Namibia - Land der Kontraste

Sonntag, 15.01.2006 Petrified Dunes - Solitaire - Spreetshoogte Pass - Kuiseb Pass

Heute lassen wir es etwas gemütlicher angehen, denn zu unserem heutigen Tagesziel sind es "nur" 260 km. Das extrem nette Team der Desert Homestead Lodge gibt uns noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg. Die Fahrt führt an dem imposanten Naukluft-Gebirge vorbei. Die Farben, die von fast Schwarz bis Magma-Rot reichen, lassen den vulkanischen Ursprung erkennen.

petrified Dunes
Petrified Dunes

Nach etwa 60 km auf der C19 erreichen wir die Petrified Dunes, zugänglich über die Namib Desert Lodge (ehemals Petrified Dune Lodge). An der Rezeption werden wir sehr freundlich empfangen. Unseren Wunsch, die Dünen zu besichtigen, erfüllt man gern und wir erhalten sogar ein Blatt mit der Beschreibung des 1,5 km langen Naturpfades (Fossil Dune Trail). Die Petrified Dunes Lodge wurde vor einem Jahr von der Gondwana Desert Collection aufgekauft und komplett umgebaut. Entstanden ist eine sehr gepflegte und liebevoll bepflanzte Anlage. Nur der Versuch, Rasen vor den Lodges anzulegen, erscheint uns angesichts des kostbaren Wassers fast zuviel des Guten.

Die rot leuchtenden Petrified Dunes erinnern uns stark an die Gesteinsformationen in Utah. Der Weg führt durch ein zur Zeit ausgetrocknetes Flussbett. An elf markierten Stellen gibt es Erklärungen zur hiesigen Pflanzenwelt sowie zur Entstehung der Versteinerung der Dünen, die vor 23 Mio. Jahren durch den Einfluss von Wind begann.

Auf der Weiterfahrt lassen wir uns den Zwischenstopp an der Wüstentankstelle Solitaire nicht entgehen und essen den überall empfohlenen Apfelkuchen - wirklich gut! Wer keinen Apfelkuchen mag, sollte dennoch nicht versäumen, einen Blick in den Solitaire General Dealer Store zu werfen und das umfangreiche Angebot zu bewundern.

Wenige Kilometer hinter Solitaire geht die D1275 zum Spreetshooge Pass ab, der uns im Desert Homestead ans Herz gelegt wurde. Allerdings ist man in Namibia derartig an Entfernungen gewöhnt, dass uns die eigentlich 35 km lange Strecke auf den Pass nur mit 15 km angegeben wurde. Doch der insgesamt 70 km lange Umweg ist durchaus lohnenswert. Lkws dürfen diese zum Teil sehr steile Passstraße nicht befahren, auch unser leistungsschwacher 4-Zylinder-Benzin-Motor müht sich ganz schön ab. Schon auf dem kurvigen Weg hinauf haben wir spektakuläre Ausblicke. Oben angekommen werden wir mit einen gigantischen Blick in die weite Landschaft belohnt. Die Abfahrt ist nicht minder schön.

Spreetshooge Pass
Spreetshooge Pass

Auf der C14 geht es weiter. Immer wieder ändert sich die Landschaft. Zunächst durchfahren wir eine gelbe Steppenlandschaft. Später erinnern uns erneut rote Sanddünen daran, dass wir an der Grenze des Namib Naukluft Parks entlang fahren. Als nächstes erreichen wir den Gaub Pass. Eine Gerölllandschaft, deren Gesteinsschichten von ziegelrot über schwarz wie Schiefer bis hin zu Sandstein reichen. Am Horizont sind einige dunkle Wolken zu erkennen, denen wir uns mehr und mehr nähern. Wir befinden uns nun auf einer Hochebene. Eine unwirtliche Mondlandschaft umgibt uns. Als wir den Kuiseb Pass erreichen, fallen die ersten Regentropfen. Fast tut es einem um jeden Wassertropfen leid, der diese Geröllwüste befeuchtet, wo Wasser anderswo viel dringlicher gebraucht würde. Ein paar zähe Sträucher sind hier jedoch ebenfalls zu finden. Schnell steht das erste Wasser in den ausgefahrenen Fahrspuren. Insgeheim sind wir froh, als der Regen wieder schwächer wird, denn die Pad kann ziemlich schnell unwegsam werden.

