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Baltikum-Rundreise

Estland

Estland


Estland-Karte Fläche : 45.227 qkm
Grenzlänge: 633 km
Küstenlänge: 3.794 km
Einwohner: 1,43 Mio.
Hauptstadt: Tallinn
415.000 Ew.
Währung: Krone (EEK),
1 € = 15,65 EEK
Regierungsform: parlamentarisch-demokratische Republik

 

Montag, 30.05.2005 Estland – Pärnu – Muhu - Saaremaa

Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgezeichneten Frühstück fahren wir heute nach Estland. Kurz hinter Ainazi überqueren wir über die lettisch-estische Grenze – auch hier ohne Probleme. Allerdings müssen wir diesmal zusätzlich die Fahrzeugpapiere vorzeigen.

Weiter geht es nach Pärnu, ein 750 Jahre alter kleiner Kur- und Urlaubsort, beliebt wegen seines sieben Kilometer langen Sandstrandes. Bei der Durchfahrt fallen uns ein paar nette Holzhäuser und Jugendstilvillen auf.

Von Virtsu wollen wir mit der Fähre auf die Inseln Muhu und Saaremaa übersetzen. Als wir ankommen ist diese leider gerade abgefahren, so dass wir zwei Stunden totzuschlagen haben. Wir fahren in einen kleinen Weg, der uns zu einem Windpark führt. Drei Windräder stehen hier direkt an der Küste nebeneinander. Mit Blick auf die nur wenige Kilometer entfernt liegende Insel Muhu und einem kleinen Picknick vertreiben wir uns die Zeit. Die Überfahrt (ca. 10,00 € für 2 Pers. im Pkw – in der Hauptsaison fährt die Fähre stündlich) dauert etwa eine halbe Stunde.

Auf Muhu besichtigen wir zunächst die kleine Siedlung Koguva, ein Museumsdorf mit reetgedeckten Stein-Bauernhäuser. Obwohl 84 Höfe bewohnt sind (es werden Zimmer vermietet), scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Von Fortschritt keine Spur. Wir schlendern über die Dorfstraße entlang an kleinen Steinmauern und moosbewachsenen Häusern und fühlen uns um Jahrzehnte zurückversetzt.

Muhu - Koguva, ein Museumsdorf
Koguva Museumsdorf

Über eine Brücke erreichen wir Saaremaa, die größte Insel Estlands.

Bevor wir zur Inselhauptstadt fahren, legen wir noch einen kurzen Abstecher in den Norden ein. In Karja gibt es eine alte Steinkirche aus dem 13. Jh. zu sehen, die u. E. aber nicht unbedingt den Abstecher wert ist. Ebenso sind die fünf hölzernen Windmühlen von Angla allenfalls aus fotografischen Aspekten sehenswert.

Saaremaa - Meteoriten-Krater-Feld von Kaal
Meteoriten-Krater-Feld von Kaali

Spannend finden wir hingegen das 4.000 Jahre alte Meteoriten-Krater-Feld von Kaali. Der größte Krater hat einen Durchmesser von etwa 110m und ist gut als solcher zu erkennen. In der Mitte hat sich ein kleiner grüner Kratersee gebildet, der je nach Regenfall bis zu 6m tief ist.

In Kuressaare finden wir ein einfaches, wenig charmantes Hotel (Repo Vallina, 750 Kronen = € 48/Nacht).

Bei einem späteren Stadtbummel müssen wir feststellen, dass es auch etwas nettere Hotels gibt, so z.B. das Hotel Vanalima, in dessen Hotelrestaurant wir zu Abend essen.

Im Stadtzentrum findet man noch eine Menge alter, gut erhaltener Stein- und Holzhäuser. Zu erwähnen ist das Weigh Haus von 1633 mit einem stufigen Giebel. In der Nähe steht eine weiße Kirche, die insbesondere durch ihren einem Leuchtturm ähnelnden Kirchturm auffällt. An der russisch-orthodoxen St. Nicholas Kirche vorbei erreichen wir die stattliche Bischofsburg.

