht man etwa eine Stunde Fahrzeit.
Vor der Stadt liegt die Klosterruine Eldena*. Die malerische Ruine des ehemaligen Zisterzienserklosters wurde bekannt, nachdem Caspar David Friedrich diese zu einem Hauptmotiv seines Schaffens machte. Während des 30jährigen Krieges wurde die Klosteranlage schwer verwüstet und diente später als Steinbruch. Erhalten sind heute noch Teile der Kirche, des Kreuzgangs und des östlichen Klostergebäudes.

Klosterruine Eldena
Nahe der Ruine an der der Mündung des Flusses Ryck in den Greifswalder Bodden liegt das unter Denkmalschutz gestellte Fischerdorf Wieck*. Sehr schön ist der idyllische Hafen und die Hölzerne Zugbrücke. Hierbei handelt es sich um ein technisches Denkmal das aus dem Jahre 1887 stammt und noch heute von Hand bedient wird. Bei einem Rundgang durch das kleine Dorf sehen wir einige sehr schöne und gut erhaltene rohrgedeckte Fischerhäuser.

Fischerdorf Wieck - Zugbrücke
In Greifswald* angekommen parken wir in der Altstadt im Parkhaus am Pommerschen Landesmuseum. Greifswald blieb von einer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg verschont und hat eine beachtliche alte Bausubstanz zu bieten. Teile der ehemaligen Stadtmauer sowie der Wallanlagen mit Wallgraben sind ebenfalls noch erhalten.
Zunächst erreichen wir den historischen Marktplatz. Der großzügige Platz wird von schönen Giebelhäusern in norddeutscher Backsteingotik eingerahmt. Die beiden prächtigen backsteinernen Giebelhäuser an der Ostseite des Markplatzes, Markt 11 und Markt 13, stammen noch aus der Hansezeit. Sie zählen zu den schönsten und ältesten Häusern der Stadt. Üppige Ornamentik, zahlreiche glasierte Schmucksteine und Blenden zieren die feingliedrige Fassade und den Staffelgiebel des Wohnspeicherhauses am Markt 11. Das Gebäude wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet.

Giebelhäuser am Marktplatz
Auf der Westseite des Marktplatzes befindet sich das auffällige Gebäude der Ratsapotheke aus dem 15. Jahrhundert. Unmittelbar neben der Ratsapotheke vor dem Hintergrund von Bürgerhäusern und dem gewaltigen Turm von St. Nikolai dominiert das Rathaus den Platz. Der Giebel ist im Renaissancestil gestaltet und wird von einem barocken Dachreiter gekrönt. Sehr schön sind die mittelalterlichen Arkaden in denen sich heute die Greifswalder Touristeninformation befindet.
Der Dom St. Nikolai ist mit seinem fast 100 m hohen Turm zu einem Greifswalder Wahrzeichen geworden. Mit dem Bau der Kirche wurde schon um 1250 begonnen. Es entstand eine dreischiffige gotische Hallenkirche. Die Backsteinkirche trägt Spuren verschiedener baulicher Entwicklungsstufen, ihre heutige Gestalt wurde im wesentlichen im 14. Jahrhundert konzipiert. In der Romantik erfolgte eine Neugestaltung der Innenräume durch den Schinkel-Schüler Johann Gottlieb Giese. Die Holzarbeiten - Altarbrüstung, Kanzel und Orgelprospekt schuf der Kunsttischler Christian Friedrich, Bruder des berühmten Malers. In den 70er Jahren wurde mit der Restaurierung und Neugestaltung des alten Backsteinbaus begonnen. Bemerkenswert sind die spätgotischen Wandmalereien, die während der Bauarbeiten freigelegt wurden.
Greifswald ist die Geburtsstadt des romantischen Malers Caspar David Friedrichs (geb 1774). Sein Geburtshaus, das Anfang des 20. Jahrhunderts bei einem Brand zerstört wurde, befand sich ganz in der Nähe vom Dom in der Langen Straße 57, woran heute eine Gedenktafel am Haus erinnert. Die Seifensiederei der Eltern Friedrichs, in der Turmgasse gelegen, wurde sorgfältig saniert. Heute befindet sich hier das Caspar-David-Friedrich-Zentrum, das Einblick in Leben und Werk des Künstlers gibt. Originäre Räume der väterlichen Lichtgießerei und eine Seifensiederei-Schauwerkstadt gibt es ebenfalls zu sehen. Bei unserem Besuch war das Museum leider geschlossen.
Die mächtige Marienkirche befindet sich im vermutlich ältesten Teil der Greifswalder Innenstadt und ist ein schönes Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Der Turm wirkt im Vergleich zum gewaltigen Ziegeldach niedrig und wuchtig. Leider ist die Kirche ebenfalls geschlossen, so können wir uns nicht die schöne Kanzel ansehen, die mit Intarsien und Schnitzereien reich verzierte sein soll.
Greifswald ist auch bei Seglern sehr beliebt. Im kleinen Museumshafen an der Ryck sind ein paar alte Segelschiffe zu bewundern. Hier steht auch der Fangenturm von 1329, ein letztes Zeugnis der städtischen Befestigungsanlagen am Ryck. Er hatte ursprünglich vier Geschosse und ein kegelförmiges Dach. Der Turm diente von 1774 bis 1825 als Sternwarte. Heute wird der Fangenturm vom Hafenmeister des Museumshafens genutzt.

Museumshafen Greifswald
Stolz ist die Stadt auf ihre Gemäldegalerie im Pommersches Landesmuseum, die mit Werken aus dem 17. bis 20 Jahrhunderts gut bestückt ist. Darunter natürlich auch einige Werke von Caspar David Friedrich. Von einer Besichtigung sehen wir ab. An die Ausstellung "Wolkenbilder. Die Entdeckung des Himmels" in der Alten Nationalgalerie in Berlin können wir uns noch gut erinnern. Hier durften wir einige schöne Werke von Casper David Friedrich bewundern.
Die sechs Tage auf Usedom gingen mal wieder viel zu schnell herum, doch die Erholung hat uns sehr gut getan. Ohne weiteres könnten wir hier noch ein bis zwei Wochen in gleichem Rhytmus verbringen.
Auf dem Rückweg nach Berlin legen wir einen Stopp in Anklam ein, um das Otto-Lilienthal-Museum zu besichtigen. Der berühmte Flugpionier Otto Lilienthal wurde hier 1848 geboren und hat seine ersten Flugversuche durchgeführt. Das Museum gibt einen sehr schönen Einblick in sein Lebenswerk, das ihm leider schon sehr früh den Tod brachte, als er 1896 bei einem Routineflug tödlich verunglückte. Eine sehr gut gemachte Ausstellung die wir sehr empfehlen können. Es sind eine Menge alter Flugobjekte zu sehen
Letzte Aktualisierung: Januar 2007 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker
| Reiseführer | |
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Für die Erkundung der Ostseeinsel Usedom können wir den Marco Polo-Reiseführer mit Reiseatlas und Insider-Tipps sehr empfehlen. Ein handlicher Reiseführer mit vielen Informationen. | Wenn wir in Deutschland unterwegs sind, ist "Der grüne Reiseführer ", erschienen im Michelin Reise-Verlag, unser ständiger Begleiter. Das im Reisebericht verwendete *-System wurde hieraus übernommen. |