Die Gesteinsformationen haben sich durch Verschiebungen der Kongo- sowie der Kalahari-Kontinentalplatte vor Mio. von Jahren gebildet. Die Felsen bestehen aus Glitterschiefer, der leicht zerbröselt. Dadurch entsteht ein sehr feiner Staub, der sich in die Gesteinsfugen setzt und diese damit verstopft, so dass das Wasser nicht durchsickern kann. Aus diesem Grunde gibt es in dieser Region kein Grundwasser, wie wir später auf der Gästefarm Niedersachsen erfahren.

20 km hinter dem Kuiseb Pass verlassen wir die C14. Nun geht es auf der etwas unwegsameren D1998 weiter. Langsam nimmt die Vegetation wieder zu und wir fahren durch eine Steppenlandschaft. Eine Springbockherde hüpft an uns vorbei und überquert vor unserem Auto die Straße.

Die Straßenverhältnisse werden auf der D1982 leider noch schlechter. Der Anblick einiger Warzenschweine, die sich neben der Straße aufhalten, entschädigt uns etwas für die strapaziöse Fahrt, die sich doch in die Länge zieht. Inzwischen denken wir, dass es fast besser gewesen wäre, direkt nach Swakopmund zu fahren - der zeitliche Aufwand wäre derselbe gewesen. Auf den letzten Kilometern geht es nur sehr langsam voran, da die Fahrbahn häufig weggespült wurde und wir inzwischen durch eine hügelige, grüne Landschaft stetig Auf und Ab fahren. Angekommen auf der Gästefarm Niedersachen werden wir freundlich vom Farmer, Herrn Ahlert, begrüßt, doch äußert er sein Bedauern darüber, dass wir keinen Regen mitgebracht haben. Unvorstellbar, denn der Himmel über uns hängt voll dunkler Wolken. Von der Veranda haben wir einen wunderschönen Blick. In der Ferne wird der Himmel immer wieder von Blitzen durchzogen.

Auf der 19.000 ha großen Farm wird eine Karakul-Schafzucht betrieben. Von den ursprünglich aus Asien stammenden, widerstandsfähigen Schafen werden insbesondere die Pelze, bekannt als Persianer verwendet. Die Pelze stammen leider von Lämmern, die schon am Tag nach der Geburt geschlachtet werden. Die landwirtschaftlichen Bedingungen sind schwierig, denn auch hier ist Wasser das wichtigste Gut. Auf dem Grundstück wurde ein kleiner Staudamm gebaut, um mehr Wasserreserven zu haben. Der kleine Stausee wird von Fröschen bewohnt, die noch die ganze Nacht hindurch - wir haben glücklicherweise Oropax - ihr Quakkonzert geben.

Bei einem typisch deutschen Essen sitzen wir mit der Farmersfamilie zusammen, nur der Sonntagsbraten (Antilope) entspricht nicht ganz dem daheim. Frau Ahlert ist in Namibia geboren und bewirtschaftet die Farm ihres Vaters weiter. Ihr Mann kommt ursprünglich aus Ostwestfalen, genauer gesagt aus Bielefeld. Wir erfahren eine Menge über die Sorgen und Nöte, die das Leben hier mit sich bringt. Die Farm wird mit ca. 10 einheimischen Angestellten betrieben, was nicht immer ganz einfach ist, da die Angestellten, die mit Frau und Kindern auf der Farm kostenfrei leben, sich nicht "kaputt" arbeiten und die staatlichen Auflagen hoch sind. Häufig können sie angabegemäß nicht mit Geld umgehen. So kommt es nicht selten vor, dass das Geld verprasst wird, aber kein Geld da ist, um das anfallende Schulgeld zu zahlen, so dass die Kinder - trotz Schulpflicht - nicht zur Schule gehen. Uns erstaunt, dass man hier in der "Wüste" sogar deutsches Fernsehen empfängt. Die Gastgeber sind gut darüber informiert, was in Deutschland passiert und beschäftigen sich intensiv mit den Geschehnissen.