Saaremaa - Kuressaare
Bischofsburg

Diese ist umgeben von einem Wassergraben sowie einer dicken Befestigungsmauser. Über eine Brücke gelangt man zur monumentalen, gut erhaltenen Burg. Die quadratisch angelegte Burg wirkt mit ihren 20m hohen Mauern und zwei Türmen unbesiegbar. zurueck

 

Dienstag, 31.05.2005 Tallinn

Das schlechte Wetter hat uns nun leider doch noch erreicht. Für eine Erkundung des Vilsandi Nationalparks im Westen der Insel ist es heute wenig einladend, so dass wir uns direkt aufmachen nach Tallinn. Auf der Inseldurchfahrtsstraße reiht sich eine Baustelle an die nächste. Mit viel Glück erreichen wir noch die Fähre um 10 Uhr.

In Tallinn angekommen fahren wir direkt in die Altstadt zum Visu-Stadttor. Da die Altstadt nur eingeschränkt befahrbar ist, parken wir, um zu Fuß nach einem Hotel zu suchen. Heute ist dies kein Problem, erst am kommenden Wochenende ist die Stadt aufgrund des jährlich am 1. Juni-Wochenende stattfindenden Old Town Festivals ausgebucht. Das Vana Wiru Hotel liegt nahe der Klosteranlage und hat einen Parkplatz, den wir aber nur mit einer vom Hotel ausgehändigten Wegbeschreibung durch das Einbahnstraßengewirr erreichen. Das ***Hotel ist (110,00 €/DZ) für Tallinner Verhältnisse und der zentralen, ruhigen Altstadtlage eher günstig und durchaus empfehlenswert.

Tallinn - Stadtmauer
Tallinn Stadtmauer

UNESCO WeltkulturerbeDie Altstadt von Tallinn wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkultuerbe erklärt. Hier fühlt man sich beinahe ins Mittelalter zurück versetzt. Eine teilweise noch gut erhaltene Stadtmauer mit vielen Türmen umgibt den Kern. Haupteingang war früher das Stadttor Viru aus dem 15. Jh., wo wir unseren Rundgang beginnen. Wir halten uns direkt rechts und gehen ein Stück entlang der Stadtmauer, vorbei an Verkaufsständen mit regionalen Handarbeiten. Links biegen wir in die Katariina Passage, die direkt an die Klosteranlage grenzt. Hier bieten Kunsthandwerker in netten Ladenlokalen ihre Erzeugnisse an.

Das 1246 gegründete gotische Kloster – das älteste erhaltene Gebäude der Stadt – ist leider nicht zugänglich. Wir überqueren den Rathausplatz. An der Ecke befindet sich Europas älteste Apotheke. Die Raeapteek wurde 1422 eröffnet und ist nach fast 600 Jahren immer noch in Betrieb. Wir erreichen die Heilige Geist Kirche (15. Jh.), sehenswert ist die schöne an der Fassade angebrachte Uhr. Gegenüber steht die Große Gildehalle aus dem 15. Jh., die jedoch lange nicht so dekorativ ist wie selbige in Riga.

Talinn
Altstadt von Tallinn

Im Beer House, einer Brauerei inmitten der Altstadt, legen wir eine kleine Siesta ein. Zu einem kleinen typischen Snack schmeckt das dunkle Gebräu hervorragend.

In der Pikk-Straße setzen wir den Rundgang fort. Hier steht das Haus der Bruderschaft der Schwarzköpfe aus dem 16. Jh. Es ist das einzige Renaissance-Gebäude in Tallinn und hat sehr schöne Türverzierungen. Die Straße endet am Großen Küstentor aus dem 16. Jh. Der ehemalige Kanonenturm “Fette Margarete“ hat vier Meter dicke Außenwände und wurde früher als Gefängnis genutzt. Linker Hand liegt die St. Olaf Kirche aus dem 13. Jh. Beeindruckend ist der zwar karg ausgestattete, durch seine Höhe von 159 Metern jedoch sehr beeindruckende Innenraum. Direkt dahinter stehen drei als „Drei Schwestern“ bekannte typische Warenhäuser aus dem 14. Jh., die ein Design Museum und ein teures Hotel beherbergen.