Herr Ahlert erzählt uns von den zwei deutschen Geologen Henno Martin und Herrmann Korn, die nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor der drohenden Internierung in die Wüste geflohen waren und etwa zwei Jahre hier lebten. In der Nähe des Kuiseb Passes ist eine der Höhlen zu besichtigen, eine weitere befindet sich auf dem Farmgelände. Der Vater der Farmerin hat die beiden teilweise mit Lebensmitteln versorgt. Die Erlebnisse wurden von Henno Martin in dem Buch "Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste" festgehalten.zuruek

Montag, 16.01.2006 Namib Naukluft Park - Swakopmund

Am Morgen werden wir vom Farmer mit einem zufriedenen Lächeln begrüßt, nachts gab es immerhin 1,1 mm Niederschlag. Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschieden wir uns. Das interessante Farm-Erlebnis möchten wir nicht missen.

Hoch erfreut sind wir darüber, dass Herr Ahlert uns eine Permit für die Namib Section des Namib Naukluft Parks überlassen hat und wir so schon einige der von Swakopmund aus geplanten Aktivitäten auf der Hinfahrt absolvieren können. Ebenfalls wurden uns eine Menge hilfreicher Tipps mit auf den Weg gegeben und natürlich eine Karte, in der die Route eingezeichnet und alles Sehenswerte beschrieben ist.

Zunächst müssen wir 30 km bis zum Abzweig der D1985 zurück fahren, der wir wiederum bis zu C28 folgen. Ein paar Warzenschweine kreuzen unseren Weg. Die Giraffen, die man hier ab und zu sehen können soll, sehen wir leider nicht. Dafür laufen uns auf der Permit-Straße nach Tinkas (nur 4x4) schon bald einige Springböcke über den Weg. Ein Bock scheint sich mit uns Kräfte messen zu wollen und läuft eine Zeit lang immer wieder die Straßenseite wechselnd vor unserem Auto her - und das bei knapp 70 km/h. Auch einige Oryx-Antilopen, diesmal in Herden mit einigen Jungtieren, sind zu sehen.

Bewaffnet mit Ferngläsern fühlen wir uns wie auf einer Safari und sind hoch erfreut, als wir wenig später auch ein paar wilde Zebras erspähen. Auch ein paar Strauße lassen sich blicken. In der Luft kreisen Geier und drei weitere sehen wir neben einem bereits abgenagten Antilopen-Skelett sitzen. Ganz niedlich sind ein paar Erdmännchen, die uns neugierig aber scheu ansehen, vom Untergrund heben sie sich farblich kaum ab.

Erstes Ziel ist der Tinkas Damm. Hier gibt es zur Abwechslung etwas grün in der ansonsten sandgelben Geröllwüste - allerdings kein Wasser. Der Boden des Stausees ist von tiefen Rissen durchzogen aber noch feucht vom letzten Regen. Wir wandern etwas über die Felsen und sehen eine Vielzahl schöner weiß- bis apricotfarben schimmernde Mineralien, die für eine ungewöhnliche Abwechslung sorgen. Einige Kilometer weiter erreichen wir skurril wirkende Grabstätten zweier deutscher Soldaten, die 1896 hier ums Leben kamen.

Kurz darauf fahren wir an ungewöhnlichen Gesteinsformationen - eine erinnert uns an eine Käseglocke - vorbei. Nun sehen wir bereits die Blutkuppe, ein ca. 100 m hoher Monolith, der aus der Landschaft ragt. Die blutrote Farbe, die der Fels bei Sonnenauf- und untergang annimmt, verleiht ihm seinen Namen. Hier finden wir ein schönes, schattiges Picknickplätzchen.

Blutkuppe
Blutkuppe

Nun erreichen wir wieder die C28, wo wir etwas "Strecke" machen können, um nach 56 km den Welwitschia Drive von hinten aufzuzäumen. Der Höhepunkt dieser Tour ist die Welwitschia, insbesondere die am Ende der Route liegende 1.500 Jahre alte Pflanze. Die Pflanze ist diözisch, d.h. männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane werden auf unterschiedichen Pflanzen getragen. Wir haben Glück und können die unterschiedlichen Blüten (von Dezember bis Mai) sehen.

Auf der Route gibt es insgesamt 13 Markierungen, mit wissenswerten Infos zur Strecke, insbesondere zur Vegetation. Witzig sind einige verrostete Teile von Kettenraupenfahrzeugen, die 1915 bei der Verfolgung der deutschen Schutztruppen durch die südafrikanischen Truppen zurückgelassen wurden.

Nun erreichen wir wieder die C28, wo wir etwas "Strecke" machen können, um nach 56 km den Welwitschia Drive von hinten aufzuzäumen. Der Höhepunkt dieser Tour ist die Welwitschia, insbesondere die am Ende der Route liegende 1.500 Jahre alte Pflanze. Die Pflanze ist diözisch, d.h. männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane werden auf unterschiedichen Pflanzen getragen. Wir haben Glück und können die unterschiedlichen Blüten (von Dezember bis Mai) sehen.

Welwitschia
Welwitschia

Auf der Route gibt es insgesamt 13 Markierungen, mit wissenswerten Infos zur Strecke, insbesondere zur Vegetation. Witzig sind einige verrostete Teile von Kettenraupenfahrzeugen, die 1915 bei der Verfolgung der deutschen Schutztruppen durch die südafrikanischen Truppen zurückgelassen wurden.

Leider müssen wir feststellen, dass der Vorderreifen merklich Luft verloren hat, was ganz nach einem Loch im Reifen aussieht. Noch ist es unbedenklich, weiter zu fahren, aber als wir wenige Kilometer später zur Kontrolle anhalten, sieht es nicht gut aus. Natürlich haben wir keine Lust, den Reifen zu wechseln. Als Sonderzubehör haben wir ebenfalls eine Kompressor-Luftpumpe geordert, die nun zum Einsatz kommt.

Mondlandschaft
Mondlandschaft

Bei der nächsten Kontrolle, wenige Kilometer später, sind wir zuversichtlich, auf diese Art und Weise nach Swakopmund zu kommen. So nutzen wir den Ausblick in die Mondlandschaft, um gleichzeitig den Reifen aufzupumpen. Allerdings entscheiden wir uns für den kürzesten Weg und fahren nicht durch den Swakop-Flusslauf. Bei Meikes Guesthouse, unserem nächsten Quartier, angekommen werden wir zur nächsten Reifenreparaturwerkstatt gelotst. Hier lassen wir den defekten Reifen zum Flicken abnehmen und vorübergehend einen unserer (ziemlich profillosen) Ersatzreifen aufziehen.

Nun beziehen wir unser Quartier. Für das Auto gibt es sogar eine Garage und das gesamte Gelände ist mit hohen Mauern abgesichert. Natürlich hatten wir schon gehört, dass es in Swakopmund mehr Kriminalität gibt, hätten aber nicht erwartet, dass derartige Sicherungsmaßnahmen erforderlich sind. Beim späteren Bummel durch das Städtchen sehen wir, dass die Nachbarhäuser ähnlich geschützt sind. In der um 18:00 h völlig ausgestorben wirkenden Innenstadt treffen wir immer wieder auf Sicherheitspersonal.

Swakopmund macht auf uns einen ziemlichen künstlichen Eindruck. Einige Häuser im deutschen Baustil wirken fast wie für Disneyland aufgebaut, doch insgesamt werden wir eher an eine amerikaniche Kleinstadt erinnert. Richtig deutsch wird es allerdings im Brauhaus, wo wir bei deutscher Musik zu Abend essen. Eine Spezialität ist der grüne Spargel, der in der Nähe angebaut wird - und natürlich genau so schmeckt wie in Deutschland. zuruek

Dienstag, 17.01.2006 Swakopmund - Walvis Bay

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen. Swakopmund ist - wie wohl üblich - am Morgen von einer Wolkendecke überzogen. Zunächst holen wir den inzwischen reparierten Reifen ab. Dieser hatte sogar zwei Löcher, die Reparatur (60 N$) war spottbillig.