Tallinn - Three Sisters
Tallinn - Three Sisters

Die ursprünglich vier Kilometer lange Stadtmauer war drei Meter dick, 16 Meter hoch und mit insgesamt 46 Türmen ausgestattet. Hiervon sind heute noch 26 Türme auf einer Mauerlänge von zwei Kilometern zu sehen. Von der Lai-Straße biegen wir rechts in die Aida-Straße ab und sehen ein Stück der gut erhaltenen Mauer mit neun unterschiedlichen Türmen. Anschließend erreichen wir das Langbein-Stadttor (14. Jh.), das seinerzeit genutzt wurde, um die besser gestellten Bürger vom Fußvolk zu trennen. Dieses passierend erreichen wir den Burgberg Toompea und sehen schon von weitem die geschmückten Türme der russisch-orthodoxen Alexander Nevski-Kathedrale. Wir gehen rechter Hand vorbei und gelangen zu zwei Aussichtsplattformen, die einen schönen Blick auf die von der Stadtmauer eingerahmten Altstadt. Im Hintergrund sieht man den Hafen von Tallinn.

 

Talinn - Alexander Levski-Kathedrale

Einen Blick werfen wir in die Domkirche. Bemerkenswert ist, dass es keine einzelnen Bankreihen gibt, sondern Kabinen, in denen jeweils eine Familie Platz nimmt.

Gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche liegt die pinkfarbene Toompea-Burg aus dem 13. Jh., die auf einer Höhe von 50m über N.N. liegt. In der nordwestlichen Ecke überragt der 48m hohe Hermann-Turm die Burg.

Über den Lühike jalg verlassen wir den Burgberg und passieren einen Teil der Stadtmauer, der einen hölzernen Vorbau besitzt. In diesen als Jungfrauenturm bekannten Vorbau wurden Prostituierte eingesperrt. Heute ist hierin ein Pub untergebracht.

Als wir an der St. Nicholas Kirche (13. Jh.) vorbei kommen, hat diese bereits geschlossen. Zudem fängt es an zu regnen, so dass wir zielstrebig den Rathausplatz ansteuern und im Cafe Rossini einen Kaffee trinken. Leider regnet es sich ein. Schade, dass wir den aus unserer Sicht schönsten Platz des Baltikums nicht richtig genießen können. Der Platz wird dominiert von dem hohen Rathaus. Um den Platz reihen sich viele schön restaurierte Häuser.

Angesichts des Regens beenden wir unseren Rundgang und ziehen uns ins Hotelzimmer zurück. Abends wagen wir nur noch den kurzen Weg zum Restaurant Klosostri Art. Ein offensichtlich ziemlich angesagtes und entsprechend gefüllter Italiener mit ganz passabler Küche. zurueck

Mittwoch, 1.6.2005 Tallinn – Lahemaa Nationalpark - Tartu

Eine Wetterbesserung ist nicht in Sicht. In Tallinn fahren wir zum Kadriorg Palast, dem Sommerpalast Peter des Großen. Ein Barockbau aus dem frühen 18. Jh., in dem heute das estische Kunstmuseum untergebracht ist. Von einem Spaziergang durch die einladend wirkende Parkanlage nehmen wir angesichts des regnerischen Wetters Abstand.

Lahemaa Nationalpark

 

Ganz im Norden Estlands, nicht allzu weit von Tallinn entfernt, liegt der Lahemaa Nationalpark. Das „Land der Buchten“, wie Lahemaa übersetzt heißt, hat eine schöne Küstenlandschaft mit vier Halbinseln, die kleine Buchten bilden. Unser Ziel ist Käsnu. Aus der Eiszeit stammend findet man hier im Wasser und im Wald eine große Ansammlung großer Felsbrocken. Wir folgen einem kurzen Rundweg, der zunächst an der Küste entlang führt und später durch den vermoosten Wald. Wieder einmal stellen wir fest, dass es die Esten mit stringenten Wegmarkierungen offensichtlich nicht zu genau nehmen. Der auf der Karte gelb eingezeichnete Pfad wird mit grünen Markierungen in den Wald geführt. Erfreulicherweise ist es momentan trocken, so dass der kurze Spaziergang über den saftig grünen, moosbewachsenen Waldboden Spaß macht. Überall ragen Felsbrocken heraus und verleihen dem Wald eine mystische Stimmung.

Die Regenpause ist schnell vorbei. Wir verlassen den Nationalpark und fahren weiter nach Tartu, die älteste Universitätsstadt des Baltikums (370 Jahre alt). Bevor wir unsere kurze Stadtbesichtigung beginnen müssen wir zunächst ein Parkautomatproblem lösen.

Tartu, die älteste Universitätsstadt des Baltikums

Aufgrund der Währungseinheit (1€ = 15 EEK) haben wir bislang keine Münzen bekommen, welche fürs Parken aber von uns abverlangt werden. Freundlicherweise wird uns in einem Buchladen – auch ohne sprachliche Verständigungsmöglichkeit – eine Banknote in Münzen eingetauscht. Der Stadtrundgang durch die 100.000 Einwohner zählende Stadt ist schnell vollbracht. Die Kleinstadt verbreitet eine ruhige, studentisch geprägte Atmosphäre. Ganz nett ist der Rathausplatz, der von neoklassizistischen Gebäuden umgeben ist. Besonders auffällig ist das lila-/orangefarbene Rathaus, vor dem ein Brunnen mit einer netten Skulptur eines beschirmten Liebespaares steht. Nördlich des Platzes liegt das ebenfalls neoklassizistische Universitätsgebäude, der Eingang wird von Kolonnaden geschmückt. Auf dem Domberg sind noch Ruinen einer Kathedrale zu sehen.

Suur Taevaskoja

Unser nächstes Ziel liegt in der Nähe von Polva. Sechs Kilometer vor dem Ort biegen wir links nach Taevaskoja ab. Nach weiteren vier Kilometern geht es rechts ab nach Suur Taevaskoja. Vor einem alten Wasserkraftwerk und dem dazugehörigen Stausee beginnt ein kurzer Wanderweg. Der harmlos wirkende Fluss Ahja hat hier bis zu 30m hohe Sandbänke und –höhlen ausgespült. Die Sandsteinwände, die von weiß bis terracotta-rot leuchten, heben sich idyllisch von dem kleinen Flusslauf und den grünen Bäumen ab. Über zwei Brücken führt der Weg an den Sandsteinwänden vorbei..

Von Polva aus wollen wir auf der Landstraße Nr. 64 weiter nach Voru. Verwöhnt vom deutschen Schilderwald mussten wir im Baltikum schon häufiger feststellen, dass hier eher das Prinzip „weniger ist mehr“ angewandt wird. Beispielsweise werden Abzweigungen i.d.R. vorher nicht angekündigt. So passiert es nicht selten, dass man beim Vorbeifahren aus dem Augenwinkel gerade noch erkennt, wo man eigentlich hätte abbiegen wollen und kurzfristig ein Wendemanöver einleiten muss.

Wie wir erfahren müssen, wird es mit Baustellen ähnlich leger gehandhabt, jedenfalls ist die Straße für uns auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar. Es fällt uns zwar auf, dass die Fahrbahn gerade neu gemacht wird, aber auf dem festgewalzten Sand fährt es sich nicht so viel schlechter als auf den bekannten Schotterpisten. Zudem kommt uns ein Auto entgegen, so dass wir uns nichts Böses denken. Kurz darauf wird allerdings erkenntlich, dass es wohl noch einige Wochen dauern wird, bis die Straße wieder durchgängig befahrbar sein wird, denn vor uns kippen Lkws gerade Sand ab. Darüber verwundert, dass wir weder Umleitungsschilder noch eine Baustellenabsperrung ausgemacht haben, machen wir kehrt. Genauer gesagt versuchen wir es. Beim Zurücksetzen fahren wir uns im weichen Sand fest. Mit jedem Versuch, dem Sand zu entkommen, buddeln sich die Hinterräder nur noch tiefer ein. Glücklicherweise haben die Bauarbeiter noch nicht Feierabend gemacht. Auch ohne sprachliche Verständigungsmöglichkeit ist unsere missliche Lage unverkennbar. Mangels Abschleppmöglichkeit bleibt nur, das Fahrzeug herauszuschieben. Nach ersten kontraproduktiven Versuchen, die das Fahrzeug noch weiter eingraben, kommen rettende Spaten zum Einsatz. Nachdem das Fahrzeug nun etwas freigeschaufelt wurde, gelingt die Befreiung mit viel hin und her schließlich. Für den tatkräftigen Einsatz wollen wir uns gerne erkenntlich zeigen, doch die Bauarbeiter lehnen das angebotene Geld dankend ab. Vorsichtig und nach der Devise „bloß nicht anhalten“, fahren wir den Kilometer wieder zurück und freuen uns, wieder asphaltierten Boden zu erreichen. Aus dieser Richtung kommend sehen wir nun auch das Umleitungsschild.