Als wir noch ein paar Einkäufe erledigen, lassen wir das Auto von sogenannten "Car Watchern" bewachen. Meike erzählt uns später, dass man dem Autodiebstahl und -einbruch mit Einführung dieser offiziellen und registrierten Bewacher Einhalt geboten hat. Es ist angemessen fürs Aufpassen 1 - 2 N$ pro Stunde zu geben.

Martin Luther DampflokNun holen wir erst einmal die Besichtigung der kurz vor Swakopmund an der B2 stationierten Dampflok Martin Luther nach. Die 1892 importierte, mit Dampf betriebene Straßenlokomotive sollte die Transportprobleme lösen. Mit 1,4 Tonnen Gewicht blieb die Lok jedoch ständig im Sand stecken. Zudem wurden für den Antrieb enorme Mengen an Süßwasser benötigt, die von weit her geholt werden mussten. Ferner konnte die Lok nur zwei Waggons ziehen, der Verbrauch an Feuerholz bis nach Jakelswater betrug jedoch ebenfalls zwei Waggons. So ließ man 1897 die Lok trostlos liegen und taufte sie nach dem Motto "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" Martin Luther. Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten wurde sie in einem Gebäude untergebracht und geschützt. Dieses ist leider geschlossen, doch durch die Glasscheiben kann man einen Blick auf das Ungetüm werfen.

Später besichtigen wir die Kristall-Galerie. Eine sehr interessante und gut aufbereitete Ausstellung. Sehenswert ist insbesondere der mit 3 Meter Durchmesser und 3,5 Meter Höhe sowie 14.100 kg Gewicht größte Kristall der Welt, der etwas 520 Mio. Jahre alt sein soll.

Wahrzeichen der Stadt ist die Jetty aus dem Jahre 1912, eine 262 m lange Landungsbrücke, die als solche nie genutzt wurde, da sie den widrigen Bedingungen kaum standhält. Die Brandung kracht mit bis zu 50 Tonnen/Quadratmeter auf die Pfeiler. Nachdem die Jetty 1985 restauriert wurde, musste sie bereits 1998 wieder geschlossen werden und die Finanzierung einer erneuten Restaurierung ist ungewiss. Derzeit ist diese Gegend etwas trostlos.

Woermann-Haus SwakopmundZu den schönsten Beispiele deutscher Architektur in Swakopmund gehört das Woermann-Haus, das Bahnhofsgebäude (heute Hotel und Casino), das Alte Amtsgericht oder das Gebäude der Post. Das Hansa Hotel soll von innen sehr schön sein und bietet für verhältnismäßig wenig Geld ein feudales Essen, wobei man von livriertem Personal bedient wird. Die erste Bierbrauerei gab es bereits 1900 in Swakopmund. Seit 1929 braut die Hansa Brauerei nach deutschem Reinheitsgebot.

Gegen Mittag haben sich die Wolken verzogen. Durch die Sandwüste, die direkt hinter der Stadt beginnt, fahren wir nach Walvis Bay, 30 km südlich. Die hohen Sanddünen werden für viele Aktivitäten wie Quad biking, Paragliding oder Fallschirmspringen genutzt.

Das Besondere an Walvis Bay ist die große Bucht, die früher Walen Schutz bot. Der Tiefseehafen (der einzige Namibias) wurde 1994 von Südafrika übergeben. Pro Jahr legen etwas 1.000 Schiffe im Hafen an - vor der Küste sehen wir bereits einige Schiffe vor Anker liegen, die auf die Einfahrterlaubnis warten. Walvis Bay ist eine reine Industriestadt, die am Reißbrett mit geometrisch angeordneten Straßen entworfen wurde.

 

Die Lagune ist ein wahres Vogelparadies, tausende von Zugvögeln überwintern hier. Es ist die größte Brutstätte für See- und Landvögel weltweit. Morgens (leider sind wir dafür zu spät dran) werden Rundfahrten durch die Lagune angeboten. Doch schon von der Esplanade aus kann man einige Tiere beobachten. Insbesondere viele Flamingos, eine weiße und eine etwas kleinere pinkfarbene Art, sind zu beobachten.

Lohnenswert ist es, bis zum Pelikan Point zu fahren. Auf dem Weg dorthin leuchten uns bereits weiße Salzberge entgegen und mit Salz beladene Lkws fahren an uns vorbei. Später können wir beobachten, wie die Lkws über eine lange Förderbrücke beladen werden. Am Küstenstreifen gibt es große Flächen, die der Salzgewinnung dienen und sich leuchtend weiß von der Sandwüste abheben. Die Fahrt zum Pelikan Point ist interessant. Man fährt über einen schmalen Landstreifen, der rechts und links von Wasser umgeben ist. Unterwegs sieht man viele Vogelschwärme und durchs Wasser watende Flamingos.

Flamingos
Pelikan Point

Ansonsten gibt es in Walvis Bay nicht viel zu sehen. Auf dem Rückweg halten wir am Bird Rock, einer künstlich angelegten Plattform, die als Brut- und Nistplatz dient. Der eigentliche Zweck ist jedoch die Guano-Gewinnung, der durch die Vögel produziert wird. Sämtliche Guano-Vorkommen auf den vorgelagerten Inseln wurden bereits ausgeschöpft.

Den Tag lassen wir bei einem kleinen Picknick im Garten des Gästehauses ausklingen. Im Schutze des Sonnenschirms lassen wir uns von dem später eintretenden Regen nicht vertreiben und bewundern einen Regenbogen. Der Schauer erscheint uns aufgrund der stetigen Wolkenbildung hier an der Küste ganz normal. Meike lehrt uns später eines bessern. In Swakopmund gibt es so gut wie nie Regen. Die Wolkenbildung und das etwas frischere Klima entsteht dadurch, dass an der Küste die heiße Wüstenluft auf den kalten Benguela-Strom trifft.zuruek

 

Mittwoch, 18.01.2006 Cape Cross - Brandberg - Damaraland - Khorixas

Ein weiterer Fahrtag steht uns bevor. Wir verlassen Swakopmund in nördliche Richtung. Im Gegensatz zum Süden ist die Wüste hier total flach. Glücklicherweise ist die Küstenstraße (eine Salzstraße) gut ausgebaut. Cape CrossFür den Abstecher nach Cape Cross nehmen wir eine zusätzliche fast 90 km lange Fahrt in Kauf, bereuen es aber nicht. 1486 kam der erste Europäer, der portugiesische Seefahrer Diego Cao hier an und errichtete ein Kreuz. Das Original ist heute im Museum für Deutsche Geschichte in Berlin ausgestellt.

RobbenkolonieDas Besondere ist die hier gelegene Robbenkolonie, in der etwa 80 - 100.000 Tiere leben. Derzeit sind hier fast nur Seekühe mit ihren Jungen, die erst im November und Dezember geboren wurden. Die Bullen kommen nur zur Paarungszeit Mitte Oktober zur Kolonie und bleiben sechs Wochen, in denen sie mit ihrem aus 5 - 25 Tieren bestehendem Harem Schwerstarbeit leisten müssen. Ihre vorher angefressenen Fettreserven (ein Bulle wiegt bis zu 360 kg) reduzieren sie schnell auf ihr Normalgewicht von etwa 190 kg. Nach der Befruchtung dauert es ein Jahr, bis die Robbenjungen geboren werden. Eine Überpopulation von 600 - 800.000 Kap-Pelzrobben macht eine bei Tierschützern sehr umstrittene Regulierung der Bestände erforderlich. Der tägliche Fischbedarf liegt bei acht Prozent des Körpergewichts, entsprechend benötigt ein ausgewachsener Bulle bis zu 29 kg Fisch pro Tag. Kühe wiegen nur 75 kg. Jährlich werden rund 1,8 Mio. Tonnen Fisch von den Robben vertilgt, was der Fischereiindustrie sehr schadet, deren Flotte fängt jährlich "nur" 700.000 Tonnen Fisch.