Piusa Sanhöhlen

Mit einem etwas unguten Gefühl fahren wir später auf diversen Schotterstraßen nach Obinitsa. Wir sind nur wenige Kilometer von der höchsten Erhebung des Baltikums, dem 318 m hohen Suur Muna magi sowie von der Grenze zu Russland entfernt. Dementsprechend ist die Landschaft hier etwas hügeliger. Von Obinits führt eine Straße zu den Sandhöhlen von Piusa. Zwischen 1922 und 1970 wurden diese Höhlen durch Quarzsandabbau, der von der Glasindustrie benötigt wurde, geschaffen. Das Gebiet wurde 1999 unter Naturschutz gestellt. In den Höhlen haben sich Fledermäuse angesiedelt, heute eine der größten Kolonien im Baltikum. Die Höhlen sind frei zugänglich. Von den Fledermäusen können wir allerdings nichts erkennen, aber die Atmosphäre beim Durchlaufen der Höhle ist toll. Wie Säulen einer Kathedrale, die in Rundbögen zusammenlaufen, wirken die verbliebenen Sandsteinstelzen. Mangels einer Taschenlampe wagen wir uns allerdings nicht allzu weit hinein. Hinter der Höhle führt ein Weg zu einer großen Sanddüne, die sich entlang des Waldrandes in der Sonne leuchtend erstreckt.

 

Damit verlassen wir Estland und passieren bei Aluksne erneut problemlos die estisch-lettische Grenze.

Um den grauen Tag noch etwas aufzuhellen, haben wir uns für die Übernachtung eine Villa aus dem 18. Jh. ausgesucht. In der Nähe von Cesvaine, mitten in einem ländlichen Gebiet und umgeben von einem gepflegten Park liegt das Hotel Grasu Pils. Dieses ist zwar wesentlich einfacher ausgestattet als die bisherigen „königlichen“ Hotels, aber trotzdem ausgesprochen charmant. zurueck

Donnerstag, 2.6.2005 Dzukijos Nationalpark - Gruto Parkas

Das Wetter ist uns noch immer nicht ganz wohl gesonnen. Nachdem wir uns noch von Außen das Schloss Cesvaine angesehen haben, wollen wir heute „Strecke“ machen.

In Daugavpils legen wir einen Tank- und Einkaufsstopp ein. Die verbliebenen estischen Kronen tauschen wir hierfür in Lats um. Bei Zarasai passieren wir die lettisch-litauische Grenze und suchen uns an einem idyllisch gelegenen See einen netten Picknickplatz – glücklicherweise erwischen wir hierbei ein Sonnenloch.

Gestärkt geht es weiter über Vilnius bis ganz in den Süden Litauens zum Dzukijos Nationalpark. Viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt es direkt im Park nicht, so dass wir uns in Druskininkai ein Hotel suchen.

Den verbleibenden Nachmittag verbringen wir mit einem Besuch des fünf Kilometer nördlich gelegenen Gruto Parkas. In einer nett angelegten Parkanlage wurde ein Sowjet-Skulpturen-Museum eingerichtet.

Gruto Parkas
Gruto Parkas

Hierfür wurden aus vielen Städten und Dörfern Litauens die Monumente der Sowjetzeit demontiert und hier wieder aufgebaut. Eine gut gemachte Ausstellung informiert über die Besatzungsgeschichte. Die Marschmusik-Beschallung aus nachgestellten Wachtürmen unterstreicht die skurrile Atmosphäre. zurueck

 

Freitag, 3.6.2005 Polen – Wolfsschanze - Marienburg

Leider fehlt uns die Zeit für eine Wanderung im Nationalpark und auch das Wetter spielt nicht ganz mit. Zudem mussten wir uns inzwischen eingestehen, dass sich die Natur hier nicht so wesentlich von der deutschen unterscheidet. Kurz hinter Lazdijai fahren wir über die litauisch-polnische Grenze und verlassen damit das Baltikum.