Das wertvollste sind die Genitalien der Bullen, die für etwa 1.250 U$ nach Ostasien zur Potenzmittelproduktion verkauft werden. Aus dem Robbenleder werden beispielsweise Schuhe hergestellt und die Knochen werden zu Dünger zermahlen. Auch das Fleisch wird verwertet.

Natürliche Feinde der Robben sind Schakale, die sich nachts insbesondere an die Jungen heran machen. Einen Schakal sehen wir, als wir das Gelände wieder verlassen. Den kaum zu ertragenden Gestank, der von der Kolonie ausgeht, können wir noch eine ganze Zeit im Auto wahrnehmen.

Entlang der Küste fahren wir die C34 zurück zum Abzweig der C35 in Richtung Uis. Nun sind wir mitten in der Sandwüste, die von der Schotterpiste geteilt wird. Rechts und links sehen wir eine Stunde lang nichts als Sand und Geröll. Eine kaum zu überbietende Ödnis - so gut es geht verdrängen wir den Gedanken an eine Panne. Später kommen uns tatsächlich noch Fahrzeuge entgegen.

Kurz vor Uis wird es hügeliger und die Vegetation nimmt zu. Als wir uns dem Brandberg nähern, haben sich vor uns tief hängende Wolken gebildet. Das Ausmaß des mit 2.573 m höchsten Berg Namibias erschließt sich uns leider nicht.

Inzwischen haben wir das Damaraland erreicht, benannt nach den Damara (Ureinwohner Namibias). Von den Herero- und Nama-Stämmen wurden sie als minderwertig betrachtet und versklavt. Deutsche Missionare setzten sich Ende des 19. Jh. für die Damara ein, so dass ihnen ein Gebiet, das später zum Damarareservat erklärt wurde, zugewiesen wurde. Im Zuge des Odendaal Plans wurde 1964 ein eigenes Homeland für die Damara geschaffen, wofür bis 1973 2000 Farmen aufgekauft wurden. Acht Prozent der namibischen Bevölkerung sind heute Damara. Wir kommen an vielen Straßenständen vorbei, an denen Halbedelsteine oder selbst hergestellte Souvenirs angeboten werden. Ständig versuchen uns Einheimische anzuhalten, damit wir ihre Waren kaufen, was uns ein etwas beklemmendes Gefühl gibt. Die Hütten, die wir von der Straße aus sehen können, sind sehr ärmlich. Zum ersten mal werden wir hautnah damit konfrontiert, dass Namibia ein Dritte-Welt-Land ist.

Nachmittags erreichen wir die Igowati Lodge in Kohrixas. In dieser staatlichen Einrichtung wimmelt es nur so von Angestellten, so wird, eher wir uns versehen, unser Auto gewaschen, natürlich wird dafür ein Trinkgeld erwartet.

Wir bedauern, dass wir hier zwei Nächte verbringen werden, denn obwohl die Anlage insgesamt recht nett ist, will sich die richtige Wohlfühlatmosphäre nicht einstellen. Es mag auch daran liegen, dass alle Lodges rund um den Hauptplatz angeordnet sind und man sich pausenlos beobachtet fühlt. Momentan sind wir die einzigen Gäste. Weitere Aktivitäten bieten sich für heute nicht an. Den Nachmittag verbringen wir am nicht zum Schwimmen einladenden Pool, bis uns die ersten Regentropfen vertreiben.

Im Restaurant speisen wir abends alleine. Immerhin gibt es drei Hauptgerichte zur Auswahl. Zwei weitere Übernachtungsgäste - Motorradfahrer - sind eingetroffen. Einige Biker hatten wir unterwegs schon gesehen und waren immer wieder erstaunt, wie man Spaß daran haben kann, ein Land, dass fast nur aus Schotterpisten und sengender Hitze besteht, so zu bereisen.

zuruek

Donnerstag, 19.01.2006 Twyfelfontein - Organ Pipes - Verbrannter Berg - Petrified Forest

Unesco WeltkulturerbeDas größte Highlight des heutigen Tages sind die Felsgravuren in Twyfelfontein, erst kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Trotz des gestrigen Regens, der noch etwas länger andauerte, sind die Straßen gut befahrbar. Allerdings ist in den häufigen Furten erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich, denn teilweise wurde die Straße unterspült. Unterwegs kommen wir an vielen kleinen Straßenständen vorbei und erneut wird häufig versucht, uns anzuhalten.