Im Masurengebiet kommen wir an vielen schönen, unberührten Seen vorbei. Unser Ziel ist Gierloz (bei Ketrzyn) wo wir das unter dem Namen „Wolfsschanze“ bekannte ehemalige Führerhauptquartier (FHQ) besichtigen. Im Herbst 1940 begann der Bau. Der Rastenburger Stadtwald wurde aufgrund seiner strategisch guten Lage hierfür auserwählt. Zum einen durch die Nähe zur Sowjetunion und der natürlichen Sperre der masurischen Seenplatte im Osten, aber auch aufgrund einer vorhandenen Eisenbahnlinie und dem Schutz des sumpfigen Waldes.

Wolfsschanze - Führerhauptquartier

Auf 2,5 qkm war die Wolfsschanze eine kleine Stadt für sich. Über 80 Gebäude wurden hier erbaut, davon acht der schwersten Luftschutzbunker mit 5-8m dicken Stahlbetonwänden. Darüber hinaus gab es mehrere kleinere Bunker mit zwei Meter dicken Wänden, eine Post- und Kurierstelle, Wirtschaftsbaracken, Wasserreservoire und nicht zu vergessen zwei Flugplätze. Das FHQ war von 100 – 150m breiten und insgesamt 10 km langen Minenfeldern umgeben, die Entminungsarbeiten der über 54.000 Minen nach dem Krieg dauerte 10 Jahre.

Wolfsschanze

Hitler hielt sich vom 24.06.1941 (zwei Tage nach Kriegsbeginn mit der Sowjetunion) bis zum 20.11.1944 hauptsächlich hier auf. Als die Rote Armee am 24.01.1945 in Angarburg einmarschierte, sprengten deutsche Pioniere alle Objekte in die Luft. Eine Gedenktafel erinnert an das hier erfolglos ausgeführte Attentat Stauffenbergs vom 20.07.1944.

Obwohl nur noch Ruinen stehen, ist diese geschichtsträchtige Stätte sehr beeindruckend und auch ziemlich beklemmend.

Eine Fahrt auf dem Elblag-Osteroda-Kanal passt leider nicht mehr in unseren Zeitplan. Ein Höhenunterschied von 99,5m wird mit fünf Wasserrutschen überbrückt, wobei die Boote auf Trolleys geladen werden und nach dem Prinzip einer Seilbahn über Land gezogen werden. In Buczyniec kann man zwischen 12:00 h und 14:00 h das Schauspiel beobachten – auch dafür sind wir leider zu spät.

Eine Überraschung erleben wir, als wir durch Swieta Lipka fahren und unerwartet an einer imposanten, zweitürmigen Barockkirche vorbeikommen. Natürlich legen wir einen Besichtigungsstopp ein und passieren das schöne schmiedeeiserne Eingangstor.

Swieta Lipka

Im Inneren fällt uns zunächst die bemalte Decke und der 19m hohe Altar auf. Auch die dekorative Orgel mit über 5.000 Pfeifen ist sehenswert. Seit über 300 Jahren pilgern die Gläubigen zu dieser Wallfahrtskirche, deren Geschichte im 14. Jh. beginnt. Einem im Gefängnis sitzenden Verbrecher erschien in der Nacht vor der Verhandlung die Mutter Gottes. Von ihr bekam er ein Stück Holz, aus dem er über Nacht ihr Abbild schnitzte. Als er das Bild am nächsten Tag den Richtern zeigte, sprachen diese ihn frei, da sie den Segen Marias sahen. Auf dem Weg nach Reszel ließ er das Holzstück an einer Linde fallen, wo die heutige Basilika steht. Kurze Zeit später ereigneten sich an dieser Stelle zahlreiche Wunder, was dazu führte, dass an der Linde eine Kapelle errichtet wurde. Der Bau der heutigen Basilika wurde im Jahre 1687 begonnen und dauerte bis 1693. Die Kirche wurde erst durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 1983 zur Basilika geweiht.

 

Baltikum-Rundreise, Reiseberichte

Letzte Aktualisierung: Juni 2005 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker
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