Die Felsgravuren (Petroglyphen) von Twyfelfontein sind nur mit einer geführten Tour zu besichtigen, da in der Vergangenheit von Touristen sehr viel zerstört wurde. 2.500 Steingravuren wurden hier entdeckt, von denen nicht alle zugänglich sind. Ursprünglich waren die Zeichnungen an einer glatten Felswand. Vermutlich durch Erdbeben wurde der Fels zerstört und in einzelne Steinplatten zerteilt. Zwei Rundwege führen zu acht Felsplatten. Die zum Teil gut erhaltenen Zeichnungen deuten darauf hin, dass bereits vor 6.000 Jahren Menschen hier gelebt haben. Die abgebildeten Tiere sind sehr gut zu erkennen. Anstelle von Füßen wurden häufig Fußspuren abgebildet. Wir haben einen sehr unterhaltsamen Führer, der eine Menge lustiger Geschichten erzählt. Besonders sehenswert ist die Löwenplatte und der große Elefant, der uns als "Ottifant" vorgestellt wird - die Ähnlichkeit ist frappierend.

Twyfelfontein
Twyfelfontein

Die Ausführung der Felsgravuren ist zugegebenermaßen sehr einfach. Das Bedeutende ist sicherlich, wie gut die alten Petroglyphen nach Tausenden von Jahren noch erhalten sind und wie das Wissen für nachfolgende Generationen weitergegeben wurde.

Ganz in der Nähe liegen die als Orgelpfeifen bekannten Basaltsäulen, die vor etwa 120 Mio. Jahren durch vulkanische Aktivitäten entstanden sind. Aufgrund einiger Abbildungen, die wir vorher gesehen haben, hatten wir uns die Säulen viel größer vorgestellt und sind enttäuscht, als wir sie nun in natura sehen.

Organ pippes
Orgelpfeifen

Auch der verbrannte Berg, den wir als nächstes ansteuern, beeindruckt nur durch seine Entstehungsgeschichte. Vor etwa 120 Mio. Jahren drang Eruptivgestein in den Schiefer ein. Die dadurch hervor gerufenen chemischen Prozesse veränderten den Stein und gaben ihm die heute sichtbare Farbenvielfalt.

Zu einem kleinen Mittagsimbiss fahren wir zur Twyfelfontein Lodge. Auf den massiven Felsbrocken vor dem Eingang sind ebenfalls originale Felsgravuren zu sehen. Ein wenig ärgern wir uns, dass wir uns gegen die zugegebenermaßen ziemlich teure Lodge entschieden haben, denn die Anlage ist sehr nett und wir hätten uns die Fahrerei zurück nach Khorixas erspart.

Auf dem Rückweg legen wir noch einen letzten Stopp am versteinerten Wald (Petrified Forest) ein. Hier muss etwas improvisiert werden, denn das Office ist vor wenigen Tagen abgebrannt. Ein kleiner Weg führt über das Gelände. Das versteinerte Holz ist zum Ende der Eiszeit entstanden. Sand- und Schlammmassen haben die Baumstämme luftdicht zugeschüttet. Erst später wurden sie durch Erosion wieder freigesetzt. Optisch sehen die Stämme aus wie Holz. Wenn man sie berührt spürt man jedoch den Stein.

petrified forest
Petrified Forest

Am frühen Nachmittag kehren wir zurück zur Igowati Lodge und bedauern erneut unsere Reiseplanung, denn anstatt wieder zurück zu fahren hätten wir locker auch bereis Palmwag erreichen können. Wenigstens scheint die Sonne und wir verbringen den verbleibenden Nachmittag am Pool. zuruek

Link Teil 1
Link Teil 3